HomePflegever­sicherungSchwerbehinderung, Pflegebedürftigkeit

Menschen mit Funktionsbeeinträchtigungen

Schwerbehinderung 2015 und Pflegebedürftigkeit 2015

SGB IX § 2 Abs. 1 Begriff Behinderung

"Menschen sind behindert, wenn die körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilnahme am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist."

Als schwerbehindert gelten Personen, denen ein Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr zuerkannt ist.

Am 31. Dezember 2015 waren bei den Versorgungsämtern 7,6 Mill. Menschen als Schwerbehinderte mit gültigem Ausweis amtlich anerkannt. Das entsprach einem Anteil von rund 9,3% der Bevölkerung. Über die Hälfte dieses Personenkreises (51,0%) waren Männer.

Von den amtlich anerkannten schwerbehinderten Menschen litt knapp ein Viertel unter sehr schweren Beeinträchtigungen: Bei 1,8 Mill. der Personen war vom Versorgungsamt ein Grad der Behinderung (GdB) von 100 festgestellt worden. Der geringste Grad von 50 wurde 2,6 Mill. schwerbehinderten Menschen zuerkannt.

Erwartungsgemäß kamen Behinderungen bei Personen im fortgeschrittenen Alter häufiger vor als bei jüngeren Menschen. So war fast ein Drittel (32,4%) der Menschen 75 Jahre und älter; knapp die Hälfte (44,1%) gehörte der Altersgruppe der 55- bis unter 75-Jährigen an. Dagegen fiel der Anteil der unter 25-Jährigen mit 3,8% gering aus.

Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2015 nach Altersgruppen

Insgesamt 7.615.560

Diagramm Schwerbehinderte Menschen nach Altersgruppen 2013
unter 414.7030,19%
4-15116.1191,52%
15-25161.6882,12%
25-35245.7413,23%
35 - 45345.1384,53%
45 - 55910.66511,96%
55 - 651.629.21421,39%
65 und mehr4.192.29255,05%

Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2015 nach Bundesländern

In Sachsen leben die wenigsten Menschen mit einer Schwerbehinderung, 70 je 1000 Einwohner, die meisten in Berlin, 98 je 1000 Einwohner.

Diagramm Schwerbehinderte Menschen nach Bundesland 2013

Ursachen der schwersten Behinderungen 2015

Zum allergrößten Teil – nämlich 86,4% der Fälle – wurde die Behinderung durch eine Krankheit verursacht. Weitere 0,3% der schwerbehinderten Menschen hatten dauernde Schäden in Krieg, Wehrdienst oder Zivildienst erlitten und bei 3,8% der Menschen war die Behinderung angeboren bzw. trat im ersten Lebensjahr auf; bei 1,7% war die Ursache ein Unfall oder eine Berufskrankheit. Der Rest (7,7%) entfiel auf sonstige, mehrere oder ungenügend bezeichnete Ursachen.

  • angeborene Behinderung: 3,81%
  • Arbeitsunfall (einschl. Wege- und Betriebswegeunfall), Berufskrankheit: 0,83%
  • Verkehrsunfall: 0,48%
  • Häuslicher Unfall: 0,09%
  • sonstiger oder nicht näher bezeichneter Unfall: 0,31%
  • anerkannte Kriegs-, Wehrdienst- oder Zivildienstbeschädigung: 0,32%
  • allgemeine Krankheit (einschl. Impfschaden): 86,45%
  • sonstige, mehrere oder ungenügend bezeichnete Ursachen: 7,70%

Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2015 nach Art der schwersten Behinderung

Art der Funktionsbeeinträchtigungen

Beeinträchtigung der Funktion innerer Organe bzw. Organsystemen 1.899.75224,90%
Querschnittlähmung, zerebrale Störungen, geistig-seelische Behinderungen, Suchtkrankheiten1.598.27521,0%
Funktionseinschränkung von Gliedmaßen959.76212,6%
Funktionseinschränkung der Wirbelsäule und des Rumpfes, Deformierung des Brustkorbes886.92011,6%
Blindheit und Sehbehinderung354.5694,7%
Sprach- und Sprechstörungen, Taubheit, Schwerhörigkeit, Gleichgewichtsstörungen319.3514,2%
Verlust einer Brust oder beider Brüste, Entstellungen, Kleinwuchs u.a.179.4362,4%
Verlust oder Teilverlust von Gliedmaßen59.6250,8%
sonstige und ungenügend bezeichnete Behinderungen1.357.87017,8%

Pflegebedürftigkeit zum Jahresende 2015

Lebenslagen der behinderten Menschen

Mit zunehmendem Alter sind Menschen in der Regel eher pflegebedürftig. Während bei den 65- bis unter 69-Jährigen etwa 3 Prozent pflegebedürftig waren, beträgt die Quote bei 75-84-Jährigen 14 Prozent. In der Altersgruppe 85 bis 89 steigt sie auf 40 Prozent und ab 90 Jahren und älter liegt sie schließlich bei 66 Prozent (das sind in absoluten Zahlen 475 000 von 718 000 Menschen, die 2015 in Deutschland über 90 Jahre alt waren).

  • Pflegebedürftige gesamt: 2,9 Millionen Personen
  • häuslich versorgte Pflegebedürftige 2,08 Millionen Personen
  • stationär versorgte Pflegebedürftige 0,78 Millionen Personen
Pflegebedürftige 2015 nach Versorgungsart

2,9 Millionen Pflegebedürftige insgesamt

zu Hause versorgt
2,08 Millionen (73 %)

in Heimen vollstationär versorgt
783 000 (27 %)

durch Angehörige
1,385 Millionen

zusammen mit/
durch ambulante Pflegebedürftige
692 000
Pflegebedürftige

 

[Quelle: Pflegestatistik 2015]

Im Dezember 2015 waren 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI); die Mehrheit (64 %) waren Frauen. 71 % der Pflegebedürftigen waren 75 Jahre und älter; 85 Jahre und älter waren 37 %.

Entwicklungstendenz im Rückblick: Im Dezember 2013 waren 2,6 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, Im Dezember 2011 waren es 2,5 Millionen, 2009 waren es 2,34 Millionen Menschen.

Sozialgesetzbuch - SGB XI § 14

(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

(2) Maßgeblich für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten sind die in den folgenden sechs Bereichen genannten pflegefachlich begründeten Kriterien:

  1. Mobilität: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen;
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch;
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen;
  4. Selbstversorgung: Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung parenteral oder über Sonde, Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme bei Kindern bis zu 18 Monaten, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf auslösen;
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen:
    • a) in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel,
    • b) in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung,
    • c) in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern sowie
    • d) in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften;
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, Sichbeschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds.

(3) Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten, die dazu führen, dass die Haushaltsführung nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden kann, werden bei den Kriterien der in Absatz 2 genannten Bereiche berücksichtigt.

Pflegebedürftige zum Jahresende 2015 im Ländervergleich

In Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen gab es relativ viele hochaltrige Pflegebedürftige: Die Anteile der ab 85-jährigen Pflegebedürftigen an allen Pflegebedürftigen liegen dort zwischen 39 % und knapp 41 %. Hingegen weisen Mecklenburg-Vorpommern (Anteil: 32 %), Berlin (32 %) und Brandenburg (33 %) relativ "junge" Altersstrukturen auf.

Pflegebedürftige zum Jahresende 2015 nach Bundesland

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Anfrage zur Pflegeversicherung

Autorinfo

Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn

Herr Heiko Pfaff

https://www.destatis.de/DE/Startseite.html

0611 75-8106

Zusatzinfo

Die meisten Menschen mit Behinderungen erhalten eine Rente oder eine Pension (63 Prozent). Etwa 19 Prozent bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eine Erwerbstätigkeit. Gut neun Prozent erfahren Unterstützung durch Verwandte und Angehörige.

Quellenangabe

Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

Zahl der schwerbehinderten Menschen mit gültigem Ausweis, persönliche Merkmale der schwerbehinderten Menschen wie Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Wohnort, Art, Ursache und Grad der Behinderung

Ausführliche Angaben, Zahlen, Tabellen etc. finden Sie in den angegebenen pdf-Dateien oder auf den Seiten von www.destatis.de

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