"Treppentote" - weiter ansteigend

Deutschland: Mehr Todesopfer bei Treppenstürzen als bei Verkehrsunfällen!

Schwer vorstellbar: Derzeit kommen mehr Menschen bei Treppenunfällen ums Leben als im Straßenverkehr: 2013 starben auf deutschen Treppen ca. 4000 Menschen, 17 % mehr als bei Verkehrsunfällen!

Wir sollten es ernst nehmen, dass aufgrund des demographischen Wandels ein umfassendes seniorengerechtes Bauen notwendig ist. Eine der wichtigsten Forderungen ist, die mit Rücksicht auf ältere Menschen beachtet werden sollte: Treppen müssen optimal sicher gestaltet werden!

Treppenanlage
Treppe fast normgerecht, aber ausgerechnet an den Stellen, an denen sich etwa 90 % der Unfälle ereignen, nicht korrekt. Mehr in der pdf-Datei...

Fachbeitrag von Dietmar Böhringer

  • Inhalt
  • Erschreckende Statistik
  • Gründe für den imposanten Rückgang an Verkehrstoten
  • Gründe für den Anstieg der "Treppentoten"
    • Demographischer Wandel
    • Prestigearchitektur contra Sicherheit
    • Ignorierte Sicherheitsaspekte bei der Treppengestaltung
      • Problem: Handlauf-Enden
      • Problem: Handlauf-Querschnitt
      • Problem: Sichtbarkeit der Stufenkanten
        • Keine gute Lösung: Kanten markiert mit Punktreihen
        • Keine gute Lösung: Auffälliger Kontrast zwischen Tritt- und Setzstufen
        • Keine gute Lösung: Gummiwülste zur Markierung der Treppenkanten
  • Kampf gegen "übertrieben sichere" Treppen?
  • Forderungen
  • Beispiele sicherer Treppengestaltungen

Auszug

Ignorierte Sicherheitsaspekte bei der Treppengestaltung

Neu gebaute Treppen verstoßen oft gegen bestimmte Details der Normbestimmungen. Diese seien nebensächlich bzw. überflüssig, wird behauptet. Aktuelle Leitfäden empfehlen diese Missachtung sogar. In Wirklichkeit handelt es sich genau bei diesen Details um elementare Sicherheitsforderungen für Treppen.

Einige Beispiele:

Problem: Handlauf-Enden

Die Mehrzahl der schweren Treppenunfälle ereignet sich bekanntlich beim Abwärtssteigen am unteren Treppen-Ende. Dies ist leicht nachvollziehbar: Der menschliche Körper bewegt sich - rein physikalisch gesehen - auf einer schiefen Ebene abwärts und muss unten wieder abgefangen und in die Ebene umgelenkt werden. Wer etwas verunsichert am Handlauf die Treppe abwärts steigt oder wer - ohne sich zunächst am Handlauf festzuhalten - hier ins Straucheln kommt, braucht einen festen Halt, auf den er sich stützen kann.
Es dient in erster Linie dem Zweck der Unfallverhütung, wenn in DIN 18040-1 bis -3 an dieser Stelle eine genau definierte Handlaufgestaltung verlangt wird, und zwar mit einer Muss-Bestimmung: Die Handlauf-Enden müssen "am Anfang und Ende der Treppenläufe (z. B. am Treppenpodest) noch mindestens 30 cm waagerecht weiter geführt werden" (in der ergonomisch korrekten, von der Norm eindeutig geforderten Höhe). Jene Sicherheitsforderung ist nicht neu, sondern findet sich bereits in Normen von 1992, 1996 und 1998.

Skizze mit Handlaufvarianten
Abb. 6 zeigt die korrekte Gestaltung (a) und häufig begangene Fehler (b bis e)

Korrekte Gestaltung

  • a) nach DIN 18040-1 bis -333:
    (1) und (2) - Die Handlaufenden werden am Anfang und Ende der Treppenläufe noch mindestens 30 cm waagerecht weiter geführt.
    (3) und (4) - Die Höhe des Handlaufs beträgt 85 bis 90 cm, "gemessen lotrecht von Oberkante Handlauf zu Stufenvorderkante oder OFF Treppenpodest/ Zwischenpodest." (5) Nicht in der Norm geregelt, aber selbstverständlich: Der Handlauf hat die gleiche Neigung wie die Treppe.

Fehlerhafte Handlauf-Gestaltungen, die beobachtet werden können:

  • b) Der Handlauf endet unten zu früh, nämlich genau über der untersten Treppenstufenkante.
  • c) An dieser Stelle beginnt das waagrechte Stück und ist damit unergonomisch viel zu hoch (Höhe ca. 105 cm).
  • d) Die waagrechten Stücke fehlen; der Handlauf bricht jeweils senkrecht nach unten ab.
    Wer bei einer Gestaltung nach b) bis d) beim Abwärtssteigen unten ins Straucheln gerät (d. h. dort, wo die meisten Treppenunfälle sich ereignen!), hat kaum eine Chance, am Handlauf einen sicheren Halt zu finden.

Problem: Sichtbarkeit der Stufenkanten

Dass sehbehinderte Menschen im Vergleich zu gut sehenden Menschen zwei- bis dreimal so häufig auf Treppen stürzen, zeigt nicht nur die besondere Gefährdung und Schutzbedürftigkeit dieses Personenkreises, sondern lässt gleichzeitig erkennen, dass die gute Sichtbarkeit von Treppen - nicht nur für behinderte Menschen - einen wesentlichen Sicherheitsaspekt darstellt. Seit Jahrzehnten sind daher Bemühungen um möglichst sicher erkennbare Stufen zu beobachten.
Dazu drei Beispiele:

A) In mehreren aufeinander folgenden, stets weiter verfeinernden Tests wurden Treppenläufe mit unterschiedlichen Kantenmarkierungen versehen. Sehbehinderte, hochgradig sehbehinderte sowie nicht behinderte Menschen beurteilten dann die Sicherheit der jeweiligen Gestaltungen.
Als optimal sichernd ergab sich dabei die folgende Gestaltung:

  • 4 bis 5 cm breite Markierungen reichen jeweils bis zur Treppenstufenkante (und sind nicht einige Zentimeter zurückgesetzt!). Die Markierungen sollen die Kante umschließen.
  • Markiert sind alle Treppenstufen (und nicht nur die oberste und unterste!)

B) Wissenschaftler trugen u. a. psychologische Aspekte zusammen, die für ein sicheres Begehen von Treppen von Bedeutung sind und schlossen daraus, wie Treppen optimal sichtbar gemacht werden können. Als am besten sichernd wurde dabei die folgende Gestaltung empfunden:

  • Markierungen reichen jeweils bis zur Treppenstufenkante
  • Markiert sind alle Treppenstufen

(...)

Der vollständige Fachbeitrag "Treppen sicher gestalten!" steht hier zum Downloaden bereit.

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Dipl. Päd.
Dietmar Böhringer

71229 Leonberg

Beauftragter für barrierefreies Gestalten des Verbandes für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik (VBS).

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