HomeGesetze und VerordnungenInfos zu NormenQuerungsstellen nach DIN 18040-3

Optimierung barrierefreier Querungsstellen nach DIN 32984, HBVA und DIN 18040-3

Die Wertigkeit der beiden Normlösungen "gemeinsame Überquerungsstelle mit 3 cm Bordhöhe" und "Getrennte Überquerungsstelle mit differenzierter Bordhöhe"

Auszug aus dem Fachartikel "Optimierung barrierefreier Querungsstellen nach DIN 32984, HBVA und DIN 18040-3"

Autor: Dipl.-Päd. Dietmar Böhringer

Zusammenfassung

Touristen begehen einen erhöhten Zebrastreifen aus der Antike in Pompeji
Ein 2000 Jahre alter "Zebrastreifen" in Pompeji. Hohe Bordsteinkanten boten damals und bieten auch heute noch Fußgängern Schutz vor dem Fahrzeugverkehr.
  • Blinde Menschen haben im Verkehrsbereich andere Bedürfnisse als Rollstuhlnutzer und Rollatornutzer. Großflächige Einebnungen von Gehbereich und Fahrbereich - für letztere die optimale Lösung - bedeuten für erstere gefährliche, im schlimmsten Fall lebensgefährliche Situationen.
  • Eine Bordhöhe von 3 cm ("3-cm-Kompromiss") ist zwar für die Mehrzahl der Betroffenen eine noch akzeptable Lösung, schließt aber zwei Personenkreise von der selbständigen Bewegung im öffentlichen Raum aus: leistungsschwächere Rollstuhlnutzer und Rollatornutzer, die diese für sie zu hohe Kante nicht bewältigen können sowie jene blinden Menschen, die diese für sie zu niedrige Kante nicht sicher wahrnehmen können.
  • Versuche im Inland und Ausland, wo großflächige Einebnungsmaßnahmen durchgeführt wurden, wobei man evtl. recht aufwändige Bodenindikatoren-Flächen eingebaut hatte, können nicht überzeugen und nicht als blindengerechte Gestaltung akzeptiert werden.
  • Eine getrennte Querungsstelle mit differenzierter Bordhöhe bietet sowohl gehbehinderten Verkehrsteilnehmern als auch blinden und sehbehinderten Menschen die bestmögliche Unterstützung und berücksichtigt die unterschiedlichen Belange in besonderer Weise. Es ergibt sich eine minimale Querungsbreite von 2,80 m bis 3,00 m, die der Mindestbreite bei Fußgängerfurten und Fußgängerüberwegen entspricht und bei der eine getrennte Querungsstelle noch sinnvoll und bautechnisch möglich ist. Eine Verbreiterung ist problemlos möglich. Getrennte Querungsstellen bieten sich daher innerorts als Regellösung an. Ist in Ausnahmefällen eine ausreichende Querungsbreite von 2,80 m nicht gegeben, sollte der gesamte Bereich mit einem 3 cm-Bord versehen werden.
  • Ernst genommen werden muss die Aussage der DIN 32984 [Abschnitt 5.3.3]: "Bordabsenkungen bis auf Fahrbahnniveau, die breiter sind als 1 m, können eine Gefährdung für blinde und sehbehinderte Menschen darstellen: Es besteht die Gefahr, dass die Trennlinie zwischen sicherem Gehweg und Fahrbahn mit dem Langstock und/oder den Füßen nicht ausreichend eindeutig wahrnehmbar ist und sie unbeabsichtigt auf die Fahrbahn geraten."
  • Radfahrer sind für blinde Menschen problematische Verkehrsteilnehmer: Sie bewegen sich praktisch unhörbar; sportliche Fahrer erreichen aber Geschwindigkeiten, die denen des innerörtlichen Verkehrs entsprechen können. Die Radverkehrsführung muss daher in bestimmten Regionen Deutschlands unter dem Aspekt der Barrierefreiheit für blinde Menschen neu durchdacht werden - wobei eine Verbesserung der Situation allen Fußgängern zugute kommt.
  • Maßnahmen, die Sicherheitsaspekte für blinde und sehbehinderte Menschen beinhalten, sind von Außenstehenden oft nicht zu durchschauen. Scheinbar unwesentliche Abweichungen von den Normvorgaben können schwerwiegende Gefahren für diesen Personenkreis beinhalten. Die sorgfältige Einhaltung der Normvorgaben ist daher von großer Wichtigkeit.

(...)

Die Wertigkeit der beiden Normlösungen "gemeinsame Überquerungsstelle mit 3 cm Bordhöhe" und "Getrennte Überquerungsstelle mit differenzierter Bordhöhe"

Eine Rollstuhlfahrerin und ein Blinder überqueren eine getrennte barrierefreie Querungsstelle.
Nahe liegende Idee – Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer erhalten eine kantenlose Überfahrt, blinde Menschen eine ausreichend hohe, gut ertastbare Kante.

Die Normen DIN 32984 und DIN 18040-3 stellen die beiden Gestaltungsmöglichkeiten von Querungsstellen gleichwertig nebeneinander: "Gesicherte Überquerungsstellen können als getrennte Überquerungsstelle nach DIN 32984 mit differenzierter Bordhöhe oder als gemeinsame Überquerungsstelle mit 3 cm Bordhöhe ausgebildet werden" [DIN 18040-3, Abschnitt 5.3.2].

Nun ist aber bekannt, dass eine 3-cm-Kante für viele Rollstuhlnutzer und Rollatornutzer zu hoch, für viele blinde Menschen zu niedrig ist; dass es sich zwar um einen Kompromiss, aber eben um keinen guten Kompromiss handelt. Die 2011 erschienene bayerische "Arbeitshilfe für Planung und Umsetzung des Barrierefreien Bauens im Staatlichen Straßenbau" stellt dies klar: "Wenn für eine Querungsstelle ... (ausreichend) Breite zur Verfügung steht, ist ... eine getrennte Querungsstelle einzurichten. ... Ist eine ausreichende Querungsbreite ... nicht gegeben, so ist der gesamte Bereich mit einem 3 cm-Bord zu versehen" [Bayern / Arbeitshilfe, S. 17 und S. 20].

Und der NRW-Leitfaden 2012 stellt noch weiter gehend fest: "Die Doppelquerung bietet ... sowohl gehbehinderten Verkehrsteilnehmern als auch blinden und sehbehinderten Menschen die bestmögliche Unterstützung und berücksichtigt die unterschiedlichen Belange in besonderer Weise. Der Einsatz der Doppelquerung ist ab einer Querungsbreite von 2,50 m sinnvoll und bautechnisch möglich und somit innerorts die Regellösung - außerorts dann, wenn ... eine umfassende Barrierefreiheit zu berücksichtigen ist" [Abschnitt 4.2.1.13]. (Hinweis: Die angegebene Minimalbreite von 2,50 m muss auf 2,80 m bis 3,00 m erhöht werden)

An anderer Stelle heißt es: Es "werden innerorts in der Regel Doppelquerungen zum Einsatz kommen..." [Abschnitt 6.2.1]. Es wäre wünschenswert, dass diese Präzisierung mit der Hervorhebung der besseren Lösung bundesweit eingeführt würde: In Ausnahmefällen eine 3-cm-Kante, in der Regel aber Getrennte Querungsstellen! Als Minimalbreite wären jene 3,00 m sinnvoll, die in den Regelwerken angegeben sind [RASt 06, Abschnitt 6.1.8.6; R-FGÜ, Abschnitt 3.3 (2)].

(...)

Der vollständige Fachbeitrag "Optimierung barrierefreier Querungsstellen nach DIN 32984, HBVA und DIN 18040-3" steht hier zum Download bereit.

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Beauftragter für barrierefreies Gestalten des Verbandes für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik (VBS).

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