Sehbehinderung und Wahrnehmungsprobleme

Waldmann-Lichttechnik LogoBeleuchtung bei Sehbehinderung und Wahrnehmungsproblemen

Änderung der visuellen Fähigkeiten



Mit zunehmendem Alter wächst die Anzahl der pflegebedürftigen oder durch Behinderung eingeschränkten Menschen. Zukünftig wird eine Umgestaltung des Lebensraumes, der generationsübergreifend genutzt werden kann, an Bedeutung gewinnen.

Für die junge Generation müssen diese Lebensräume möglichst attraktiv gestaltet sein. Bei älteren Menschen spielen neben der Gestaltung weitere Kriterien, wie Nutzbarkeit und Barrierefreiheit eine entscheidende Rolle.

Typische Krankheitsbilder

Bereits heute sind unterschiedliche alterstypische Krankheitsbilder, wie z.B. die Behinderungen des Bewegungsapparates, die im Alter stark zunehmen, bekannt.

Im folgenden Abschnitt wird auf die Behinderungen des Sehapparates eingegangen, da die Beleuchtung bei Seh- und Wahrnehmungsproblemen eine entscheidende Rolle spielt.

Folgende Augenkrankheiten sind bekannt:

  • Makuladegeneration (MD) ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Augenkrankheiten, die die Makula (Sehzentrum) schädigt. Symptome sind Beeinträchtigung der Sehschärfe, der Lesefähigkeit, des Kontrastempfindens und des Farbsehens.
  • Pathologische Myopie bezeichnet die krankhafte Kurzsichtigkeit, die entweder familiär bedingt auftritt und/ oder sich in Schule, Studium oder Beruf verstärkt. Sie tritt meist erst ab einer Stärke von -6,0 Dioptrien oder einer Länge des Augapfels von mehr als 26 mm auf. Es besteht das Risiko einer drohenden Erblindung durch Folgeerkrankungen.
  • Diabetische Retinopathie ist ein Folgeschaden der Zuckerkrankheit. Durch die hohe Zuckerkonzentration im Blut verändern sich die winzigen Blutgefäße der Netzhaut (Retina). Dies kann mit der Zeit zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen führen. Spätfolgen sind verschwommenes oder verzerrtes Sehen, blinde Flecken oder ein totaler Sehverlust durch Beschädigung der Netzhautmitte (Makula).
  • Retinopathia Pigmentosa (MP) ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Augenkrankheiten, die die Netzhaut (Retina) zerstören. Symptome sind Nachtblindheit, Gesichtsfeldeinengung (Tunnelblick) und Blendungsempfindlichkeit.
  • Das Glaukom oder "Grüner Star" ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Erkrankungen des Auges, die meist drei Charakteristika (erhöhter Augeninnendruck, Gesichtsfeldausfall, Pupillenexkavation mit Substanzverlust des Sehnervenkopfes) gemeinsam haben.
  • Katarakt oder "Grauer Star" ist eine Trübung der Augenlinse. Er führt dazu, dass das gesehene Bild an Schärfe verliert.

Unter Betrachtung dieser Krankheitsbilder und aus Gesprächen mit den Betroffenen wird sehr schnell erkennbar, dass für diese Menschen eine gute Beleuchtung die Vorraussetzung zu einem barrierefreien Leben ist. Besonders zu beachten sind hierbei höhere Beleuchtungsstärken unter Beibehaltung von gezielt eingesetzten Kontrasten, eine gute Farbwiedergabe der verwendeten Leuchtmittel und die Vermeidung von Direkt- und Reflexblendung.

Die VDI-Richtline 6008 "Barrierefreie und behindertengerechte Lebensräume " beschreibt die Einschränkungen im Alter insgesamt und besonders die Auswirkungen dieser Krankheiten "Änderung der visuellen Fähigkeiten" in Kapitel 3.2. Gleichzeitig werden Empfehlungen für z.B. Schriftarten, und -größen, Beleuchtungsstärken, Leuchtdichten und Leuchtdichteverteilungen sowie Lichtfarben gegeben von denen einige nachstehend inhaltlich wiedergegeben werden.


Sehschärfe

Da die Linse im Alter ihre Elastizität verliert und eine Scharfeinstellung in der Nähe nicht mehr möglich ist, sollten grundsätzlich einfache und gut lesbare Schriften ohne Deko-Stile verwendet werden. Ebenfalls gibt diese Richtlinie eine Empfehlung für Schriftgröße und Linienbreite.

Akkomodation

Das Auge des älteren Menschen kann nur langsam zwischen Fern- und Nahsehen umschalten. Aus diesem Grund können Objekte, die sich schnell annähern oder entfernen, nur verschwommen wahrgenommen werden.

Adaption

Zu den natürlichen altersbedingten Sehbeeinträchtigungen zählt die mangelnde Adaptionsfähigkeit des Auges. Aus diesem Grund haben ältere Menschen Schwierigkeiten mit unterschiedlichen Helligkeiten. Beim Wechseln vom Dunklen ins Helle passt sich die Pupille (maximale Helladaption in einer Minute) nur langsam an. Bei einem zu schnellem Übergang wird dies als Blendung empfunden. Die maximale Dunkeladaption dauert beim Menschen ca. 30 Minuten. Deshalb ist ein Wechsel vom Hellen ins Dunkle als noch kritischer anzusehen. Die Sehleistung ist vom jeweiligen Stand der Adaption abhängig. Ihr Verlauf richtet sich nach der Höhe der Leuchtdichte am Anfang und am Ende der Adaption. Eine gleichmäßige Leuchtdichtenverteilung kann das Auge wesentlich entlasten.

Linseneintrübung

Die Linse wird durch die Einwirkung der UV-Strahlung eingetrübt. Dadurch ist nicht nur eine höhere Beleuchtungsstärke erforderlich, sondern die Farben Grün und Blau können nicht mehr eindeutig unterschieden werden.

Verkleinerung der Pupille

Ältere Menschen benötigen auf Grund der natürlichen Verkleinerung der Pupille (im Alter von 80 Jahren nur noch ca. 25 % der Linse) eine wesentlich höhere Beleuchtungsstärke als junge Menschen. Generell sollte eine Verdopplung der Beleuchtungsstärke für Senioren vorgesehen werden.

Gesichts- und Blickfeld

Die Informationen, die beim Sehen wahrgenommen werden, hängen sehr stark von dem Gesichtsfeld und dem Blickfeld ab. Als Gesichtsfeld bezeichnet man den Bereich, der bei unbewegtem Kopf und Primärstellung des Auges gleichzeitig wahrgenommen wird. Das Blickfeld ist die Gesamtheit aller Punkte, die bei unbewegtem Kopf und umherblickendem Auge fixiert werden können. Das Gesichts- und das Blickfeld verkleinern sich ab dem 55. Lebensjahr.

Farbtüchtigkeit

Die häufigste Farbsinnesstörung ist die Rot-Grün-Verwechslung. Sie beruht auf einer gestörten Empfindlichkeit des Auges für Rot oder Grün. Folglich sollte bei Informationsträgern die Kombination "Rot/Grün" vermieden werden. Ideale Farbkombinationen sind gegeben durch:

  • Hohe Leuchtdichteunterschiede, z.B. "Schwarz/Weiß" oder "Gelb/Blau"
  • Verwendung einer unbunten Komponente, z.B. "Weiß/Blau" oder "Weiß/Rot"
  • Kombination von Komplementärfarben, z.B. "Gelb/Rot"

Farbkombinationen mit geringen Leuchtdichteunterschieden sollten vermieden werden. Da Licht und Farbe immer zusammenhängt, ist bei der Planung auf ausreichende Kontraste und Beleuchtungsstärken zu achten. Zur Unterstützung der körperlichen Erkennbarkeit muss durch Lichtrichtung, Kontraste und entsprechende Beleuchtungsstärke - so beleuchtet werden, dass Gegenstände und Distanzen klar und eindeutig erkannt und zugeordnet werden können.

Tiefenwahrnehmung

Durch die Änderung der Akkomodationsfähigkeit und Eintrübung der Linse kann die räumliche Ausdehnung und Entfernung von Objekten nur sehr schwer eingeschätzt werden.

Blendempfindlichkeit

Bei älteren Menschen nimmt die Blendempfindlichkeit durch Streulichtbildung in den verschiedenen Medien (Hornhaut, Linse, Glaskörper) des Auges erheblich zu. Deshalb sind Blendungen, Reflexionen und Spiegelungen zu vermeiden.

Chromatische Aberration

Lichtquellen sollen keine Spektralverschiebung in den roten oder den blauen Bereich aufweisen, da hierdurch vorübergehend auftretende Fehlsichtigkeiten entstehen können. Daher empfiehlt die VDI-Richtlinie 6008 tageslichtweiße Leuchtmittel.

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Autorinfo

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Herr Michael Doser

Zusatzinfo

Die Richtlinie VDI 6008 Blatt 1 "Barrierefreie und behindertengerechte Lebensräume" gibt Hinweise zur Ausstattung von Wohnungen für Senioren oder Menschen mit Einschränkungen hinsichtlich Beleuchtungstechnik, Elektroinstallation, Kommunikations- und Sicherheitstechnik und Fördertechnik.

Sie ergänzt die bereits für die Sanitärtechnik vorliegenden Normen und Richtlinien um Hinweise, die sich aus dem Einsatz neuer Technologien für die gesamte Wohnumgebung ergeben.

Sie beschreibt u.a. die Einschränkungen im Alter insgesamt und besonders die Auswirkungen dieser Krankheiten "Änderung der visuellen Fähigkeiten" in Kapitel 3.2.

Gleichzeitig werden Empfehlungen für z.B. Schriftarten, und -größen, Beleuchtungsstärken, Leuchtdichten und Leuchtdichteverteilungen sowie Lichtfarben gegeben von denen einige nachstehend inhaltlich hier wiedergegeben werden.


Gesichts- und Blickfeld
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Tiefenwahrnehmung
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