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Spielplätze für alle Kinder!

Spielplätze für alle Kinder!


Beate Voskamp: Spielplatz
Beate Voskamp: Spielplatz


Bei der Planung von Spielplätzen ist regelmäßig der Spagat zu bewältigen, Herausforderungen für Behinderte wie für Nichtbehinderte zu schaffen.
Planungsgrundlagen bieten die bekannten DIN-Normen sowie einschlägige Gesetze. Die Spielgeräte-Hersteller haben inzwischen ein beachtliches Repertoire individueller Produkte anzubieten. Festzustellen ist dennoch ein Umsetzungsdefizit.

Viele behinderte Kinder verbringen als Folge ihrer Behinderung eine Kindheit, die nur sehr eingeschränkt Möglichkeiten und Gelegenheiten zu Spiel und Bewegung bietet. Besonders deutlich zeigt sich für behinderte Kinder die Einschränkung ihrer Möglichkeiten aktiv zu spielen in den Spielangeboten öffentlicher Spielplätze. Solche Alltagserfahrungen sind es dann, die diese Kinder manchmal vom jüngsten Alter an resignieren lassen, was zu einer passiven Spielhaltung führt. Durch entsprechende Angebote gilt es, diese zu aktivieren, denn mit dem Gefühl des Involviertseins in die eigene Tätigkeit und der Freude daran verbinden sich tiefste Lern- und Wahrnehmungserfahrungen.

Planungsauftrag ist die eigengelenkte Ermöglichung von spielerischen Material- und Bewegungserfahrungen für alle Kinder. Daraus wird Ihnen die Grundlage zum Erwerb komplexer Handlungsmuster in allen psychischen und physischen Lebensbereichen ermöglicht. Zu berücksichtigen sind dabei nicht nur die Bedürfnisse der Rollstuhlfahrer, sondern die der Personen mit Einschränkungen des Seh- und Hörvermögens, mit Bewegungsstörungen, Spasmuserkrankungen, Muskelschwächen u.a.m.

Spielen im Freien bietet allein schon vielfältige sensorische Eindrücke von Wind, Luft, Schatten, Licht, Wärme, Kälte, Wachstum, Werden und Vergehen. Insbesondere für behinderte Kinder sind zusätzlich Angebote zur basalen Stimulation zu machen - z.B. mit Klangspielen, Tast- und Geruchsspielen u.a. Gefragt sind möglichst vielfältige Angebote um neue Wahrnehmungserlebnisse zu gewinnen, neue Handlungsaktivitäten, Selbstwahrnehmung, Raumerfahrung und Orientierung zu schulen. Unterschiedliche Materialien können eingesetzt werde, z.B. um den Kindern taktile und optische Orientierungshilfen gegeben werden, um spezielle Spielangebote zu finden und verschiedene Spielareale voneinander abzugrenzen.

Ein Spielplatz für alle Kinder sollte außerdem spezifische Orientierungs- und Spielangebote für Kinder mit Hör- und Sehbeeinträchtigungen einschließen und die Sicherheitsbedürfnisse dieser Kinder berücksichtigen. Sicherheit hat eine besondere Bedeutung. Kinder in Rollstühlen müssen nicht nur sichere Fahrwege auf dem Spielplatz vorfinden, auch ist zu berücksichtigen, dass viele behinderte Kinder als Folge ihrer Behinderung über eine eingeschränkte Realitätseinschätzung verfügen, so dass sie in vielen Situationen keine Angst vor realen Gefahren zeigen. Dazu gehören beispielsweise Kinder, die keine Höhenangst haben oder Kinder, die sich und andere Kinder durch Handlungen gefährden, deren Risiken sie nicht übersehen können. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, vielfältige Spielangebote für körper- und sinnesbehinderte Kinder zu schaffen. Im Vordergrund bei der Gestaltung öffentlicher Spielbereiche steht der integrative Ansatz.

LiegebrettGrundlegende Erfahrungen sind das Spiel mit Sand und Wasser und das Schaukelerlebnis.
Sand und Wasser sind die am wenigsten vorgeformten Spielmaterialien und ermöglichen Kindern aller Altersstufen eine Fülle an Erfahrungen im physischen und psychischen Bereich im Spiel. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Sand für Kinder im Rollstuhl erfahrbar zu machen: Im gezeigten Beispiel wird eine unterfahrbare Umrandung hergestellt und ein Liegebrett angebaut, das es den Kindern erlaubt in liegender Position im Sand zu spielen.

Der Wert und die grundlegende psychomotorische Bedeutung des Schaukelerlebnisses sind von herausragender Bedeutung bei der Planung für körperbehinderte Kinder. Körperempfindungen und Emotionen werden in vielfältiger Weise beeinflusst. Durch die rhythmische Bewegung werden Gleichgewichtssinn, Tiefensensibilität, taktiles System und visuelle Wahrnehmung angesprochen. Für viele behinderte Kinder sind dies Bewegungen und Körpererfahrungen, die sie im täglichen Leben kaum erleben.

Schaukel für Rollstuhlfahrer Die Rollstuhlfahrer-Schaukel bietet den Vorteil, dass die Kinder im Rollstuhl sitzen bleiben können. Durch Gewicht und Konstruktion bedingt behält die Schaukel einen gleichmäßigen gedämpften und beständigen Rhythmus. Bei der Vogelnest-Schaukel können die Kinder sich in das Netz der Schaukel hinein legen, setzen oder stellen. Behinderte und Nichtbehinderte Kinder können hier gemeinsam erleben.

Der Gedanke Spielplätze mit Spielangeboten für alle Kinder zu schaffen ist so selbstverständlich und naheliegend, dass man staunt wie wenige gebaute Beispiele es erst gibt in diesem selbstverständlich scheinenden Lebensbereich. Es wäre ein Beitrag, der an den Alltagserfahrungen ansetzt. Alle Kinder sollten hier Möglichkeiten finden, selbst aktiv tätig zu werden und sich selbst in spielerische Beziehung zu anderen Kindern zu setzen, ihre Fähigkeiten kennen zu lernen und zu entwickeln. Sie sollen sich freuen am Spiel, an den Aufgaben, die sie bewältigen und den Erfahrungen die sie machen. Denn es sind gerade sie, die viel mehr noch als ihre nichtbehinderten Spielkameraden auf vielfältigste Bewegungsangebote angewiesen sind als Grundlage für die Entfaltung ihrer Entwicklungschancen. Letztendlich wäre dies ein Gewinn für die ganze Gesellschaft.

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Autorinfo

Frau bdla . ifla Beate Voskamp

Berlin

voskamp landschaftsarchitektur bdla + mediation. moderation im planungs-. bau-. umweltbereich

Zusatzinfo

Spielplätze für alle Kinder!

Bei der Planung von Spielplätzen ist regelmäßig der Spagat zu bewältigen, Herausforderungen für Behinderte wie für Nichtbehinderte zu schaffen.

[Zeitschrift: LandschaftsArchitekten
Ausgabe 05/2002]

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