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Brandschutz und Barrierefreiheit Brandschutzkongress 2016

Brandschutz und Barrierefreiheit

Tagungsband zum FeuerTRUTZ Brandschutzkongress 2016

Cover des Fachbuchs Brandschutz und Barrierefreiheit

Ziel des barrierefreien Bauens ist es, Gebäude und deren Umfeld so zu gestalten, dass sie für alle Menschen zugänglich und nutzbar sind. Genauso wichtig ist jedoch die Frage nach dem Sicherheitskonzept im Brandfall. Denn Menschen mit Behinderungen, ältere oder pflegebedürftige Menschen sind oft nicht oder nur eingeschränkt zur Selbstrettung in der Lage. Es obliegt daher Architekten, Fachplanern, Behörden und nicht zuletzt den Feuerwehren, die Aspekte des Brandschutzes und der Barrierefreiheit in Einklang zu bringen, ohne dass ein barrierefreier Brandschutz zu völlig überzogenen Zusatzanforderungen führt. In diesem Tagungsband, der die Fachvorträge des Brandschutzkongresses zum Thema Barrierefreiheit bündelt, erläutern anerkannte Fachleute wie dies in der Praxis gelingen kann.

Inhalt

  • Thomas Kempen
    Barrierefreiheit im Brandschutzkonzept
  • Johannes Göbell
    Brandschutz in Behinderteneinrichtungen
  • Georg Spangardt
    Barrierefreier Brandschutz aus Sicht der Feuerwehr

Leseprobe

Schnittstellenbildung barrierefreier Brandschutz

Als originäre Aufgabe für den Architekten greift die Barrierefreiheit auch in andere Fachbereiche ein. Es bestehen enge Verknüpfungen zur Technischen Gebäudeausrüstung, wie z.B. zur sanitär- oder elektrotechnischen Installation, ebenso wie zur Beleuchtungsplanung oder zur Gebäudeautomation. Eine besonders wichtige Schnittstelle besteht zum Brandschutz; die DIN 18040-1 formuliert unter Ziffer 4.7 das Schutzziel: "In Brandschutzkonzepten sind die Belange von Menschen mit motorischen und sensorischen Einschränkungen zu berücksichtigen."

Die Lösungsbeispiele, die im Folgenden angeführt werden, geben einige Anhaltspunkte, wie der barrierefreie Brandschutz erfüllt werden kann. Die barrierefreien Maßnahmen beziehen sich auf die Alarmierung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip, auf die Vorkehrungen für eine Fremdrettung, wenn eine Eigenrettung nicht mehr möglich ist sowie auf nicht näher bestimmte betriebliche bzw. organisatorische Vorkehrungen. Zur Erfüllung dieses Schutzziels wird also deutlich in das Brandschutzkonzept eingegriffen und dadurch eine Schnittstelle zum Barrierefreien Bauen gebildet.

Im vorbeugenden Brandschutz werden vier allgemeine Schutzziele verfolgt:

  • Vorbeugung einer Brandentstehung
  • Vorbeugung der Ausbreitung von Feuer und Rauch
  • Rettung von Menschen und Tieren
  • Ermöglichung wirksamer Löscharbeiten

Bei der Schnittstelle Brandschutz und Barrierefreiheit wird lediglich das Schutzziel "Rettung von Menschen" gesondert betrachtet; die anderen Schutzziele gelten unverändert.
In den Landesbauordnungen herrscht zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Defizit im Hinblick auf das Schutzziel "Rettung von Menschen mit Behinderungen" insofern, dass die Berücksichtigung der besonderen Belange dieser Nutzergruppe nicht gesetzlich geregelt ist. Für Menschen mit Behinderungen sind die allgemeinen bauordnungsrechtlichen Anforderungen an Rettungswege jedoch in den meisten Fällen nicht ausreichend.

Bei der näheren Beschäftigung mit diesem Thema ergibt sich zunächst die Fragestellung, warum diese Nutzergruppe eine besondere Berücksichtigung erfordert. Zur Beantwortung dieser Frage ist ...

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Lösungsansätze für motorisch eingeschränkte Personen

Bei der Lösungsfindung für den barrierefreien Brandschutz geht die Barrierefreiheit Hand in Hand mit dem Brandschutz.
Die baulichen Voraussetzungen, die Menschen mit Behinderungen zur Selbstrettung befähigen, werden dabei in erster Linie durch die Fachplanung barrierefreies Bauen geschaffen. Ergänzend hierzu werden brandschutzbedingte bauliche Sonderlösungen sowie bestimmte technische Komponenten als Schnittstellenplanung zum Brandschutz interdisziplinär entwickelt.

Welche baulichen Voraussetzungen müssen aus Sicht der Barrierefreiheit für die Selbstrettung geschaffen werden? Ein wichtiger Aspekt liegt in der barrierefreien Gestaltung der horizontalen und vertikalen Erschließungsbereiche. Betrachtet werden hierbei sowohl die notwendigen Flure und Treppen, die der Haupterschließung dienen, als auch in Ergänzung hierzu diejenigen, die als erste und zweite Flucht- und Rettungswege fungieren.

Ausreichend dimensionierte Verkehrs- und Bewegungsflächen ermöglichen nicht nur Menschen mit assistiven Hilfsmitteln eine unbehinderte Fortbewegung, sondern ...

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Lösungsansätze für sensorisch eingeschränkte Personen

Grundsätzlich unterscheiden sich die baulichen Voraussetzungen für eine barrierefreie Fluchtweggestaltung in Bezug auf die Nutzergruppen erheblich voneinander. Während für motorisch eingeschränkte Personen in erster Linie die Einhaltung bestimmter geometrischer Anforderungen wichtig ist, ist die konsequente Umsetzung des Zwei-Sinne-Prinzips für Personen mit sensorischen Beeinträchtigungen von besonderer Bedeutung.

Eine Gestaltung nach dem Zwei-Sinne-Prinzip bedeutet, dass Informationen jeglicher Art stets für zwei Sinne gleichzeitig wahrnehmbar aufbereitet sein müssen. Dadurch wird gewährleistet, dass die eingeschränkte oder ausgefallene Sinnesfähigkeit mithilfe eines anderen Sinnes kompensiert werden kann.

Hindernisse und Einschränkungen im Bereich der Verkehrs- und Erschließungsflächen stellen für Sehbehinderte und Blinde ebenso Gefahrenquellen dar, wie transparente Glasscheiben oder Treppen. Damit es auf dem Rettungsweg nicht zum Unfall kommt, müssen diese Elemente kontrastreich gestaltet werden und gleichzeitig taktil wahrnehmbar sein.

Darüber hinaus ist im Fluchtfall die Möglichkeit der barrierefreien Orientierung von großer Relevanz. Die Lesbarkeit und Wahrnehmbarkeit der Fluchtwegbeschilderung sowie der Flucht- und Rettungspläne muss für alle Flüchtenden gewährleistet werden. Die Lösungsmöglichkeiten sind in diesem Fall vielfältig und reichen beispielsweise von taktil erfassbaren Leitelementen über eine akustisch-dynamische Fluchtwegsteuerung bis hin...

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Den Tagungsband zum Feuertrutz Brandschutzkongress 2016 "Brandschutz und Barrierefreiheit" können Sie zum Preis von 39 EURO (inkl. WebCast-Zugang) beim Verlag für Brandschutzpublikationen Feuertrutz GmbH über das Kontaktformular bestellen.

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Zusatzinfo

Skizze Schnittstellenbildung
Abb. 3: Schnittstellenbildung des barrierefreien Bauens
(Quelle: © Kempen Krause Ingenieure)

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