Demenz - Zuhause Wohnen?

Demenz ! Zuhause Wohnen?

Bei dementiell erkrankten Menschen sollte die Wohnraumanpassung so unauffällig und behutsam wie möglich erfolgen.


Das Lebenskonzept vieler älterer Menschen basiert darauf, dass Sie ihren Lebensabend in Ihrer vertrauten Umgebung verbringen wollen.
Dieses Konzept kann bei Erkrankungen des Alters ins Wanken geraten, insbesondere bei einer Demenzerkrankung.
Eine Wohnraumanpassung kann den Verbleib in der Wohnung/ Haus mit zunehmendem Alter, trotz einer Erkrankung oder Behinderung ermöglichen.

Doch wie sieht das bei dementiell erkrankten Menschen aus?

Diagnosen die zu einer Aufnahme im Pflegeheim führen:

Demenz:  50%
Apoplektischer Insult:  ca. 16 %
Schenkelhalsbruch:  ca. 12 %

Wie kann eine Wohnraumanpassung aussehen, die ermöglichen soll, dass ein dementiell erkrankter Mensch so lange wie möglich in seiner vertrauten Umgebung bleiben kann?

Definition

Das Wort Demenz stammt aus dem lateinischen "Dementia" das soviel bedeutet wie "Ohne Verstand"/ "Ohne Geist".

Mit Demenz werden Störungen bezeichnet in den Bereichen:

  • Gedächtnisleistung
  • Sprache
  • Orientierungsvermögen
  • Motorische Handlungsfähigkeit
  • Lesefähigkeit
  • Rechenfähigkeit
  • Verhaltens

Die Störungen sind derart ausgeprägt, dass der betroffene Mensch in seinen Aktivitäten des alltäglichen Lebens sichtbar eingeschränkt ist.

Die Hauptmerkmale der Demenz sind:

  • Verminderte Merkfähigkeit. Das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen.
  • Aphasie (Sprachstörungen): hier können alle Sprachbereiche gestört sein. Der Betroffene findet das passende Wort nicht (Wortfindungsstörungen) oder er spricht gut, versteht jedoch wenig oder gar nicht, was er selbst sagt und/oder was andere sagen.
  • Apraxien (Störungen in der Organisation von Bewegungen, aber auch bei dem Gebrauch konkreter Gegenstände, die nicht chronologisch, logisch ausgeführt werden können, obwohl die Bewegungsfähigkeit und Handlungselemente intakt sind). Die uns bekanntesten Situationen sind:
    • der dementiell erkrankte Mensch ist beim Anziehen hilflos. Ins Hemd schlüpft er verkehrt rum, das Unterhemd bereitet ihm Schwierigkeiten weil er mit dem Kopf durch das Ärmelloch will.
    • Kaffeekochen kann zu Misserfolgen führen. Wasser wird ausgesetzt, Kaffeepulver wird direkt in die Tasse geschüttet, heißes Wasser wird in die Kaffeedose gegossen. Der Betroffene zögert, nimmt Löffel und rührt in der Kaffeedose rum.
  • Agnosie (Störung im Erkennen von Objekten). Ein Gegenstand wird wahrgenommen, gesehen oder gehört, doch wird er nicht als solcher erkannt. Der Betroffene kann beispielsweise einen Schlüssel nicht benennen und kennt seine Verwendung auch nicht. Nimmt er den Schlüssel in die Hände, so weiß er um seine Bedeutung und kann ihn auch benennen.
  • Störung der Exekutivfunktionen. Planen, organisieren, Reihenfolgen einhalten ist nicht möglich.

Wohnraumanpassung

Bei dementiell erkrankten Menschen sollte die Wohnraumanpassung so unauffällig und behutsam wie möglich erfolgen.

Vertraute Gegenstände sollten erhalten bleiben, weil: Bekannt ist vertraut.
Das, was dem Menschen vertraut ist, dient ihm zur Orientierung und nimmt ihm auch einen Teil seiner Hilflosigkeit und Angst.

Ziele der Anpassung sollten sein:

  • Wahrung der Autonomie
  • Förderung der Selbstständigkeit
  • Erhalt und Förderung der Lebensqualität
  • Individuelle Fähigkeiten und Vorlieben erhalten und fördern
  • Abneigungen berücksichtigen
  • Förderung der Ressourcen
  • Entlastung von Angehörigen und Pflegepersonal

Bei der Wohnraumberatung ist es wichtig, sich bewusst zu sein, dass unterschiedliche Ursachen für Demenz bestehen und von daher auch unterschiedliche Folgeerscheinungen existieren. Die Symptome der Demenz vom Alzheimer Typ sind andere, als die der vaskülaren Demenz.

Eines haben alle Demenzformen gemeinsam:

Die Unfähigkeit der Selbsteinschätzung, Gefahren rechtzeitig zu erkennen.

Die Mobilität, sowie der Bewegungsdrang können völlig unterschiedlich sein.
Deshalb müssen die unterschiedlichen Bedürfnisse berücksichtigt werden:

  • Ausreichender Bewegungsraum z.B. im Garten, die dem gesteigerten Bewegungsdrang Raum bietet, aber ein Entschwinden des Menschen verhindert.
  • Bei Weglauftendenzen sollte der Ausgang gesichert werden, unter Berücksichtigung der individuellen Freiheit.
  • Klare Raumstrukturen: Klare Gestaltungsansätze vermindern die optischen Halluzinationen.
  • Durchgängige Strukturen durch klare Farben und Konturen. Keine verschwommenen Grenzen, wegen Visuseinschränkung und Abnahme der Farbwahrnehmung.
  • Warme und helle Töne verwenden, sie beugen der Reizüberflutung vor. Gelber Ton vermittelt Weite und Fröhlichkeit. Blau, Violett und Grün wirken beruhigend.
  • Sichtbare Bodenmarkierung an Grenzen zu Stufen oder Übergänge zu anderen Räumen.
  • Rutschsicherer, glatter und blendfreier Bodenbelag.
  • Stufenmarkierung und beidseitiger Handlauf am besten aus Holz, um geringe Temperaturunterschiede zu ermöglichen. Dieser niedrige Temperaturunterschied schafft eine angenehme Greifatmosphäre.
  • Beschilderung der Toilettetür. Die Tür sollte leicht zu öffnen sein, auch von außen, gerade bei Inkontinenz sehr wichtig.
  • Nachtlichter zur Kennzeichnung zum WC.
  • Tragen von Kleidung die leicht zu öffnen sind.
  • Türen allgemein durch individuelle Symbole oder Fotos hervorheben.
  • Türen die nicht benötigt werden aushängen.
  • Stolperfallen beseitigen, um Stürze zu vermeiden, gerade bei unsicheren kleinschrittiger Gang.
  • Lautes Türschließen vermeiden.
  • Giftige Pflanzen entfernen.
  • Zur Wahrung der Autonomie kann der Besitz kleinerer Geldbeträge förderlich sein.

Die oben erwähnten Möglichkeiten zeigen die Komplexität der Anforderungen an die Wohnraumanpassung für demenziell erkrankte Menschen.

Die Versorgung mit Hilfsmittel muss individuell unter Berücksichtigung der Ressourcen und Defizite, vor allem auch der persönlichen Wertvorstellungen und des Veränderungspotenzials erfolgen.

Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln wie z.B. Herdsicherung, Wasserflussregler, Bewegungsmatten etc. kann die Sicherheit erhöhen und ermöglicht somit den Betroffenen länger in seiner vertrauten Umgebung zu bleiben.

Um eine optimale Wohnraumanpassung zu gewährleisten, müssen die räumlichen Begebenheiten, Bedürfnisse, Wünsche, Fähigkeiten und Einschränkungen der Betroffenen und ihrer Angehörigen berücksichtigt werden.

Mit den Zielen:

  • Der Wohnraum soll ein Leben in Würde und sozialer Integration fördern.
  • Die bestmögliche Betreuung unter Berücksichtigung ihrer Würde als Menschen.

Mabel Diaz Villarroel©
Staatlich anerkannte Ergotherapeutin
Wohnraumberaterin

Autorinfo

Optiwohn Mabel Diaz Villarroel, B.Lenninghausen GbR

Expertenseite

Zusatzinfo

Heute sind in Deutschland 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer erkrankt. In jedem Jahr kommen 200.000 Alzheimer-Patienten hinzu.

Insgesamt werden 80 Prozent des Risikos für eine Alzheimer-Erkrankung genetischen Einflussfaktoren zugeschrieben.

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