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Schwerbehinderung und PflegebedürftigkeitFacebookTwitterEmailDrucken

SGB IX § 2 Abs. 1 Begriff Behinderung: "Menschen sind behindert, wenn die körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilnahme am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist."

Schwerbehinderung 2017 und Pflegebedürftigkeit 2015

Am 31. Dezember 2017 waren bei den Versorgungsämtern 7,8 Mill. Menschen als Schwerbehinderte mit gültigem Ausweis (Grad der Behinderung von mindestens 50) amtlich anerkannt. Das entsprach einem Anteil von rund 9,4 % der Bevölkerung. Über die Hälfte dieses Personenkreises (51 %) waren Männer.

Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: So war circa ein Drittel (34 %) der schwerbehinderten Menschen 75 Jahre und älter. 44 % gehörten der Altersgruppe von 55 bis 74 Jahren an. 2 % waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2017 nach Altersgruppen

Insgesamt 7.766.573

Diagramm Schwerbehinderte Menschen nach Altersgruppen
unter 415.4950,20%
4-15121.9721,57%
15-25166.2162,14%
25-35251.2613,24%
35 - 45342.2984,41%
45 - 55860.58611,08%
55 - 651.634.54421,05%
65 und mehr4.374.20156,32%

Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2017 nach Bundesländern

Diagramm Schwerbehinderte Menschen nach Bundesland

In Hamburg leben die wenigsten Menschen mit einer Schwerbehinderung, 70 je 1000 Einwohner, die meisten in Mecklenburg-Vorpommern, 117 je 1000 Einwohner.

Ursachen der schwersten Behinderungen 2017

Mit 88 % wurde der überwiegende Teil der Behinderungen durch eine Krankheit verursacht. 3 % der Behinderungen waren angeboren beziehungsweise traten im ersten Lebensjahr auf. Nur 1 % der Behinderungen war auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen. Die übrigen Ursachen summieren sich auf 7 %.

Körperliche Behinderungen hatten 59 % der schwerbehinderten Menschen. Bei 25 % waren die inneren Organe beziehungsweise Organsysteme betroffen. Bei 12 % waren Arme und/oder Beine in ihrer Funktion eingeschränkt, bei weiteren 11 % Wirbelsäule und Rumpf. In 5 % der Fälle lag Blindheit beziehungsweise eine Sehbehinderung vor. 4 % litten unter Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Der Verlust einer oder beider Brüste war bei 2 % Grund für die Schwerbehinderung.

Geistige oder seelische Behinderungen hatten insgesamt 13 % der Fälle, zerebrale Störungen 9 % der Fälle. Bei den übrigen Personen (19 %) war die Art der schwersten Behinderung nicht ausgewiesen.

Bei knapp einem Viertel der schwerbehinderten Menschen (23 %) war vom Versorgungsamt der höchste Grad der Behinderung von 100 festgestellt worden. 33 % wiesen einen Behinderungsgrad von 50 auf.

nach Art der Behinderung

  • Körperliche: 59,21%
  • Zerebrale Störungen, geistige- und / oder seelische: 21,44%
  • Sonstige und ungenügend bezeichnete: 19,35%

nach Ursache der Behinderung

  • Angeborene: 3,33%
  • Allgemeine Krankheit: 88,26%
  • Unfall, Berufskrankheit: 1,49%
  • Anerkannte Kriegs-, Wehr- oder Zivildienstbeschädigung: 0,22%
  • Sonstige: 6,70%

Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2017 nach Art der schwersten Behinderung

Art der Funktionsbeeinträchtigungen

Beeinträchtigung der Funktion innerer Organe bzw. Organsystemen 1.935.06424,92%
Querschnittlähmung, zerebrale Störungen, geistig-seelische Behinderungen, Suchtkrankheiten1.661.14321,39%
Funktionseinschränkung von Gliedmaßen959.76211,75%
Funktionseinschränkung der Wirbelsäule und des Rumpfes, Deformierung des Brustkorbes852.25210,97%
Blindheit und Sehbehinderung350.8224,52%
Sprach- und Sprechstörungen, Taubheit, Schwerhörigkeit, Gleichgewichtsstörungen317.7484,09%
Verlust einer Brust oder beider Brüste, Entstellungen, Kleinwuchs u.a.178.3132,30%
Verlust oder Teilverlust von Gliedmaßen55.7660,72%
sonstige und ungenügend bezeichnete Behinderungen1.503.12619,35%

Pflegebedürftigkeit zum Jahresende 2015

Lebenslagen der behinderten Menschen

Mit zunehmendem Alter sind Menschen in der Regel eher pflegebedürftig. Während bei den 65- bis unter 69-Jährigen etwa 3 Prozent pflegebedürftig waren, beträgt die Quote bei 75-84-Jährigen 14 Prozent. In der Altersgruppe 85 bis 89 steigt sie auf 40 Prozent und ab 90 Jahren und älter liegt sie schließlich bei 66 Prozent (das sind in absoluten Zahlen 475 000 von 718 000 Menschen, die 2015 in Deutschland über 90 Jahre alt waren).

  • Pflegebedürftige gesamt: 2,9 Millionen Personen
  • häuslich versorgte Pflegebedürftige 2,08 Millionen Personen
  • stationär versorgte Pflegebedürftige 0,78 Millionen Personen
Pflegebedürftige 2015 nach Versorgungsart

2,9 Millionen Pflegebedürftige insgesamt

zu Hause versorgt
2,08 Millionen (73 %)

in Heimen vollstationär versorgt
783 000 (27 %)

durch Angehörige
1,385 Millionen

zusammen mit/
durch ambulante Pflegebedürftige
692 000
Pflegebedürftige

 

[Quelle: Pflegestatistik 2015]

Im Dezember 2015 waren 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI); die Mehrheit (64 %) waren Frauen. 71 % der Pflegebedürftigen waren 75 Jahre und älter; 85 Jahre und älter waren 37 %.

Entwicklungstendenz im Rückblick: Im Dezember 2013 waren 2,6 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, Im Dezember 2011 waren es 2,5 Millionen, 2009 waren es 2,34 Millionen Menschen.

Sozialgesetzbuch - SGB XI § 14

(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

(2) Maßgeblich für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten sind die in den folgenden sechs Bereichen genannten pflegefachlich begründeten Kriterien:

  1. Mobilität: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen;
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch;
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen;
  4. Selbstversorgung: Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung parenteral oder über Sonde, Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme bei Kindern bis zu 18 Monaten, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf auslösen;
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen:
    • a) in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel,
    • b) in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung,
    • c) in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern sowie
    • d) in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften;
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, Sichbeschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds.

(3) Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten, die dazu führen, dass die Haushaltsführung nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden kann, werden bei den Kriterien der in Absatz 2 genannten Bereiche berücksichtigt.

Pflegebedürftige zum Jahresende 2015 im Ländervergleich

In Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen gab es relativ viele hochaltrige Pflegebedürftige: Die Anteile der ab 85-jährigen Pflegebedürftigen an allen Pflegebedürftigen liegen dort zwischen 39 % und knapp 41 %. Hingegen weisen Mecklenburg-Vorpommern (Anteil: 32 %), Berlin (32 %) und Brandenburg (33 %) relativ "junge" Altersstrukturen auf.

Diagramm Schwerbehinderte Menschen nach Bundesland 2013

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Anfrage zur Pflegeversicherung

Autorinfo

Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn

Herr Heiko Pfaff

www.destatis.de

Zusatzinfo

Die meisten Menschen mit Behinderungen erhalten eine Rente oder eine Pension (63 Prozent). Etwa 19 Prozent bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eine Erwerbstätigkeit. Gut neun Prozent erfahren Unterstützung durch Verwandte und Angehörige.

Quellenangabe

Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

Zahl der schwerbehinderten Menschen mit gültigem Ausweis, persönliche Merkmale der schwerbehinderten Menschen wie Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Wohnort, Art, Ursache und Grad der Behinderung

Ausführliche Angaben, Zahlen, Tabellen etc. finden Sie in den angegebenen pdf-Dateien oder auf den Seiten von www.destatis.de

Datenreport 2016: Sozial­bericht für Deutschland

Pflegestatistik 2015
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