HomePfeil nach rechtsDIN 32984Pfeil nach rechtsDIN 32984

DIN 32984 Bodenindikatoren im öffentlichen RaumFacebookTwitterEmailDrucken

Die Norm von Oktober 2011 ist noch keine 7 Jahre alt, eine eher kurze Zeitspanne für eine Novellierung. Damals wurden die Form und die Anordnung von Bodenindikatoren völlig neu geregelt. Die jetzt als Entwurf vorgelegte neue Fassung ändert an diesen Grundvorgaben nur wenig, beinhaltet aber doch einige wichtige Klarstellungen, Ergänzungen und Korrekturen.

Entwurf

DIN 32984 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum (2018-06)

Die Norm von Oktober 2011 ist noch keine 7 Jahre alt, eine eher kurze Zeitspanne für eine Novellierung. Damals wurden die Form und die Anordnung von Bodenindikatoren völlig neu geregelt. Die jetzt als Entwurf vorgelegte neue Fassung ändert an diesen Grundvorgaben nur wenig, beinhaltet aber doch einige wichtige Klarstellungen, Ergänzungen und Korrekturen.

Statt die Gelegenheit zu nutzen, die Norm wirklich auf die Regelung der Bodenindikatoren zu konzentrieren, ist sie um eine Fülle von Hinweisen und Vorschlägen erweitert worden, die weit über dieses Thema hinausgreifen. Viele dieser Hinweise sind sicher nützlich, auch wenn man sie in einer Norm zu Bodenindikatoren eher nicht sucht. Andere aber sind schlicht überflüssig oder praxisfremd, weil darüber nach ganz anderen Kriterien entschieden wird, z. B. der Wunsch nach Bordhöhen von 10 cm oder die Anordnung von Zebrastreifen auf Radwegen. Hier sollte sich eine Bodenindikatorennorm mehr auf ihr Kerngeschäft besinnen.

Die wichtigsten Änderungen im jetzt vorliegenden Normentwurf sind im Folgenden kurz beschrieben:

1. Form der Bodenindikatoren

Die Form der Rippenplatten wurde unverändert übernommen. Bei den Noppenplatten wurden einige Vorgaben geändert, die bisher üblichen Platten entsprechen aber weiterhin der Norm.

Bisher galt für Auffindestreifen eine orthogonale Anordnung der Noppen als Regelfall, auf dieser Form beruhten die Maße in der Tabelle. Der Grund hierfür war, dass orthogonale Noppen als leichter überrollbar galten. Diese Annahme hat sich bei der Untersuchung der BASt aber nicht bestätigt (Bordsteinkanten mit einheitlicher Bordhöhe und Bodenindikatoren an Überquerungsstellen. In: Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen Bergisch Gladbach 2014, Heft V242). Deshalb geht die Norm jetzt generell von diagonal angeordneten Noppen aus, die Maßtabelle wurde entsprechend umgestellt. Außerdem wurden Widersprüchlichkeiten in der alten Tabelle korrigiert, und im Innenraum sind künftig auch alle Platten zulässig, die im Außenraum verwendet werden (Maße Rippenplatten, Noppenplatten).

2. Aufmerksamkeitsfelder unterhalb von Treppen

Treppe mit StufenkantenmarkierungTreppe mit Stufenkantenmarkierung

Wenn unterhalb von Treppen ein Noppenfeld angeordnet wird, ergibt sich oft das Problem, dass bei visuell kontrastreicher Gestaltung die Stufenkantenmarkierung von oben nicht mehr wahrgenommen werden kann. In der bisherigen Norm wurde dies etwas lapidar mit dem Hinweis abgehandelt, dass Scheinstufen zu vermeiden seien. Dieser Hinweis wurde zumeist gar nicht verstanden, und eine Lösung bot er auch nicht an.

Auch bisher war schon ein Noppenfeld unterhalb von Treppen nur erforderlich, wenn dort ein Leitsystem endet. Das wird jetzt etwas deutlicher formuliert. Denn mit dem Langstock lässt sich die Vorderkante der untersten Stufe leicht ertasten, die Treppe hinunter fallen kann man auch nicht. Oberhalb der Treppe, vor dem obersten Auftritt, ist dagegen ein Aufmerksamkeitsfeld zwingend anzuordnen.

Wenn auch unterhalb von Treppen ein Aufmerksamkeitsfeld angeordnet wird, kann man, um den viel wichtigeren visuellen Kontrast zur Stufenkantenmarkierung zu gewährleisten, in diesem Ausnahmefall auf den visuellen Kontrast zum Umgebungsbelag verzichten. Alternativ kann das Aufmerksamkeitsfeld auch um die doppelte Auftrittbreite abgerückt werden.

3. Fahrbahnquerungen

Fahrbahnquerungen werden wie bisher grundsätzlich mit einem Richtungsfeld angezeigt. Der Hinweis hierauf auf dem Gehweg erfolgt durch Noppenfelder.

Anzeige "ungesicherter" Querungsstellen
Auffindestreifen auf GehwegAbzweigefeld, Richtungsfeld auf Gehweg

Bisher durfte auf "ungesicherte" Querungsstellen nur bei sehr breiten Gehwegen (über 5 m) mit einem Aufmerksamkeitsfeld 90x90 cm an der inneren Leitlinie hingewiesen werden. So breit sind Gehwege in den meisten Kommunen aber selten. Ohne Hinweis durch ein Noppenfeld sind die Richtungsfelder für die Querung oft aber kaum zu finden. Das Land Hessen hatte diese Regelung deshalb grundsätzlich abgelehnt und an allen Querungen mit differenzierter Bordhöhe Leitstreifen vorgesehen. Gemäß dem neuen Normentwurf darf statt eines Aufmerksamkeitsfeldes nun auch ein Leitstreifen von 60 cm Breite mit Noppen angeordnet werden, der aber mindestens 90 cm vor dem Richtungsfeld enden muss, um die "ungesicherte" Querung von der "gesicherten" (mit Zebrastreifen oder Lichtsignalanlage) unterscheidbar zu halten.

Die Notwendigkeit "gesicherte" von "ungesicherten" Querungsstellen zu unterscheiden, wird auch unter Blinden z.T. kontrovers diskutiert. Vielen ist es wichtiger, das Richtungsfeld gut aufzufinden, statt zu wissen, ob nun ein Zebrastreifen vorhanden ist oder nicht, weil man auch mit Zebrastreifen sich nicht darauf verlassen kann, dass alle Fahrzeuge anhalten. Ist eine Lichtsignalanlage vorhanden, lässt sie sich dagegen immer leicht am Mast und der Akustik erkennen.

In jedem Fall dürfte der Abstand von 90 cm zwischen Auffindestreifen und Richtungsfeld in der Praxis zu groß sein, um ein sicheres Auffinden zu gewährleisten. Zudem setzt die Regelung oft nicht vorhandene Gehwegbreiten voraus, der Auffindestreifen könnte erst mit 1,50 m Abstand vom Bord beginnen.

Dreiecksinseln
Skizze Dreiecksinsel

Bei Dreiecksinseln ist die Orientie¬rung besonders schwierig, weil der Beipasskante der Insel nicht orthogonal zu den anderen Bordkanten verläuft. In der bisherigen Norm gab es hierzu keine besonderen Vorgaben. Nun wird bei "gesicherten" Querungen eine Art Leitstreifen von 30 cm Breite vorgeschlagen, der aber aus Noppen besteht, um deutlich zu machen, dass es sich hier um Querungen handelt.

Querungen in Hauptgehrichtung
Für diese seltener vorkommenden Situationen werden angepasste Lösungen vorgeschlagen, mit differenzierter oder einheitlicher Bordhöhe, und differenziert nach "gesicherten" und "ungesicherten" Querungsstellen. Die Auffindestreifen verlaufen immer quer zur Gehrichtung, und halten bei "ungesicherten" Querungsstellen Abstand zum Richtungsfeld. Dies git jetzt auch bei Bahnübergängen.
Fahrbahnaufpflasterungen und Gehwegüberfahrten

In der bisherigen Norm ist beides nicht wirklich unterschieden, obwohl es sich in dem einen Fall um eine Fahrbahnquerung und im anderen rechtlich um einen Gehweg handelt, über den z.B. die Zufahrt zu einer Tankstelle führt. Der neue Normentwurf behandelt Fahrbahnaufpflasterungen als Querung, und bietet auch für Gehwegüberfahrten spezifische Lösungen an. Hier können im Einzelfall dann auch Leitstreifen weiter helfen, die auf Fahrbahnen nicht zulässig sind.

Inhaltsverzeichnis

  1. Anwendungsbereich
  2. Normative Verweisungen
  3. Begriffe
  4. Anforderungen an Bodenindikatoren und angrenzenden Bodenbelag
  5. Bodenindikatoren und Leitelemente im öffentlich zugänglichen Verkehrsraum
  6. Orientierung in Gebäuden

DIN 32984 (2018:06) Bodenindikatoren im öffentlichen Raum

Inhaltsverzeichnis

mehr zu diesem Thema...

Autorinfo

Herr Dipl.-Ing. Arch. Bernhard  Kohaupt

60489 Frankfurt

Beratung, Planung, Seminare, Vorträge und Schulungen

Schwerpunkt ist die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum: Gehwege, Wegenetze, Querungsstellen, Haltestellen, Bodenindikatoren, Treppen und Rampen

Barrierefreie Verkehrs- und Außenanlagen

Barrierefreie Verkehrs- und Außenanlagen

Relevante Regelwerke und DIN 18040-3

Buch bestellen

Tipps

Doppelquerung

DoppelquerungSonderbordsteine, Orientierungs­platten Querungs­inseln und Doppel­que­rungen

Fahrbahn/Gehweg

Fahrbahn/GehwegKasseler Querungs­bord: barrierefreie Überrollbarkeit und eindeutige Erkenn­barkeit für Blinde und Sehbehinderte.

Außenanlagen

AußenanlagenPflaster, Ökobeläge, Platten, Rampen für Außen­anlagen und Garten.

Radwegplatte

RadwegplatteBodenindikatoren, Leitsystem, Sound Stone, Radwegplatte für Blinde und Sehbehinderte

Orientierungshilfen

OrientierungshilfenIntegrative und taktile Leit- und Informations­systeme

Blindenleitsystem

BlindenleitsystemEdelstahl-Blindenleitsystem für öffentlich zugängliche Gebäude.

Taktiles Blindenleitsystem

Taktiles BlindenleitsystemBlindenleitsystem für tempo­rären oder ständigen Gebrauch

Befahrbares Bodenleitsystem

Befahrbares BodenleitsystemBelastbare Entwäs­serungsrinne: Leit­system im öffent­lichen Verkehrsraum