Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR

Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR)

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) konkretisieren die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Sie haben sukzessive die Arbeitsstätten-Richtlinien zur alten Arbeitsstättenverordnung von 1975 abgelöst.
Nur die ASR 7/1 "Sichtverbindung nach außen" und die ASR 25/1 "Sitzgelegenheiten" wurden bisher vom ASTA nicht überarbeitet. Diese ASR sind mit Jahresbeginn 2013 ungültig geworden (vgl. Übergangsfrist in der ArbStättV § 8 Absatz 2).

Auf der Grundlage des § 7 Abs. 4 der Arbeitsstättenverordnung gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales neu ermittelte Regeln für Arbeitsstätten im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) bekannt. Diese ASR geben dem Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene entsprechende Regeln und sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten wieder.

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Zur Zeit wird u.a. eine ASR für Barrierefreie Arbeitsstätten erarbeitet.

Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR)

Gegenüberstellung Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR und Arbeitsstätten-Richtlinien
ASR Bezeichnung Ersatz
A1.2
Ausgabe:
September 2013
Raumabmessungen und Bewegungsflächen  
A1.3
Ausgabe:
Februar 2013
Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung ASR A1.3 GMBl 2007, S. 674
A1.5/1,2
Ausgabe:
September 2013
Fußböden  
A1.6
Ausgabe:
Februar 2015
Fenster, Oberlichter, lichtdurchlässige Wände ASR 8/4 Lichtdurchlässige Wände
A1.7
Ausgabe:
April 2014
Türen und Tore ASR 10/1 Türen und Tore
ASR 10/5 Glastüren, Türen mit Glaseinsatz
ASR 10/6 Schutz gegen Ausheben, Herausfallen und Herabfallen von Türen und Tore
ASR 11/1-5 Kraftbetätigte Türen und Tore
A1.8
Juni 2016
Verkehrswege ASR 17/ 1,2 Verkehrswege
ASR 18/ 1-3 Fahrtreppen und Fahrsteige
ASR 20 Steigeisengänge und Steigleitern
A2.1
April 2014
Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen ASR 8/5 Nicht durchtrittsichere Dächer
ASR 12/1-3 Schutz gegen Absturz und herabfallende Gegenstände
A2.2
April 2014
Maßnahmen gegen Brände ASR 13/1,2 Feuerlöscheinrichtungen
A2.3
April 2014
Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan ASR 17/1,2 Verkehrswege in Bezug auf die Gestaltung der Fluchtwege und Notausgänge; Empfehlung des BMAS zur Aufstellung von Flucht- und Rettungsplänen nach § 55 Arbeitsstättenverordnung
V3* Entwurf Gefährdungsbeurteilung  
V3a.2
Juni 2016
Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten
ASR-V3a-2 | Anhänge
 
A3.4
Ausgabe:
April 2014
Beleuchtung ASR 7/3 Künstliche Beleuchtung
ASR 41/3 Künstliche Beleuchtung für Arbeitsplätze und Verkehrswege im Freien
V3.7* Entwurf Lärm  
A3.4/3
April 2014
Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme ASR 7/4 Sicherheitsbeleuchtung
A3.5
April 2014
Raumtemperatur ASR 6 Raumtemperaturen
A3.6
Ausgabe:
Februar 2013
Lüftung ASR 5 Lüftung
A4.1
Ausgabe:
September 2013
Sanitärräume
ASR A4.1 Sanitärräume
ASR 34/1-5 Umkleideräume
ASR 35/1-4 Waschräume
ASR 35/5 Waschgelegenheiten außerhalb von erforderlichen Waschräumen
ASR 37/1 Toiletten
A4.2
April 2014
Pausen- und Bereitschaftsräume ASR 29/1-4 Pausenräume
ASR 31 Liegeräume
A4.3
April 2014
Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe;
Ergänzung GMBl 2011 S. 1090 [Nr. 54]
ASR 38/2 Sanitätsräume
ASR 39/1, 3 Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe
A4.4
April 2014
Unterkünfte
A5.2* Entwurf Straßenbaustellen  
* Entwurf

ASR V3a.2 Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten vom August 2012

"Eine barrierefreie Gestaltung der Arbeitsstätte ist gegeben, wenn bauliche und sonstige Anlagen, Transport- und Arbeitsmittel, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische, visuelle und taktile Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen für Beschäftigte mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind (in Anlehnung an § 4 des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen - BGG)." (ASR V3a.2, 2014, S. 3)

Diese ASR V3a.2 konkretisiert im Rahmen des Anwendungsbereichs die Anforderungen der Verordnung über Arbeitsstätten.

ArbStättV § 3a Abs. 2

Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten

Beschäftigt der Arbeitgeber Menschen mit Behinderungen, hat er Arbeitsstätten so einzurichten und zu betreiben, dass die besonderen Belange dieser Beschäftigten im Hinblick auf Sicherheit und Gesundheitsschutz berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere für die barrierefreie Gestaltung von Arbeitsplätzen sowie von zugehörigen Türen, Verkehrswegen, Fluchtwegen, Notausgängen, Treppen, Orientierungssystemen, Waschgelegenheiten und Toilettenräumen.

SGB IX § 71 sagt hierzu:

(1) Private und öffentliche Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich monatlich mindestens 20 Arbeitsplätzen im Sinne des § 73 haben auf wenigstens 5 Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Dabei sind schwerbehinderte Frauen besonders zu berücksichtigen. Abweichend von Satz 1 haben Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich monatlich weniger als 40 Arbeitsplätzen jahresdurchschnittlich je Monat einen schwerbehinderten Menschen, Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich monatlich weniger als 60 Arbeitsplätzen jahresdurchschnittlich je Monat zwei schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen.

Die ASR V3.2 Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten beinhaltete im Juni 2016 sieben Anhänge:

  • Anhang A1.3: Ergänzende Anforderungen zur ASR A1.3 "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung"
  • Anhang A1.6: Ergänzende Anforderungen zur ASR A1.6: "Fenster, Oberlichter, lichtdurchlässige Wände"
  • Anhang A1.7: Ergänzende Anforderungen zur ASR A1.7 "Türen und Tore"
  • Anhang A1.8: Ergänzende Anforderungen zur ASR A1.8 "Verkehrswege"
  • Anhang A2.3: Ergänzende Anforderungen zur ASR A2.3 "Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan"
  • Anhang A3.4/3: Ergänzende Anforderungen zur ASR A3.4/3 "Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme"
  • Anhang A4.4: Ergänzende Anforderungen zur ASR A4.4 "Unterkünfte"

Mitte 2011 hat die Projektgruppe Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten einstimmig beschlossen, dass alle ASR auf die besonderen Belange der beschäftigten Menschen mit Behinderungen zu überprüfen sind.

Es ist geplant, die folgenden Anhänge mit aufzunehmen:

  • Anhang ASR A1.2: Raumabmessungen und Bewegungsflächen
  • Anhang ASR A1.5/1,2: Fußböden
  • Anhang ASR A2.1: Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen
  • Anhang ASR A2.2: Maßnahmen gegen Brände
  • Anhang ASR A3.4: Beleuchtung
  • Anhang ASR A3.5: Raumtemperatur
  • Anhang ASR A3.6: Lüftung
  • Anhang ASR A4.1: Sanitärräume
  • Anhang ASR A4.2: Pausen- und Bereitschaftsräume
  • Anhang ASR A4.3: Erste Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur ersten Hilfe
  • Anhang ASR A4.4: Unterkünfte
Übersicht Stand 22.06.16

Pflichtarbeitsplätze

Arbeitgeber sind verpflichtet, bei der Besetzung freier Stellen zu prüfen, ob sie insbesondere bei der Agentur für Arbeit gemeldete schwerbehinderte oder ihnen gleichgestellte Menschen darauf beschäftigen können (§ 81 SGB IX). Gleichzeitig regelt das SGB IX, dass die Arbeit der Behinderung angepasst wird. Dazu gehört u.a. dass schwerbehinderte Menschen einen Anspruch auf eine Beschäftigung haben, bei der sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse möglichst voll verwerten können sowie die Ausstattung ihres Arbeitsplatzes mit den erforderlichen technischen Arbeitshilfen.

Alle privaten und öffentlichen Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind verpflichtet, wenigstens fünf Prozent davon mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen (§ 71 SGB IX).

Für jeden nicht mit einem schwerbehinderten Menschen besetzten Pflichtarbeitsplatz ist eine Ausgleichsabgabe zu zahlen, deren Höhe sich nach der Zahl der besetzten Pflichtarbeitsplätze richtet. Die Ausgleichsabgabe soll die Arbeitgeber zur vermehrten Einstellung schwerbehinderter Menschen veranlassen. Aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe werden die Leistungen der Integrationsämter und der Agenturen für Arbeit für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen finanziert.

Ausgleichsabgabe zum 1. Januar 2016

Zum 1. Januar 2016 beträgt die Ausgleichsabgabe monatlich je unbesetzten Pflichtarbeitsplatz wie folgt:

  • 125 Euro bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigungsquote von drei Prozent bis weniger als fünf Prozent
  • 220 Euro bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigungsquote von zwei Prozent bis weniger als drei Prozent
  • 320 Euro bei einer jahresdurchschnittlichen Beschäftigungsquote von weniger als zwei Prozent

Erleichterungen gibt es für kleinere Betriebe bzw. Dienststellen: Arbeitgeber mit

  • jahresdurchschnittlich weniger als 40 Arbeitsplätzen müssen einen schwerbehinderten Menschen beschäftigen; sie zahlen je Monat 125 Euro, wenn sie diesen Pflichtplatz nicht besetzen;
  • jahresdurchschnittlich weniger als 60 Arbeitsplätzen müssen 2 Pflichtplätze besetzen; sie zahlen 125 Euro, wenn sie weniger als 2 Pflichtplätze besetzen, und 220 Euro, wenn weniger als 1 Pflichtplatz besetzt ist.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Auf die Frage der Inklusion behinderter Arbeitnehmer in Arbeitsstätten antwortet das Büro des Behindertenbeauftragten am 29.07.2010:

Eine wirkliche Inklusion würde bedeuten, dass Arbeitsstätten von vornherein Barrierefreiheit aufweisen und nicht erst extra hergerichtet werden müssen, wenn der Arbeitgeber in Betracht zieht, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen. Dies würde auch im Einklang stehen mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Art. 27 der Konvention). Die Hemmschwelle, Menschen mit Behinderungen einzustellen, wäre dann auch wesentlich geringer. Daher tritt der Behindertenbeauftragte dafür ein, dass im Zuge der Erarbeitung eines Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Konvention auch die Arbeitsstättenverordnung entsprechend umgestaltet wird.

Antwortschreiben Büro des Behindertenbeauftragten

Zusatzinfo

Arbeitsunfallgeschehen 2012

  • Meldepflichtige Arbeitsunfälle: 969.860
  • Neue Arbeitsunfallrenten: 17.403
  • Tödlich Arbeitsunfälle: 677

Quelle: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2012 - Unfallverhütungsbericht Arbeit

Anwendung

Der Arbeitgeber kann nach § 3 Abs. 1 der ArbStättV von der Arbeitsstättenregel abweichen und durch andere gleichwertige Maßnahmen, die die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz der Beschäftigten gewährleisten, die Verordnung einhalten. Von der Wirksamkeit der gewählten Maßnahmen hat er sich im Zuge der Gefährdungsbeurteilung zu überzeugen. Er braucht - wenn er die ASR nicht berücksichtigt - keine Behörde fragen oder etwa einen Antrag stellen. Auf Verlangen hat der Arbeitgeber aber der zuständigen Behörde im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht nach § 22 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) darzulegen, warum er die anderweitig gewählte Maßnahme für gleichermaßen geeignet hält.

Quelle: baua.de

Übrigens:

Eine "inklusive Gesellschaft" lässt Ausgrenzungen nicht zu, eine Teilung der Gesellschaft in Menschen mit und ohne Behinderung wird nicht akzeptiert.

Bedarfsgerechte Auslegung und Ausstattung von Sanitärräumen

baua-pdf-Datei, 18 MB

Sanitärräume - zumindest in Form von Toilettenräumen - sind in allen Arbeitsstätten zu finden. Deren bedarfsgerechte Auslegung und Ausstattung ist demzufolge eine Notwendigkeit für alle Arbeitsstätten.

Tipps

Arbeitsplätze

Arbeitsplätzeergonomische und höhenverstellbare Arbeitstische und Arbeitsstühle

Arbeitsplatzgestaltung

ArbeitsplatzgestaltungBüromöbel, Computer-Hilfsmittel

Beleuchtung

BeleuchtungLicht für bessere Arbeitsplätze - und weniger Fehlzeiten

Rettungsstuhl

RettungsstuhlSchutz im Brandfall in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden zur Evakuierung mobilitätseingeschränkter Personen.

Treppenraupen

TreppenraupenSelbstfahrer-Treppenraupen und Treppenraupen, die eine Bedienperson erfordern

Treppenraupe 360°

Treppenraupe 360°mit 360-Grad-Wende auf der Stelle für gerade Treppen mit Zwischenpodesten und Wendepodesten

Hersteller/ Produkte

Hersteller/ ProdukteHier finden Sie Firmen, die im Zusammenhang der baulichen Anforderungen der DIN 18040 und weiteren relevanten Richtlinien, ihre Leistungen anbieten.
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