Seniorengärten, Freiflächen für Senioren

Gestaltete Freiräume für Senioren


Kinder brauchen Bewegung, um gesund zu bleiben. Das hat sich herumgesprochen. Dass aber auch ältere Menschen Ansprüche an den Freiraum haben, scheint für viele noch unbekannt zu sein. Der Anteil älterer Menschen an unserer Gesellschaft wächst zwar ständig, der Situation dieser Bevölkerungsgruppe wird bislang jedoch wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht.


Entwurf Ida-Wolff-Geriatriezentrum
Entwurf Ida-Wolff-Geriatriezentrum

Nur langsam wird die politische und wirtschaftliche Dimension dieser Entwicklung erkannt und in der Öffentlichkeit thematisiert. Dabei sind wir aufgefordert, unser bisheriges Bild eines alten Menschen zu revidieren.
Bedauerlicherweise wird die Auseinandersetzung mit diesem Thema nur zu oft reduziert auf den Mensch als Kostenfaktor und beschränkt sich damit quasi auf das Versorgen und Verwalten alter Menschen.
Diese Ökonomisierung lässt die Qualität des Alterns in den Hintergrund treten. Das zeigt sich auch im Umgang mit der Freiraumplanung für ältere Menschen.

Es gilt heute als erwiesen, dass die Freiraumsituation das Verhalten älterer Menschen entscheidend mitbestimmt, wobei mit abnehmender Kompetenz (Selbstvertrauen und körperliche Mobilität) sich dieser Einfluss zunehmend verstärkt. Je eingeschränkter die kognitiven Funktionen und die Kontaktfähigkeit der Senioren sind, umso eher wird durch ungünstige ökologische Bedingungen dieses Defizit verstärkt.
Umgekehrt können verbesserten Umweltfaktoren auch das aktive Verhalten fördern. Gerade deshalb sind sinnvoll gestaltete Freiräume kein Luxus, wie es vordergründig oft missverstanden wird, sondern trägt ein attraktiv gestaltetes Umfeld zur Verringerung des Kostenfaktors Pflege bei.

Besonders in den USA ist die therapeutische Wirkung des Grüns wissenschaftlich erforscht und belegt worden. Immer mehr ältere Menschen mit eingeschränktem Aktionsradius ziehen großen gesundheitlichen Gewinn aus Gartenanlagen und Grünflächen, die sie in der Umgebung Ihres Wohnumfeldes vorfinden. Der Garten stellt mit Abstand den beliebtesten Aufenthaltsort außerhalb des eigenen Wohnraums dar.

Sorgfältig durchdachte Grünanlagen können die Entscheidung für eine Wohnanlage wesentlich beeinflussen. Auch in der Eingewöhnungsphase können sie von unangenehmen Veränderungen der Lebenssituation, wie dem Verlust an Privatsphäre und den bislang gewohnten Bezügen zur Umgebung ablenken.

Eindeutige Funktionalität, ein menschenbezogener Maßstab, Facettenreichtum und eine anregende Farbauswahl bilden die Leitthemen für die Außenraumgestaltung, mit dem Ziel dem Besucher Unbeschwertheit und Lebensfreude zu vermitteln.

Therapieweg
Ida-Wolff-Geriatriezentrum - Therapieweg (Fotograf Arne Piepereit)

Nicht die Größe einer Grünanlage - ob Garten, Gartenhof oder Park - ist entscheidend, sondern die Vielfalt der angebotenen Erlebnismöglichkeiten. Die Grundlage hierfür bietet ein differenziertes Raumangebot und dessen Ausgestaltung. Wenn möglich, sollte eine Anbindung an umliegendes öffentliches Grün genutzt werden. Dies ist insbesondere für Bewohner wichtig, die darauf beschränkt sind, Natur oder Grün nur von ihrem Zimmer aus wahrnehmen zu können. Wenn möglich sollten die Außenanlagen auch über eine große zusammenhängende Freifläche verfügen, die über einen Spazierweg als Rundweg erschlossen wird. Querverbindungen ermöglichen unterschiedlich lange Wegestrecken.

Sitzplatz
Stavanger Straße - Sitzplatz (Fotograf Jens Schulz)

Ebenso wichtig wie die Weite einer Lichtung oder Rasenfläche ist die Möglichkeit des Rückzugs, er ist Vorraussetzung für die Bereitschaft zum Austausch mit anderen und umgekehrt. Auch im Garten gilt es kleine private Zonen zu schaffen, schattige Banknischen, Lauben oder Pavillons, die der Besinnung und ruhigen Betrachtung gewidmet sind. Das Sitzen und Zuschauen von einem geborgenen Platz aus kommt für alte Menschen einer vollwertigen Teilnahme am öffentlichen Leben gleich.

Die Orientierung in fremder Umgebung kann auf vielfältige Weise erleichtert werden. Sei es durch Ausbildung markanter Orte oder die Einrichtung von sinnlichen Attraktionen auf dem Gelände, die gleichsam die Rolle von Lockvögeln spielen. Weithin sichtbare Sitzgruppen etwa, komponiert mit Wasserspielen oder eingebettet in farbintensive Schmuckpflanzungen regen zur Beschäftigung an und fördern die Kommunikation unter den Bewohnern. Mobiles, leicht zu transportierendes Gartenmobiliar erhöht die Vielfalt der Gartennutzung.


Ein weiterer Aspekt bei der Planung von Freiflächen für Senioren liegt in der Reaktivierung der Sinne.

Wassertisch
Gürtelstraße - Wassertisch (Fotograf Harms Wulf)

Unsere Sinne sind unsere Brücke zur Welt. Hugo Kükelhaus sagt in diesem Zusammenhang: "Das Leben lebt vom Reiz. Der Reiz seinerseits ist wiederum etwas sehr Verletzliches - das heißt, er darf weder zu stark noch zu schwach sein".

Die "Baustoffe" der Landschaftarchitekten wie Pflanzen und Wasser stellen gerade im Zusammenhang mit Senioreneinrichtungen einen besonderen Reichtum dar:
Die Vitalität der Pflanzen wird von den Betrachtern oft mit der eigenen Vitalität in Verbindung gebracht. Kräftiges Blattwerk, immergrüne Gehölze, blütenreiche Staudenpflanzungen und Strauchpflanzungen sind dabei von unschätzbarem Wert für die Gemütsverfassung älterer Menschen.
Auch Duftpflanzen wie Rosen, Lavendel und Thymian erweitern das Spektrum der Sinneswahrnehmungen.
Wasser als Element des Lebens ist in jeder Form beliebt. Brunnen oder Wasserspiele bilden durch ihren optischen und akustischen Reiz beliebte Anziehungspunkte. Auch die beruhigende Wirkung der Wassergeräusche und der Wasserbetrachtung sind von großer Bedeutung.


Tastbeet
Stavanger Straße - Tastbeet (Fotograf Arne Piepereit)


Jedoch, Freiräume für ältere Menschen dürfen nicht nur deren Bedürfnisse und Ansprüchen entsprechen, sie müssen auch flexibel sein und entsprechend den Veränderungen dieser Personengruppe angepasst werden. Darum dürfen Planungen für ältere Menschen nicht starr angelegt sein, sondern Sie müssen offen angelegt werden, als fortschreibungsfähige und lernende Systeme.



Das Büro Harms Wulf Landschaftsarchitekten befasst sich seit langem mit der Gestaltung von Gärten für Krankenhäuser und Senioreneinrichtungen.


Autorinfo

Frau Dipl.-Ing. Sonja Hopf

030 52696250

Zusatzinfo

Für viele ältere Menschen stellt der Garten der beliebteste Aufenthaltsraum außerhalb des eigenen Wohnraums dar.

Gärten laden zur Teilhabe an den natürlichen Abläufen des Lebens ein. Dabei sind alle Sinne gefordert. Ihre Ansprache bedeutet für diese Menschen eine Steigerung der Lebensqualität.

Gärten sind Orte der Kommunikation und Kontemplation. Beim Gehen, Verweilen, selbst beim Blick aus dem Fenster eröffnet ein Garten vielfältige Anregungen für Körper und Geist.

Ein Garten für Senioren muß auf die besondere Situation älterer Menschen eingehen.

Voraussetzung dafür ist eine barrierefreie Gestaltung, die einem älteren Menschen trotz zunehmender körperlicher Einschränkungen einen sinnlichen Kontakt zur Natur ermöglicht.


aktuelle Veröffentlichungen:

Der Garten als Imageträger
Sinnlichkeit und Wirtschaftlichkeit: Außenräume von Gesundheitsbauten, medAmbiente 2-2006

Neue Landschaftsarchitektur
Deutschland - Österreich - Schweiz
Verlagshaus Braun 2006

Heilende Gärten
medAmbiente 2-2005


aktuelle Projektauswahl:

Kompetenzzentrum für demenziell erkrankte Senioren und Seniorinnen, Nürnberg

Planung und Gestaltung von Freiräumen und Aufenthaltsbereichen für ältere Menschen
Soziale Stadt Unterliederbach in Frankfurt am Main

Seniorenwohnheim Gürtelstraße, Berlin-Prenzlauer Berg

Tipps

Außenanlagen

AußenanlagenPflaster, Ökobeläge, Platten, Hang- und Randbefestigungen, Stufen, Möblierung und Maßanfertigungen für die öffentliche und die private Außen- oder Gartenanlage.

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PflanztischUnterfahrbares Hochbeet für die Gartenarbeit und unterfahrbarer Spieltisch auf Spielplätzen.

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