HomeWissenswertTreppe, RampeRampen, Treppen, Aufzüge

Rampen, Treppen, Aufzüge

Aufzüge, Rampen, Treppen

Überwindung von Höhenunterschieden

Höhenunterschiede sind für gehbehinderte Menschen nur schwer zu überwinden - vor allem, wenn sie auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Um Barrierefreiheit zu erreichen, sind deshalb immer besondere bauliche Maßnahmen erforderlich, die meist mit erheblichem baulichen Aufwand verbunden sind.

Aufzüge

Der Leitstreifen führt zum Aufzugtaster, der an der Stele gut auffindbar ist. Durch die Stützenstellung ist der Raum sehr knapp, der Leitstreifen quer über den Bahnsteig liegt deshalb eigentlich zu dicht am Aufzug.
Gut auffindbar sind Aufzugstaster an einer Stele. Vorgegebene Stützen engen den Wartebereich ein.

Die komfortabelste Lösung für alle ist der Aufzug. Mit ihm lassen sich auch große Höhenunterschiede bequem bewältigen. Sie benötigen wenig Platz und lassen sich dadurch leicht in das Umfeld integrieren. Um sie mit Rollstuhl nutzen zu können, muss der Zugang mindestens 90 cm breit und die Kabine ausreichend groß sein (siehe DIN 18040-1, Kap. 4.3.5). Kleinere Aufzüge, in denen man nicht wenden kann, benötigen auf der Rückwand einen – bruchsicheren – Spiegel, damit der Weg aus der Kabine überblickt werden kann.

Vor dem Aufzug muss eine Bewegungsfläche von 1,50 x 1,50 m frei gehalten sein. Gegenüber darf keine Treppe direkt abwärts führen. Der Anforderungstaster und die Bedienknöpfe müssen in der Höhe von 85 cm angebracht sein, damit sie auch von Menschen bedient werden können, denen es schwer fällt, ihren Arm zu bewegen.


Abb. 2: Leitstreifen zum Auffinden eines Aufzugs
Leitstreifen zum Auffinden eines Aufzugs

Für blinde und sehbehinderte Menschen sind Aufzüge zwar einerseits auch bequem, andererseits aber relativ komplexe Anlagen. Sie müssen gefunden, angefordert, betreten und bedient werden. Deshalb müssen die Taster ertastbar sein, Türöffnung und Stockwerk akustisch signalisiert werden.

Das Auffinden eines Aufzugs ist durch Bodenindikatoren zu erleichtern. Dabei müssen die Bodenindikatoren nicht zur Aufzugstür, sondern zum Anforderungstaster führen. Denn den Taster zu finden, bietet die größere Schwierigkeit, und mit der Anforderung durch ihn beginnt die Aufzugsfahrt.

Die Bodenindikatoren können als Auffindestreifen quer über einen Gang angeordnet werden, mit Rippen in Gangrichtung. Wird der Weg durch ein Leitsystem angezeigt, führt ein Leitstreifen zum Taster. Ein kleines Noppenfeld kann dann auf die Seite hinweisen, an der sich die Aufzugstür oder die -türen befinden.

Leitstreifen zum Auffinden einer Aufzugsanlage
Abb. 3: Leitstreifen zum Auffinden einer Aufzugsanlage

Aufzugsanlagen sind beim Einbau wie in der Unterhaltung teuer und im Betrieb anfällig - vor allem dann, wenn sie im öffentlichen Raum frei zugänglich sind und stark frequentiert werden. Zu beobachten ist das oft an Bahnhöfen: Aufzüge fallen häufig aus, und eine Reparatur kann auf sich warten lassen. Für diejenigen, für die der Aufzug die einzig nutzbare Verbindung ist, werden komplexe Wegeketten vollständig unterbrochen.

Inzwischen sind verschiedene Hilfen zumindest in Entwicklung, über solche Unterbrechungen von Wege- und Reiseketten möglichst zeitnah zu informieren. Das kann über Navigationssysteme wie das vom BMWi geförderte Projekt m4guide im Internet erfolgen oder besser durch Apps für das Smartphone wie sie die Deutsche Bahn oder das österreichische Projekt ways4all anbieten.

Rampen

Rampe an Unterführung in Bad Vilbel
Abb. 4: Lange Rampenanlage an einer S-Bahnunterführung in Bad Vilbel

Im Vergleich zu Aufzügen sind Rampen zwar nicht die bequemere, aber die zuverlässigere Lösung. Als barrierefrei gelten Rampen nur bis zu einer Neigung von 6 % (siehe DIN 18040-1, Kap. 4.3.8 Rampen). Alle 6 m ist ein Zwischenpodest erforderlich, mit einer Tiefe von mindestens 1,50 m. Eine Querneigung ist nicht zulässig, damit Rollstuhlfahrer nicht seitlich abdriften. Im Außenraum muss die Entwässerung gewährleistet werden, dazu kann auch das Zwischenpodest eine Längsneigung haben Diese muss aber unter 3 % liegen, sonst gilt das Zwischenpodest als Rampe. Die Rampenbreite beträgt mindestens 1,20 m, die Höhe der Handläufe 85 – 90 cm und die Höhe der Radabweiser 10 cm. (siehe DIN 18040-1, 4.3.8 Rampen)

Bei größeren Höhenunterschieden benötigen Rampenanlagen sehr viel Platz. Um die Höhe eines einzigen Geschosses zu überwinden, sind ca. 60 m Rampenlänge erforderlich, bei Unterführungen mit stärkeren Deckenkonstruktionen entsprechend mehr.

Wenn eine Wegebeziehung sehr frequentiert ist, kann es sinnvoll sein, sowohl Aufzug als auch Rampe vorzusehen. Dann kann die Rampe ggf. auch etwas steiler (bis ca. 10 %) und ohne Zwischenpodeste angelegt werden; das bedeutet aber, sie ist nicht vollständig barrierefrei. Die barrierefreie Wegekette ist dann durch den Aufzug geschlossen. Trotzdem werden bei Ausfall des Aufzugs gut ausgestattete Rollstuhlfahrer die Rampe noch nutzen können. In anderen Ländern, z.B. Österreich, gelten Rampen bis 10 % Neigung im Ausnahmefall durchaus als barrierefrei.

Treppen

Auch wenn nicht alle Menschen Treppen nutzen können, bleiben sie für die meisten die wichtigste, zuverlässigste und kürzeste Verbindung unterschiedlicher Ebenen. Das trifft auch zu auf motorisch eingeschränke Menschen. Für Blinde und Sehbehinderte ist eine Treppe meist viel einfacher und routinierter zu nutzen als ein komplizierter Aufzug. Deshalb müssen Leitsysteme immer zur Treppe führen. Die Anzeige von Aufzügen und auch Rampen oder Rolltreppen bietet nur eine zusätzliche Information.

Das Leitsystem führt zum Handlauf, der am Ende mindestens 30 Zentimeter waagerecht über die letzte Stufe hinaus geführt wird.
Abb. 5: Treppe zur U-Bahn in Frankfurt - Handlauf 30 cm waagerecht weiterführen
Solche auslaufenden Stufen ohne Kontrast, wie hier an einem Kiosk mit Touristeninformation, können selbst für sehende Passanten zur Stolperfalle werden.
Abb. 6: Flach auslaufende Stufe ohne Kontrast - Stolperfalle auch für Sehende
Am Bahnhof Mörfelden wurden oberhalb der StufenplattenNoppenplatten verlegt. Die Stufenmarkierung dieser Stufen ist allerdings nicht ausreichend kontrastreich.
Abb. 7: Noppenplatten oberhalb der Stufen - und eine Stufenmar­kierung mit wenig Kontrast

Damit Treppen gut nutzbar sind, sollten die Läufe möglichst gerade sein. Geländer müssen mindestens 30 cm waagerecht über das Ende hinaus führen, damit blinde und auch andere Menschen am Handlauf Anfang und Ende des Treppenlaufs erkennen können. Trittstufen sollten nicht über die Setzstufen hinausragen, und zumindest die oberste und unterste Stufenkante müssen kontrastreich markiert sein (an der Setzstufe 1-2 cm, auf der Trittstufe 4-5 cm). Damit wird auf Beginn und Ende der Treppe hingewiesen (siehe DIN 18040-1, 4.3.6 Treppen). Im Außenraum ist sogar an allen Stufen eine solche Markierung erforderlich (siehe DIN 18040-3, 5.4.4. Treppen).

Treppen sind aber auch gefährliche Stolperfallen. Vor allem Treppen mit geringer Stufenanzahl oder flach auslaufenden Stufen werden selbst von Normalsichtigen leicht übersehen; um so mehr gilt dies für Blinde und Sehbehinderte. Hier muss deshalb vor dem oberen Ende vor der Absturzgefahr durch Bodenindikatoren gewarnt werden. Das gilt auch bei tieferen Zwischenpodesten über 3,50 m, weil hier die Treppenanlage oft nicht mehr als Einheit wahrgenommen wird.

Am unteren Ende von Treppen sind Aufmerksamkeitsfelder dann erforderlich, wenn die Treppe Element eines Leitsystems ist oder wenn sie nicht ohne diesen Hinweis aufgefunden werden kann, z.B. durch die Form der Gehbahnbegrenzung. Dann ist darauf zu achten, dass keine Scheinstufen entstehen und die erforderlichen Kontraste gewährleistet bleiben. Die letzte Stufenmarkierung und damit das Treppenende müssen von oben deutlich visuell erkennbar sein.

Aufmerksamkeitsfeld am unteren Ende einer Treppe. Beim Blick von oben muss die Stufenkantenmarkierung kontrastreich zum Bodenbelag darunter wahrgenommen werden können.
Abb. 8a: Aufmerksamkeitsfeld am unteren Ende einer Treppe
Schema einer flachen Treppe mit Aufmerksamkeitsfeld
Abb. 8b: Aufmerksamkeitsfeld bei fehlendem Kontrast

[Abb. 8b: Bei fehlendem Kontrast zur Stufenkantenmarkierung wird das Aufmerksamkeitsfeld von der Treppe abgerückt.]


Wenn das Noppenfeld bis an die Treppe heranreicht, muss sich die Stufenmarkierung visuell deutlich von ihm abheben (K≥0,4). Andernfalls muss es mindestens um die doppelte Auftrittbreite abgerückt sein. Eine mögliche Alternative wäre, hier auf den visuellen Kontrast zwischen Aufmerksamkeitsfeld und Bodenbelag zu verzichten. Dies ist denkbar, weil dieses Feld weniger der Warnung vor der Treppe als ihrem Auffinden dient, was für Sehbehinderte meist auch ohne Bodenindikator möglich ist.

Bei breiteren Treppen (über 3 m) müssen Bodenindikatoren zu den Handläufen führen (siehe DIN 32984 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum, Kap. 5.7 Niveauwechsel). Bei mehr als 12 m Breite ist ein zusätzlicher Handlauf in der Mitte erforderlich. Leitsysteme führen dann auf diesen mittleren Handlauf hin. So ist immer gewährleistet, dass man sowohl mit der linken wie der rechten Hand dem Handlauf folgen kann.

Schemaskizze Bodenindikatoren als Führung zu Treppenabgängen gemäß DIN 32984: Treppe bis 3m Breite
Abb. 9: Treppe bis 3 m Breite
Schemaskizze Bodenindikatoren als Führung zu Treppenabgängen gemäß DIN 32984: Treppe über 3m Breite
Abb. 10: Treppe über 3m Breite
Schemaskizze Bodenindikatoren als Führung zu Treppenabgängen gemäß DIN 32984: Treppe seitlich an einem Leitstreifen gelegen
Abb. 11: Seitlich an einem Leitstreifen gelegene Treppe

Viele Blinde und Sehbehinderte nutzen auch Rolltreppen. Dies ist allerdings nur gefahrlos möglich, wenn die Treppen nicht die Laufrichtung wechseln. Um die Nutzung zu erleichtern, werden Blinde und Sehbehinderte am besten durch Bodenindikatoren an den Handlauf zwischen der Rolltreppe und der begleitenden festen Treppe heran geführt (siehe DIN 32984, Kap. 5.7.3 Fahrtreppen, Fahrsteige und Rollbänder). In Leitsystemen kann auch ein Abzweigefeld auf die Rolltreppe hinweisen, dann aber nur auf die abgehende.

Treppe zur Domplatte in Köln. Die Führung zum Handlauf in der Treppenmitte erfolgt über ein Metallelement im Boden. Für Menschen, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, dient der Weg rechts als Verbindung.
Abb. 12: Treppe mit mittigem Handlauf und Leitelement im Boden
Leitsystem in der S-Bahn Leipzig. Auf die abgehende Rolltreppe wird nur durch ein Abzweigefeld hingewiesen.
Abb. 13: Hinweis auf Rolltreppe nur durch Abzweigefeld

Besondere Orientierungshilfen

Leitsystem im Hauptbahnhof Frankfurt. Die Breite der Leitstreifen wurde nach Bedeutung der Verbindung differenziert.
Hauptbahnhof Frankfurt - Breite der Leit­streifen differenziert nach der Bedeutung der Verbindung

Treppen, Rolltreppen und Aufzüge sind oft Bestandteil von komplexen Verkehrsknoten sowie Verbindung verschiedener Verkehrsebenen. Hier ist die Orientierung besonders schwierig und deshalb sind Leitsysteme erforderlich. Es kann dann die Orientierung erleichtern, Informationen unterschiedlich zu gewichten. Zum Beispiel wurde im Hauptbahnhof Frankfurt der Leitstreifen entlang des Querbahnsteigs mit doppelter Breite angelegt. Auf untergeordnete Verbindungen wie etwa Rolltreppen oder Rampen genügt es möglicherweise, nur mit einem Abzweigefeld hinzuweisen (Abb. 11).

Quer laufende Leitstreifen müssen immer ausreichend Platz lassen vor Aufzügen oder Treppen, insbesondere aber vor dem Auslauf von Rolltreppen, um unangenehme Begegnungen mit wartenden oder querenden Passanten zu vermeiden (Abb. 1 und 10).


Handlaufbeschriftung als Orientierungshilfe, oben in Prismenschrift, auf der Rückseite in Brailleschrift.
Abb. 15: Handlauf mit Pyramidenschrift und Braille

Zusätzliche Hinweise zur Orientierung können an Handläufen angebracht werden: an der Oberseite in Prismenschrift mit lateinischen Großbuchstaben, auf der Rückseite in Brailleschrift. Dabei ist immer davon auszugehen, dass der rechte Handlauf genutzt wird. Am Antritt einer Treppe wird am rechten Handlauf darauf hingewiesen, wo die Treppe hinführt, am Austritt aber, wohin es rechts oder links ggf. weiter geht.

mehr zu diesem Thema...

Autorinfo

Logo: Herr Dipl.-Ing. Arch. Bernhard  Kohaupt

Herr Dipl.-Ing. Arch.
Bernhard Kohaupt

60489 Frankfurt

Beratung, Planung, Seminare, Vorträge und Schulungen

Schwerpunkt ist die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum: Gehwege, Wegenetze, Querungsstellen, Haltestellen, Bodenindikatoren, Treppen und Rampen

Barrierefreie Verkehrs- und Außenanlagen

Barrierefreie Verkehrs- und Außenanlagen

Relevante Regelwerke und DIN 18040-3

Buch bestellen

Expertenseite

Zusatzinfo

Quellen:

DIN 18040-1:2010-07 Barrierefreies Bauen Planungsgrundlagen - Teil 1: öffentlich zugängliche Gebäude

DIN 18040-3:2014-12 Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen - Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum

DIN 32984:2011-10 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum

DB Station und Service AG, Richtlinie Bautechnik, Leit-, Signal- u. Telekommunikationstechnik, Personenbahnhöfe planen, Bahnsteige konstruieren und bemessen, RIL 813.0201

Ausstattung der Personenbahnhöfe mit taktilen Leitsystemen für Blinde und Sehbehinderte, RIL 813.0205

Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (HBVA), Ausgabe 2011 (W 1)

Kohaupt, Bernhard und Johannes (2015), Barrierefreie Verkehrs- und Außenanlagen, Freiraum nach DIN 18040 und weiteren Regelwerken, Köln Verlagsgesellschaft Rudolf Müller

Böhringer, Dietmar (2016), Barrierefreie Kontraste: DIN 32975 - eine wichtige Barrierefrei-Norm, Leionberg

Tipps

Senkrechtaufzug

Senkrechtaufzugmit Förderhöhe bis 30m und Tragfähigkeit bis 630kg, mit Kabine

Rampen

RampenRampen aus Beton für Freiflächen und Außenanlagen, Haus und Garten

Alurampen

AlurampenRollstuhl-Rampen und Auffahrhilfen aus Aluminium

Modulare Rampen, Stufen-, Schwellenrampen

modulares Rampensystem für vielfältige Geländesituationen

Stufenmarkierung

Stufenmarkierungfür Treppenstufen in öffentlichen Freiflächen und Außenanlagen

Nachträgliche Stufenmarkierung

Nachträgliche StufenmarkierungKontrastreiche Stufenmarkierung für sichere Treppen in Gebäuden

Geländersysteme

GeländersystemeHandlauf und Gelän­der für Treppen, Rampen, Gehweg und Brüstungen im öffentlichen Raum

Handlauf

Handlauffür Treppe, Wand, Geländer, kontrast­reich, taktile Ele­mente, div. Farben.

Bodenindikatoren

BodenindikatorenBodenindikatoren aus Faserbeton als Orientierungshilfe Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte Sound Stone, Radwegplatte

Bodenindikatoren

BodenindikatorenBodenindikatoren aus Epoxidharz für nachträgliche Verle­gung im öffent­lichen Verkehrs- und Freiraum

Nachleuchtendes Leitsystem

Nachleuchtendes LeitsystemNachleuchtende, photo­lumines­zente Fliesen und Klebebänder.

Doppelquerung

DoppelquerungSonderbordsteine sowie Orientierungs­platten Querungs­inseln und Doppel­que­rungs­stellen

KfW Fördermittel

KfW FördermittelLassen Sie Sich von Anbietern förderfähiger Baumaßnahmen Infomaterial zusenden.

Im Moment sind die Zinskonditionen besonders günstig. Sie erhalten Ihren KfW-Kredit bereits ab 1,00% eff. p. a.!

Neu auf nullbarriere

Fehlerteufelchen