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barrierefreie Friedhöfe

Barrierefreie Friedhöfe

barrierefreier Friedhof: Information, Standort, Anbindung, Orientierung, Gebäude, Wege, Hilfsmittel, Assistenz, Beerdigung, Zeremonie, Beschaffungsmöglichkeiten
Hans-Peter Matt 2010: Elemente der barrierefreien Friedhofsgestaltung

Friedhöfe erfüllen wichtige individuelle und kollektive Funktionen. Vor allem sind sie dazu bestimmt, den Angehörigen Verstorbener ein ungestörtes Totengedenken zu ermöglichen. Friedhöfe sind aber auch öffentliche Einrichtungen und sollten deshalb ohne Beeinträchtigung von allen Besuchern, auch von älteren oder mobilitäts- oder sinnesbehinderten Personen, zu nutzen sein. Da dieser Personenkreis das Gros der Friedhofsbesucher darstellt, sollte jeder Friedhof weitmöglichst barrierefrei gestaltet sein. Dabei spielen viele Aspekte eine Rolle.

Die Information

Es beginnt bei der Information über Aspekte der Barrierefreiheit: Wie erfährt der Friedhofsbesucher etwas über das spezielle Angebot in seiner Stadt oder Gemeinde? Und wie erreicht die Stadt oder Gemeinde diesen Personenkreis? In ländlichen Regionen ist dieser Personenkreis oft die einheimische Bevölkerung, die sich vor Ort mit den Gegebenheiten auskennt und sich auch mit der bisherigen Situation klaglos zufrieden stellen lässt. Dennoch stellt sich die Frage: Über welches Medium kann sich der Einzelne informieren? Liegt bei der Stadt oder der Gemeinde, beim zuständigen Sachbearbeiter, eine Art Checkliste vor, auf der sich der Besucher über das bestehende Angebot informieren kann? Dabei wäre auch bei dieser passiven Art des Informationsangebotes wichtig, dass die Mitarbeiter sowohl in der Verwaltung als auch auf dem Friedhof sensibilisiert sind und über das vorhandene Angebot Bescheid wissen.

Informationen können über eine Vielzahl an Medien weitergeben werden. Dies ist zum Beispiel über das Internet auf der Webseite einer Stadt oder Gemeinde möglich. Aber auch hier gibt es schon diverse Fallstricke: Wer pflegt die Seiten, erreiche ich alle Zielgruppen, was ist mit älteren Personen ohne Webanschluss, sind die Internetseiten barrierefrei zugänglich? Ebenso kann man die Informationen über die örtliche Presse oder im Gemeindeblatt streuen.

Der Standort

In Städten sind Friedhöfe oft grüne Oasen der Ruhe, in denen sich Menschen gerne aufhalten, um der Großstadthektik zu entfliehen und Kraft zu tanken. Zum Teil sind städtische Friedhöfe auch touristische Attraktionen, etwa der Père-Lachaise in Paris, der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg oder der Wiener Zentralfriedhof. Auf solchen Friedhöfen gelten andere Maßstäbe, aber das Thema Barrierefreiheit muss hier genauso eine Rolle spielen.

Grundsätzlich sollte man unterscheiden zwischen Stadt- und Landfriedhöfen. In Großstädten existiert eine andere Infrastruktur als auf dem Land. Daneben sollten Friedhöfe auch nach topografischen Gesichtspunkten beurteilt und ebenso die Frequentierung berücksichtigt werden. Hier stellt sich die Frage, inwiefern es überhaupt möglich ist, auf den Friedhof zu gelangen. Dabei sind nicht nur ein paar Stufen am Eingang zu berücksichtigen. Jeder Friedhof ist für sich nach barrierefreien Gesichtspunkten zu beurteilen. Dazu gilt es zu analysieren, was mit welchem Aufwand und mit welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis realisiert werden kann. Mindestens bei Erweiterungen, Umgestaltungen oder sonstigen grundlegenden Änderungen sollte über die Barrierefreiheit beziehungsweise die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Friedhofsanlagen nachgedacht werden.

Die Anbindung

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist für Fahrten im Stadtzentrum oder von Randgebieten ein attraktives und umweltfreundliches Verkehrsmittel. Zur idealen Anbindung von Friedhöfen durch den ÖPNV müssen folgende Grundsätze Anwendung finden:

  • Wahl eines leistungsfähigen ÖPNV-Systems zur überregionalen und regionalen Bedienung mit U-Bahn, Stadtbahn oder Bus.
  • Planung von ÖPNV-Trassen und Haltestellen, die eine ungestörte Nutzung und Bedienung ermöglichen. Haltestellen müssen in unmittelbarer Umgebung von Friedhofsanlagen liegen. Hierdurch können Fußwege minimiert und zum Teil kürzer gestaltet werden als die Wege zu den Parkplätzen.
  • Einsatz qualitativ hochwertiger Fahrzeuge mit entsprechender Größe und Ausstattung.
  • Angebot nachfrageorientierter Taktdichten. Durch das Anbieten kurzer Taktzeiten in den bevorzugten Zeitlagen können Fahrgäste auch ohne konkrete Fahrplankenntnisse den ÖPNV nutzen, so dass keine größeren Wartezeiten entstehen.

Ein anderes Thema ist die Parksituation: Warum benötigen behinderte Menschen die Behindertenparkplätze so dringend? Behindertenparkplätze sollten in der Nähe von Eingängen liegen. Sie ersparen älteren und behinderten Menschen lange Wege. Viele dieser älteren oder auch behinderten Menschen können nicht weit laufen. Behindertenparkplätze sollten so eingerichtet sein, dass sich die Fahrer- oder Beifahrertür ganz öffnen lässt. Sie liegen entweder am Straßenrand oder sind breit eingezeichnet. Viele behinderte Menschen, insbesondere Rollstuhlfahrer, benötigen zum Ein- und Aussteigen mehr Platz. Ist kein Behindertenparkplatz vorhanden, ist ihnen ein Friedhofsbesuch nicht möglich, weil sie normal breite Parkplätze nicht nutzen können oder Angst haben müssen, dass ihnen jemand die Tür zuparkt. Behindertenparkplätze sind vielfach eine Grundvoraussetzung, damit behinderte Menschen gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen können. Gerade bei Friedhöfen sollten je nach Größe mindestens zwei bis drei solcher Parkmöglichkeiten geschaffen werden, wobei mindestens einer davon auch ausdrücklich für Gehbehinderte oder als Kurzparkzone zum Be- und Entladen ausgewiesen werden sollte. Denn wenn die Anreise mit dem Bus oder dem eigenen PKW nicht oder nicht mehr möglich ist, sollte auch ein Fahrdienst oder Taxibetrieb hier eine Parkmöglichkeit vorfinden.

Orientierung

Zur Orientierung auf Friedhöfen sollten an markanten Stellen - wie an den Eingängen, an den Kapellen sowie den Wegegabelungen - Schaukästen mit einem Friedhofsplan aufgestellt sein. Hilfreich gerade auch für seheingeschränkte Besucher ist eine kontrastsichere und farbliche Aufteilung solcher Planfelder. Oftmals ist ein Friedhof in Planfelder aufgeteilt. Die Bezeichnung der Planfelder findet man auf Friedhofsplänen. Gelegentlich sind Planfeldbezeichnungen auch auf den Grabsteinen lesbar enthalten oder man könnte sie irgendwo am Grab mit der entsprechenden Nummer angeben.

Blinde und sehbehinderte, aber auch viele ältere Menschen benötigen klare Strukturen, um sich gut orientieren zu können und eindeutig zu erkennen, was sie erwartet. Damit sich blinde und sehbehinderte Personen sicher in einem Bereich aufhalten können, werden visuell und taktil eindeutige Strukturen benötigt. Stark frequentierte Bereiche sollten visuell und kontrastreich unterscheidbar sein.

Zum Teil kann eine Trennung von Bereichen mittels einer visuell und taktil erkennbaren Linie wie etwa eines 3 cm hohen Bordsteins erforderlich sein. Wo die gebauten Strukturen für die Orientierung und Sicherheit nicht genügen, sollten an beiden Seiten der Verkehrswege taktile und visuell kontrastreiche Leitstreifen aus Bodenindikatoren eingebaut werden. Das kommt auch der immer älteren Bevölkerung entgegen, um sich gut zu orientieren.

Handlaufinformationen mit Beschriftung in Punktschrift und Pyramidenschrift sind eine weitere gute Möglichkeit, jeweils am Beginn und am Ende von Handläufen über den weiteren Weg zu informieren. Diese Informationen sind zum Beispiel in Gebäuden sehr hilfreich.

Zusammenfassend gilt also, ein kontrastreiches und gut lesbares Beschilderungssystem zu schaffen. Sinnvoll ist zum Teil auch ein taktil erfassbarer Lageplan mit Pyramiden- und/oder Brailleschrift (Punktschrift).

Die Entscheidung darüber, was genau umgesetzt werden soll, sollte aber individuell vor Ort durch die Stadt/Gemeinde in Zusammenarbeit mit betroffenen Experten und dem eingebundenen Planungsbüro besprochen werden.

Die Wege

Bodenbeläge im Freien müssen mit dem Rollstuhl oder einem Rollator leicht und erschütterungsarm zu befahren sein, der Belag muss deshalb fest, eben, stufenlos, rutschhemmend und fugenarm sein. Gerade auf Friedhöfen, wo generell immer wieder Transporte auf Rollen stattfinden, ist es eine wichtige und zentrale Aufgabe, bei der Ausführung dieser Wege darauf zu achten.

Eine feste, wassergebundene Decke mit einer hauchdünnen Splittschicht ist im Normalfall gut von Personen im Rollstuhl oder einem Rollator zu bewältigen. Wichtig ist, dass solche Wege fachgerecht eingebaut, gut verdichtet und gut entwässert werden müssen. Eine Sicherung der Wegeränder durch Kantensteine verhindert Abbrüche und Gefahrenstellen gerade in abschüssigem Gelände. Gleichzeitig sind Kantensteine eine gute Orientierungshilfe für blinde oder seheingeschränkte Fußgänger.

Als Wegematerial kommt unter Umständen auch ebenes Steinpflaster (kein Kopfsteinpflaster!) in Frage. Ausschlaggebend ist die Gesteinsoberfläche (eben und rutschhemmend), die Fugenbreite und die Art der Verfugung. Auch Asphalt- oder Betonwege sind gut berollbar, sollten jedoch nur dort eingesetzt werden, wo die Instandhaltung wassergebundener Decken nicht gewährleistet werden kann oder wo eine starke Beanspruchung durch Fahrzeuge stattfindet.

Welchen Mindestraumbedarf blinde, gehbehinderte oder rollstuhlfahrende Gäste haben, wird oft vernachlässigt. Die Wegebreite sollte für sie bei mindestens 120 cm liegen und das Wegesystem sollte wenn möglich Ausweichstellen oder Wendekreise beinhalten. Auch die lichte Höhe wird oftmals nicht beachtet oder unterschätzt. Dies ist gerade im Außenbereich wichtig, da herabhängende Äste oder vorstehende Gegenstände eine Gefahr darstellen können. Eine erforderliche und ausreichende Höhe liegt bei 230 cm.

Zudem spielt die Beleuchtung beziehungsweise Ausleuchtung von Wegen und Gebäuden eine wichtige Rolle. Ebenso sollten genügend Ruhezonen und Sitzgelegenheiten vorhanden sein. Einfache Parkbänke sind meist ausreichend. Jedoch sollte neben der Bank auch ein Stellplatz für einen Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator geschaffen werden.

Ein weiterer zu bedenkender Punkt ist, dass die Barrierefreiheit für das Friedhofspersonal eine Erleichterung, aber auch eine Behinderung darstellen kann, wenn es zur richtigen oder falschen Ausführung kommt. Es sollte für alle so geplant werden, dass jeder einen Nutzen davon hat. Das kann beispielsweise eine Rampe in topografisch schwieriger Hanglage sein, die mobilitätseingeschränkten Personen im Rollstuhl eine Zugänglichkeit ermöglicht, aber auch dem Friedhofspersonal die Nutzung von Maschinen oder Fahrzeugen erlaubt. Wenn dieses Zusammenspiel harmoniert und funktioniert, dann lassen sich eventuelle Mehrkosten zur barrierefreien Gestaltung wirtschaftlich kompensieren, indem die Gestaltung die Arbeit durch Maschineneinsatz erleichtert. Es müssen also vorab immer gemeinsame Gespräche mit dem Planer, der Stadt/Gemeinde und der Friedhofsverwaltung vorausgehen, um das Optimum zu erreichen.

Hilfsmittel und Assistenz

Um den ohnehin schon oft beschwerlichen Weg von älteren, mobilitäts- oder sinneseingeschränkten Menschen nicht noch mehr zu erschweren, ist es sinnvoll, wenn sich Gartengeräte zur Pflege des Grabes am Grab oder in ausreichender Anzahl in der Nähe zum Ausleihen befinden.

Überdies hinaus erleichtert das Vorhandensein von Schubkarren, Leiterwagen oder einem elektrischen Transportmittel ähnlich einem Golfwagen (vielleicht sogar mit Anhänger) den Transport von Gerätschaften, Blumen, Blumenerde und Gestecken auf dem Friedhof. Natürlich sollten auch Abfallbehälter auf kurzen Wegen und in einer auch für Rollstuhlfahrer bequem erreichbaren Höhe installiert werden. Eine Möglichkeit besteht auch darin, Abfallcontainer in den Boden einzulassen, so dass sie maximal 120 cm über den Boden hinausragen.

Ebenso ist es eine große Hilfe für viele Besucher, wenn ein wöchentlicher Dienst einer Hilfsperson zu festgelegten Zeiten angeboten und entsprechend veröffentlicht wird. Eine denkbare Variante können Projekte sein, bei denen Schüler älteren oder mobilitätseingeschränkten Personen solche Begleitdienste anbieten, in Städten oder auf ländlichen Friedhöfen in topografisch schwierigen Lagen.

Beerdigung und Zeremonie

Für jeden trauernden Angehörigen ist die Ansprache während der Beerdigungszeremonie ein bedeutender Bestandteil zur Bewältigung der Trauerarbeit. Darum ist es wichtig, dass auch Gehörlose oder hörgeschädigte Menschen vollständig und uneingeschränkt daran teilnehmen können. Dies kann zum Beispiel durch eine Induktionsschleife für höreingeschränkte Personen mittels einer FM-Anlage ermöglicht werden.

Wenn man weiß, dass gehörlose Menschen an einer Beerdigung teilnehmen, kann ein Gebärdendolmetscher bestellt werden. Solche Angebote sollten mit den allgemeinen Informationen (siehe erster Abschnitt) publik gemacht werden.

Bei der Aufbahrung des Sarges ist zu beachten, dass auch Rollstuhlfahrer gebührend Abschied von einem geliebten Menschen nehmen können. Das heißt, wenn der Verstorbene aufgebahrt ist, sollte er auch aus einer sitzenden Position zu betrachten sein. Ansonsten gibt es noch die Lösung mittels einer Rampe.

Auch bei der Platzierung der Trauergäste ist zu beachten, dass Rollstuhlfahrer mehr Platz und Bewegungsfreiheit benötigen. Durchgangsbreiten bei der Bestuhlung mit mindestens 120 cm sind zu beachten. Ebenso ist die Bestuhlung so einzurichten, dass Personen im Rollstuhl oder mit einem Rollator eine Park und Abstellmöglichkeit für ihre Gefährte haben.

Um Trauergäste und vor allen Dingen sehbehinderte Personen an der Grabstelle vor Unfällen zu schützen, sollte diese durch eine Absperrung ausreichend gesichert werden.

Beschaffungsmöglichkeiten

Für alle älteren, mobilitäts- oder sinneseingeschränkten Menschen ist es wichtig, die Wege kurz zu halten. Darum ist ein in der Nähe des Friedhofes befindliches Geschäft, das alle nötigen Grabutensilien, Grabschmuck, Blumen, Blumenerde, Vasen, Kerzen etc. anbietet, ideal. Dies gilt ebenso für die Friedhofsverwaltung, eventuell auch für den Steinmetzen, sowie für ein Restaurant oder Café, das als Treffpunkt für Friedhofsbesucher und Trauergäste dient. Sinnvollerweise gilt auch hier zu prüfen, ob alles nutzbar und zugänglich ist und welcher Service dem Kunden geboten wird.

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Herr Hans-Peter Matt

77716 Haslach

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Artikel aus

Friedhofskultur 11/2009
Planung barrierefreie Friedhöfe

Titelblatt Friedhofskultur 11/2009
Zeitschrift für das gesamte Friedhofswesen

Barrierefrei - frei von Hindernissen - was heißt das eigentlich im Alltag auf einem Friedhof?
Gerade hierher kommen viele ältere Menschen und gerade unter den Älteren ist der Anteil derer, die zum Beispiel Schwierigkeiten beim Gehen haben, größer als in anderen Altersgruppen. Sie müssen sich oft beim Treppensteigen festhalten oder können mit einem Rollator gar keine Treppen überwinden. Das Gleiche gilt für Kinderwagen. Rollstuhlfahrer haben es meist noch schwerer.

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