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Taktiles Leitsystem Wien

Tastbares ("taktiles") Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte gemäß ÖNORM V 2102 installiert.

Wien (AS prm, 2010-01-08)

Taktiles Bodenleitsystem Wien
Der Weg in die Wand ist kein Schildbürgerstreich, er hilft Sehbehinderten, sich leichter zu orientieren.

Seit mehr als einem Jahr wird der Wiener Praterstern, einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Bundeshauptstadt, umgebaut. Mit der Fertigstellung wurde auch ein neues tastbares ("taktiles") Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte installiert.

Die Ausführung erfolgte dabei gemäß der seit Jahren bewährten ÖNORM V 2102-1. Damit ist Austrian Standards - zusätzlich durch den Einbau weiterer Aufzüge in den U-Bahn- und S-Bahnstationen - barrierefrei erreichbar.

Ein Weg in die Wand?

Diskussionen verursachte die Tatsache, dass das taktile Bodenleitsystem direkt in die Wand eines Nachbargebäudes von Austrian Standards führt. Ein Schildbürgerstreich? "Keineswegs", wie Ing. Günther Ertl, Inhaber des Technischen Büros für Verkehrstechnik in Wien und Experte im zuständigen Komitee von Austrian Standards Institute, als Betroffener betont.

Ing. Ertl erklärt die Anordnung der Leitlinien gegenüber CONNEX so:

"Blinde Menschen tasten sich üblicherweise mit dem Langstock entlang von Hausmauern. Wenn nun eine Richtungsänderung (in diesem Fall zum U-Bahn-Abgang) erforderlich ist, wird gemäß der Norm eine so genannte Auffanglinie im rechten Winkel zur Gehrichtung angeordnet. Da jedoch Blinden-Leitlinien in beiden Richtungen begangen werden, kann für Nicht-Experten natürlich der Eindruck eines Schildbürgerstreichs entstehen. Blinde Menschen müssen aber alle ihre Wege kennenlernen und sind dann beim Ertasten der quer stehenden Hauswand in der Lage, die Information, rechts oder links abbiegen und an der Wand entlang gehen, aufzunehmen und die gewünschte Richtung (z. B. rechts abbiegen zu Austrian Standards) einzuschlagen."

Bibliographie

ÖNORM V 2102-1 Technische Hilfen für sehbehinderte und blinde Menschen - Taktile Bodeninformationen - Teil 1: Für Wege in Baulichkeiten und im öffentlichen Raum bei Fahrgeschwindigkeiten bis max. 80 km/h

Leseprobe

Taktile Kennzeichnung von Schutzinseln und Fahrbahnteilern (ÖNORM V 2101-1)

Bild 24 - Ausführungsbeispiele barrierefreier Schutzwege für blinde und sehbehinderte Menschen und für RollstuhlfahrerInnen

Fußgängerübergang
Skizze Fußgängerübergang
Fußgängerübergang mit Verkehrslichtsignalanlage
Skizze Fußgängerübergang
Schutzweg schräg zur Gehsteigkante
Skizze Schutzweg
Fußgängerübergang auf Mittelinsel
Mittelinsel 2,50m breit
Skizze Mittelinsel

Durch den generellen Einsatz von taktilen Bodeninformationen ist es möglch für Rollstuhlfahrer im Bereich von Gehsteigabsenkungen bei Schutzwegen eine Rollstuhlrampe mit Nullabsenkung vorzusehen.

Die Absenkung erfolgt außerhalb des taktilen Aufmerksamkeitsfeldes, darf nur bei Schutzwegen errichtet werden und ist immer im Anschluss an den Kreuzungsbereich anzuordnen.

Rollstuhlrampen mit Nullabsenkung dürfen nur in Verbindung mit einem taktilen Aufmerksamkeitsfeld für Sehgeschädigte errichtet werden. Im Bereich des Aufmerksamkeitsfeldes muss die Randsteinhöhe mindestens 3cm betragen.

[Quelle: ÖNORM V 2101-1 Copyright: Austrian Standards Institute (www.as-institute.at)]

Autorinfo

Austrian Standards Institute

Herr Dr. Johannes Stern

Österreich-1020 Wien

043 1 213 00-317

Austrian Standards Institute Themencenter Barrierefrei

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