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Barrierefreier Tourismus - Qualitätskriterien Reisen für Alle

"Reisen für Alle" - ein neues System von Qualitätskriterien hilft kleineren touristischen Betrieben und Menschen mit Handicap

Rollstuhlfahrer fährt eine barrierefreie Uferpromenade entlang

54,8 Millionen Deutsche verbringen laut Deutschem Tourismusverband jedes Jahr im Durchschnitt 70,7 Millionen mal ihren Urlaub mit einer Reise im Inland oder Ausland, die mindestens 5 Tage dauert. Besonders Menschen mit Handicap und Ältere sind dabei allerdings deutlich weniger reisefreudig: 37% von ihnen haben bereits auf eine Reise verzichtet, weil barrierefreie Angebote fehlten. Knapp jeder Zweite (48%) würde häufiger verreisen, wenn es zusätzliche barrierefreie Angebote gäbe (Quelle: Neumann Consult/Projekt M, 2010).

Die Ausgangssituation und Beteiligte des Projekts

Was bisher in der Tourismuswirtschaft fehlte, sind bundesweit und branchenübergreifend einheitlich gültige Qualitätskriterien, die in Bereichen wie Anreise und Abreise, Unterkunft, Kulturgestaltung und Freizeitgestaltung jedem Urlauber leicht verständliche Informationen darüber geben, ob und wie die Einrichtung eben auch mit einer Beeinträchtigung genutzt werden kann.

Mit dem Projekt "Reisen für Alle" wurde dazu erstmals eine bundesweit einheitliche Kennzeichnung im Bereich Barrierefreiheit auf der Internationalen Tourismusbörse 2014 durch das Deutsche Seminar für Tourismus (DSFT) und die Nationale Koordinierungsstelle für Tourismus (NatKo) präsentiert.

Zahlreiche Betroffenenverbände und alle touristischen Verbände, Landesmarketing-Organisationen sowie weitere Akteure im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderten Projektes hatten zuvor drei Jahren lang die Grundlagen für das Konzept "Reisen für Alle" erarbeitet. Projektträger sind das DSFT und die NatKo, deren Arbeit durch einen Beirat und einen Arbeitskreis unterstützt wird.

Ziele, Zielgruppen und der Nutzen von "Reisen für Alle"

Bei dem Projekt geht es darum, barrierefreie Angebote und Produkte entlang der gesamten touristischen Servicekette zu etablieren und auszubauen. Die Leistungsträger sollen im Umgang mit Behinderten und Älteren besser qualifiziert und stärker sensibilisiert werden. Dazu wird unter anderem ein bundesweit nutzbares Schulungsprogramm eingeführt. Einheitliche Kriterien und Kennzeichnungen sorgen für Transparenz, barrierefreie Angebote werden sowohl regional als auch bundesweit gebündelt und vermarktet.

"Reisen für Alle" bietet den Urlaubern geprüfte, detaillierte und verlässliche Informationen für ihre Reiseentscheidung. Die touristischen Betriebe erschließen sich eine neue, wachsende Zielgruppe, binden die Stammgäste, steigern so ihre Umsätze und die Zahl der Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter sind für spezielle Anforderungen der Menschen mit Beeinträchtigung besonders geschult und sorgen so für Zufriedenheit beim Kunden/Gast. Zuletzt profitiert die Region von dem Projekt, denn das Zielgebiet wird zu einem attraktiven Reisegebiet für Menschen mit und ohne Handicap.

Der Projektplan und seine Module

Von 2011 bis 2014 wurde an der Planung und Vorbereitung von "Reisen für Alle" gearbeitet. Beim Erstellen einer transparenten Kennzeichnung (Modul 1) und der branchenübergreifenden Qualitätsstandards (Modul 2) - unter anderem auf der Basis anerkannter Regeln der Technik - waren alle Teilnehmer des Projekts beteiligt. Besonders berücksichtigt wurde hier die Zielvereinbarung zur Barrierefreiheit im Gastgewerbe und deren Weiterentwicklung 2010 zwischen Behinderten und Hotelverbänden sowie deren Beurteilungskriterien.

Auf der Basis der ersten beiden Module begann auch die Schulung der Mitarbeiter in den touristischen Betrieben (Modul 3) und der Aufbau einer Plattform zur Präsentation von barrierefreien Angeboten und Dienstleistungen (Modul 4). Seit 2014 werden diese vier Module von den beiden Projektträgern DSFT und NatKo ohne weitere Zuwendungen fortgeführt.

Das neue Kennzeichnungssystem für alle Orte und Betriebe der Tourismusbranche

Neben der Bestandsaufnahme, wie barrierefrei ein Ort oder ein Beherbergungsbetrieb eigentlich ist und den Schulungen der Mitarbeiter im Tourismus ist es für den Urlauber auch wichtig zu erkennen, mit welchen Handicaps er wo dennoch sicher seine Reise antreten und die freie Zeit genießen kann. Deshalb wurden insgesamt 15 Piktogramme entwickelt, die darüber Aufschluss geben. [Quelle: www.reisen-fuer-alle.de]

Logo: Kennzeichnung Information zur Barrierefreiheit Mit der Kennzeichnung "Information zur Barrierefreiheit" wird zunächst eine Vorstufe zur geprüften Barrierefreiheit beschrieben. Die Institution oder der Betrieb hat also damit begonnen, an dem Projekt teilzunehmen, ohne jedoch die im Folgenden beschriebenen Qualitätskriterien bisher nachweisen zu können.

Logo: Kennzeichnung Barrierefreiheit geprüft Die Kennzeichnung "Barrierefreiheit geprüft" wird in einem Zwei-Stufenmodell vergeben, das hier am Beispiel des Rollstuhlfahrers erklärt wird. Das kleine Logo "i" oben rechts im Piktogramm bezeichnet dabei jeweils die Stufe 1, das heißt eine teilweise Barrierefreiheit. Wenn dieses Logo fehlt, kann man von vollständiger Barrierefreiheit im Sinne der Zielvereinbarung und der entsprechenden DIN-Normen ausgehen.

Logo: Barrierefreiheit geprüft Stufe 1 für Rollstuhlfahrer "Barrierefreiheit geprüft Stufe 1": Die Qualitätskriterien der Stufe 1 sind für die dargestellte Personengruppe erfüllt. Das Angebot ist für Rollstuhlfahrer teilweise barrierefrei.

Logo: Barrierefreiheit geprüft Stufe 2 für Rollstuhlfahrer "Barrierefreiheit geprüft Stufe 2": Die Qualitätskriterien der Stufe 2 sind für die dargestellte Personengruppe erfüllt. Das Angebot ist für Rollstuhlfahrer barrierefrei.

Für jede der sieben Zielgruppen gibt es ein eigenes Piktogramm, je nach Qualitätsstufe der geprüften Barrierefreiheit mit oder ohne Logo "i":

  1. Menschen mit Gehbehinderung
  2. Rollstuhlfahrer
  3. Menschen mit Hörbehinderung
  4. Gehörlose Menschen
  5. Menschen mit Sehbehinderung
  6. Blinde Menschen
  7. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen
Logo: Kennzeichen Menschen mit GehbehinderungLogo: Kennzeichen RollstuhlfahrerLogo: Kennzeichen Menschen mit HörbehinderungLogo: Kennzeichen Gehörlose MenschenLogo: Kennzeichen Menschen mit SehbehinderungLogo: Kennzeichen Blinde MenschenLogo: Kennzeichen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen

Kosten und Vorteile "Reisen für Alle"

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Projekt erstmals im gesamten Tourismusbereich einheitlich angewendet werden kann, also die bisher unterschiedlichen Kennzeichnungssysteme verschiedener Dienstleister vereint. Profitieren können davon Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen, Dienstleister und Institutionen in der Reisewirtschaft, aber auch ganze Ortschaften und Regionen.

Zu Informationen über die Anträge und Kosten für die Prüfung und Qualifizierung von Hotels, Pensionen, Museen sowie anderen touristischen Einrichtungen wendet man sich entweder an die Tourismus-Marketing-Organisationen oder an die beiden Projektträger DSFT und NatKo.

Große Hotelketten achten schon länger auf Barrierefreiheit. Zumindest der Einstieg in einen barrierefreien Tourismus wird mit "Reisen für Alle" jetzt auch für kleinere Hotels und Pensionen attraktiv, weil man sich damit schrittweise zu einer völlig behindertengerechten Unterkunft vorarbeiten kann.

Bisherige Qualitätskriterien, wie die Zielvereinbarung der DEHOGA (Verband des Deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes) mit den Behindertenverbänden, bleiben vorerst bestehen, da sie nicht im Widerspruch zu "Reisen für Alle" stehen. "Wenn sich jedoch das neue System überall durchgesetzt haben wird, könnte es durchaus sein, dass diese sogar künftig wegfällt ", sagt Sandra Warden vom Verband.





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Autorinfo

Logo: Redaktion nullbarriere.de Herr Helmut Schäfer

Redaktion nullbarriere.de,
Helmut Schäfer

freier Journalist und Politologe

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