Bodenindikatoren im öffentlichen Verkehrsraum |
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Bodenindikatoren im öffentlichen Verkehrsraum![]() Dortmund. Gut erkennbar: Blindenquerung liegt „kreuzungsfern“ (kurze Querungsstrecke, eher rechtwinklig zum Bord, damit sicherer für blinde Menschen); Rollstuhl-/Rollatorquerung liegt „kreuzungsnah“ (geradlinig, kräfteschonend für Menschen im Rollstuhl bzw. mit Rollator) (Foto: Nieft) Noch immer erntet man fragende Blicke, wenn der Begriff "Bodenindikatoren" in einem Gespräch fällt: Wie sehen sie aus? Wozu dienen sie? Wo findet man sie? Eine erste Information liefert die Definition in der Norm DIN 32984, die im Oktober 2011 sozusagen in zweiter grundlegend überarbeiteter Auflage erschienenen ist: "Bodenindikator: Bodenelement zur Information, Orientierung, Leitung und Warnung für blinde und sehbehinderte Menschen mit einem hohen taktilen, visuellen und gegebenenfalls akustischen Kontrast zum angrenzenden Bodenbelag." Der Aufbau der DIN 32984 folgt den strengen Vorgaben des Normungsinstituts:
Ein relativ ausführliches Literaturverzeichnis schließt die Norm ab. Strukturen der Bodenindikatoren![]() Rippenstruktur: Trapezförmiger Querschnitt; möglichst breite Täler, möglichst schmale Rippen Im vierten Kapitel, in dem es um die Anforderungen an Bodenindikatoren geht, werden die Strukturen dargestellt. Es würde nicht wundern, wenn sie bei einem umfangreichen internationalen Test-Vergleich Bestnoten bekämen: Die Rippenstrukturen haben keinen sinusförmigen Querschnitt mehr, sondern einen trapezförmigen und die Rippen haben einen wesentlich breiteren Abstand voneinander als bisher. Eine Tabelle nennt jeweils Mindest- und Höchstmaße für Rippenbreite, Talbreite und Rippenhöhe, getrennt für Innen- und Außenbereiche [Kap. 4.2.2]. ![]() Noppenstruktur: Üblicherweise Kegelstümpfe bei diagonaler Anordnung Die Noppenstrukturen werden detailliert beschrieben: im Hinblick auf den Abstand der Noppen voneinander sowie auf Größe und Form der Noppen. Es sind üblicherweise Kegelstümpfe; sie können aber auch als Kugelkalotten oder – wenn sie z. B. aus Natursteinen herausgefräst werden - viereckig in Form von Pyramidenstümpfen gestaltet sein [Kap. 4.2.3]. Großer Wert wird darauf gelegt, dass die Strukturen auch wirklich gut erkennbar sind – schließlich machen Bodenindikatoren nur dann Sinn, wenn sie von blinden Menschen genutzt werden können. So ist es eine elementare Grundvoraussetzung, dass der angrenzende Bodenbelag "planeben und möglichst fugenlos oder engfugig" ist. Sollte der für die umgebende Fläche vorgesehene Belag diese Voraussetzungen nicht erfüllen, sind "Begleitstreifen" erforderlich, die mindestens 60 cm, bei "Auffindestreifen" und "Sperrfeldern" 90 cm breit sein sollten. Dieser Aspekt ist so wichtig, dass bei sämtlichen Zeichnungen, die Vorschläge für das Verlegen von Bodenindikatoren machen, der Satz eingefügt wurde: "Neben allen Bodenindikatorflächen sind, falls erforderlich, Begleitstreifen anzuordnen". Optische KontrasteBodenindikatoren spielen auch für sehbehinderte, insbesondere für hochgradig sehbehinderte Menschen, eine wichtige Rolle. Daher wird in einem ausführlichen Kapitel der DIN 32984 die visuelle Erkennbarkeit behandelt [Kap. 4.3]. Dazu gehört:
Bodenindikatoren im VerkehrsraumIm fünften und sechsten Kapitel wird eine Vielzahl von Situationen, die im öffentlich zugänglichen Raum blinden und sehbehinderten Menschen kenntlich gemacht werden soll, dargestellt und erläutert. Ein großer Teil der 46 einfachen, aber anschaulichen Normzeichnungen bezieht sich auf diesen Aspekt. Daraus ein Beispiel: Querungsstellen mit differenzierter Bordhöhe[Kap. 5.3.3] Diese neu in die Norm aufgenommene Gestaltung ist z. B. in skandinavischen Ländern schon lange üblich. Es ist zu hoffen, dass mit dieser Lösung auch in Deutschland ein alter Interessenkonflikt ausgeräumt werden kann: Die aktuelle "Bordstein-Kompromisshöhe" von 3cm ist nämlich einerseits zu hoch - viele Rollstuhl- und Rollatornutzer können sie nicht bewältigen oder sie verursacht ihnen Schmerzen beim "Darüberhoppeln"; sie ist andererseits zu niedrig, weil diese "Minikante" (die in der Realität sehr oft noch deutlich niedriger als empfohlen ausfällt) von vielen blinden Menschen kaum oder nicht zu ertasten ist, was lebensgefährlich werden kann.
Richtungsfeld[Kap. 5.3.1] Noch wenig geläufig ist jene spezielle Stocktechnik, die man benötigt, um hier die Querungsrichtung abnehmen zu können: Wenn der pendelnde Stock den Anfang des Richtungsfeldes erreicht hat, muss der blinde Mensch kurz anhalten und den Stock den Rippen entlang vor und zurück schieben. Dies ist eine nahe liegende und einfache Technik, die in Berlin wohnende blinde Menschen in der Regel beherrschen, da dort Richtungsfelder seit Jahrzehnten Standard sind. Wer außerhalb Berlins wohnt, muss diese Technik u. U. noch lernen. Querungsstelle schräg zum Bord![]() Querungsstelle schräg zum Bord (hier: Fußgängerüberweg mit 3cm-Bordhöhe) Die Zeichnungen der alten Norm stellten alles rechtwinklig dar. In der Realität verlaufen Querungen aber häufig schräg zur Bordsteinkante; der "Auffindestreifen" kann dann oft nicht in der Richtung der Querungsstelle über den Gehweg gezogen werden. Die Straßenbauer hatten in diesen Fällen Probleme, eine sinnvolle Lösung zu finden und konstruierten manchmal ziemlich Unbrauchbares. Die neue Norm liefert nun für derartige Situationen klare Hinweise. Einstiegsfeld![]() Straßenbahnhaltestelle auf Mittelinsel, erreichbar über eine "Querungsstelle mit differenzierter Bordhöhe" [Kap. 5.4.1 ff.] Einstiegsfeld mit Rippenstruktur, parallel zu den Gleisen bzw. zu der Bordsteinkante verlegt. Dass Einstiegs- und Sperrfeld nicht mit Noppen gebaut werden (wie dies gegenwärtig noch teilweise praktiziert wird), ist wichtig, und zwar aus dreierlei Gründen:
Aufmerksamkeits- bzw. Abzweigefelder an der Bahnsteigkante![]() Mittelbahnsteig einer U- oder S-Bahnstation. In der Realität sind die Abzweigungen weiter voneinander entfernt. [Kap. 5.5.2] Sie sind wegen ihrer Doppelfunktion von herausragender Bedeutung: Einerseits gewährleisten sie, dass ein blinder Mensch, der der Bahnsteigkante entlang geht, die Abzweigung zu einer Treppe oder zu einem Aufzug sicher findet. Noch wichtiger aber ist der Sicherheitsaspekt: Wer von der Bahnsteigmitte her kommt, wird rechtzeitig vor der gefährlichen Absturzkante gewarnt. Der vollständige Fachbeitrag "Bodenindikatoren im öffentlichen Verkehrsraum" steht hier zum Downloaden bereit.Download mit Login Bodenindikatoren nach DIN 32984 (ca. 1.669 kB) |
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