Ferienhaus für Menschen mit Behinderung

Living in a Box

Entwurf von Claudia Thiere


FerienhausBei den Recherchen zu diesem Projekt, habe ich einen blinden Mann, Herrn Schtschepik aus Trier, und eine stark sehbehinderte Frau, Frau Remmy aus Ittel interviewt. Frau Remmy ist auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge sieht sie nur noch 2-5%. Sie orientiert sich vor allem an farblichen Kontrasten. Herr Schtschepik und Frau Remmy nehmen ihre Umgebung über Gerüche, verschiedenartige Bodenbeläge und Geräusche war. Deshalb wünschen sie sich Orientierungshilfen wie geruchsintensive Pflanzen, sinnvoll eingesetzte verschiedenartige Bodenbeläge und erfühlbare Symbole, die z.B. mit einem bestimmten Raum in Verbindung gebracht werden können. Für sie ist es auch besonders wichtig überall Musik und Hörkassetten hören zu können.

Zusätzlich habe ich mich, durch eine eigene Rollstuhltour und Gesprächen mit den Betroffenen aus dem Behindertenverband Trier, mit den Bedürfnissen von Rollstuhlfahrern intensiv auseinander gesetzt.

Das Ferienhaus wurde für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen, vor allem aber für blinde und sehbehinderte Menschen sowie für Rollstuhlfahrer entworfen, da diese Personen ähnliche Anforderungen an ihre Wohnumgebung stellen. Sie sollen dort eine möglichst angenehme, erholsame und auch gefahrenfreie Urlaubszeit verbringen.

Das Ferienhaus soll am Rande einer kleinen Stadt in der Provence (Frankreich) liegen. Es könnte Teil einer Ferienwohnsiedlung sein. Der Eingang liegt zur Straße hin. Rechts und links der Eingangsrampe sind Kornblumen gepflanzt. Das ist eine für die Provence typische Pflanze, die dem Haus einen Duft zuordnen soll. So können sich blinde Menschen leichter daran orientieren. Die andere Seite des Hauses öffnet sich mit der Terrasse und den Fenstern zum Wald hin.

Das Haus wird aus 4 Containern zusammengesetzt, die je 15m² Wohnfläche besitzen. So wird ein schneller Aufbau und eine klare Raumaufteilung ermöglicht. Vom Flur aus gelangt man zur Rechten in die Küche mit unterfahrbarer Küchenzeile und Essplatz. Arbeitsplatte und Wände werden mit einem besonders leicht zu reinigendem Material überzogen.

WohnzimmerVon der Küche kommt man weiter, ins Wohnzimmer. Dort befindet sich, abgetrennt durch einen Raumteiler, ein "Hörraum", in dem eine Musikanlage sowie sämtliche CD's und Hörkassetten vom Sessel aus in Reichweite liegen. Die Musikanlage lässt sich über eine Drehscheibe im Raumteiler auch zum Sofa drehen. Hinter dem Schrankensemble verbirgt sich, hinter mattierten Plexiglas, eine Leuchtwand. Per Fernbedienung kann sie jegliche Farben annehmen. Somit können viele verschiedene Stimmungen erzeugt werden und jeder Sehbehinderte kann die Farbe auswählen, die für ihn angenehm und gut sichtbar ist. Durch das mattierte Plexiglas wird jegliche Blendung vermieden und der Raum gleichmäßig ausgeleuchtet.

Die Terrasse ist durch eine ebenerdige Tür vom Wohnzimmer aus erreichbar.


BadVom Flur aus links, gelangt man zunächst ins Bad. Dort befinden sich linkerhand ein unterfahrbarer Waschtisch und ein drehbarer Spiegelschrank. An diesen kann man direkt herangehen, so dass sich auch Personen mit starker Sehbehinderung schminken können. Ebenso befindet sich dort eine Liegebadewanne mit seitlichem Einstieg, die besonders für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine fahrbare Toilette mit einem flexiblen Abflussrohr (Sonderanfertigung, die aber leicht umzusetzen ist). Dadurch wird sie für jeden Rollstuhlfahrer nutzbar. Sinnvoll eingebaute Regale ersetzen optisch unattraktive Haltegriffe. Daneben befindet sich eine ebenerdige Runddusche, dessen Türen an Schienen aufgehängt sind. Rote Armaturen setzen für Sehbehinderte wichtige Kontraste. Der Fußboden wird, durch das Einsetzen kleinteiliger Fliesen rutschfest. An den Wänden wird auch hier, außer im absoluten Nassbereich, ein leicht zu reinigender Wandbelag eingesetzt.

Vom Bad aus gelangt man schließlich ins Schlafzimmer, dessen Schrankwand unterfahrbar und beleuchtet ist. Neben dem Bett befinden sich Nachttische, auf denen auch ein Radio oder eine Musikanlage Platz finden. Von hier führt ebenfalls eine Tür auf die Terrasse. So besteht die Möglichkeit, vom Wohnzimmer, über die z.T. überdachte Terrasse, direkt ins Schlafzimmer zu gelangen.

Sämtliche Türen haben eine lichte Breite von einem Meter. Ausgenommen der Eingangstür, befinden sich überall Schiebetüren. Sie sind weitestgehend in die gleiche Richtung zu öffnen. Die Eingangstür wird automatisch per Knopfdruck geöffnet. Vor, zwischen und nach jeder Tür markieren in den Boden eingearbeitete Teppichstreifen diese.

Ansonsten ist grundsätzlich Korkboden verlegt, um den Schall zu mindern, und um herabfallende Gegenstände abzufedern. Sitzgruppen werden durch einen, leicht zu reinigenden grauen Teppichboden gekennzeichnet.

Sitzmöbel und Armaturen heben sich durch ihre auffällige Eigenfarbe (rot) hervor. Ebenso werden Türen und Möbel an den Rändern farblich abgesetzt. Sämtliche Ecken und Kanten, der Ahorn furnierten Möbel, sind abgerundet und werden so zum Gestaltungsmittel. In jede Tür ist der Anfangsbuchstabe des Raumes eingefräst, in den sie führt (z.B. "B" für Bad).

Der Wendekreis für Rollstuhlfahrer (1.50 x1.50m) wird in allen Räumen berücksichtigt.

Sämtliche farblichen Kontraste, die klare Strukturierung der Räume und andere eingebaute Hilfsmittel sollen sowohl behinderten als auch nicht behinderten Menschen helfen, sich eigenständig in der neuen Umgebung zurechtzufinden.


Die Präsentation des Entwurfs stieß auf sehr gute Resonanz bei den Betroffenen. Sie waren vor allem auch begeistert von dem sorgfältig ausgearbeiteten Modell, das durch das Material, laut Frau Remmy, "sehr angenehm zu erfühlen ist".

Frau Dipl. Ing. Innenarchitektur Sandra Grimm, Leiterin des Projekts an der FH Trier: "Sämtliche Entwürfe sind realistisch und lassen sich umsetzen". Frau Grimm ist davon überzeugt, "dass der Workshop auch Barrieren in den Köpfen beseitigt hat".



Anfrage zur Baufinanzierung

Bitte füllen Sie diese Anfrage nur aus, wenn Sie innerhalb der nächsten 6 Monaten eine wirkliche Bauabsicht haben.

Zusatzinfo

Ziel des Workshops:

intensive Auseinandersetzung mit bestimmten Behinderungen z.B. durch Interviews mit den Betroffenen oder persönliches Nachempfinden der Behinderungen
In enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen wurde so eine für sie zweckmäßige Wohn-Oase entworfen, die zum Wohlfühlen einlädt.Herr Schtschepik aus Trier, Frau Remmy aus Ittel


Herr Schtschepik und Frau Remmy

Rot ist eine Signalfarbe, die zugleich zum Handeln anregt und helfen kann, Trägheit und Depressionen zu überwinden

Korkboden ist wunderbar dazu geeignet, die Akustik in Räumen zu verbessern. Dies ist besonders wichtig für Menschen , deren Gehör wegen anderen Defiziten umso stärker ausgebildet ist. Außerdem verleiht er dem Raum eine gewisse Wärme.

Leuchtwand

Leuchtwand

Ausführliche Informationen zur Leuchtwand und Fragen zu Ihrer Arbeit beantwortet Claudia gern per Email.

Weiterbildung

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