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Praxiswissen Brandschutz - Fachbuch Seniorenwohnen

Praxiswissen Brandschutz - Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen

Von Bert Wienecke

Cover des Fachbuchs Senioren- und Pflegeeinrichtungen: Praxiswissen Brandschutz von Bert Wienecke

Angesichts der alternden Bevölkerung und eines anhaltenden Bedarfs an Pflegeeinrichtungen stellen Senioreneinrichtungen heute und in Zukunft ein wichtiges Aufgabenfeld für Architekten und Ingenieure dar.

Moderne Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen sollen für die überwiegend demenzkranken Bewohner so viel Normalität wie möglich bieten. Dieser pflegerische Ansatz steht im Widerspruch zu den üblichen Anforderungen des Brandschutzes und führt bei Planung, Bau und Betrieb vielfach zu Konflikten.

Der Leitfaden erläutert Ihnen Hintergründe einer sinnvollen Planung der Brandschutztechnik und legt Ihnen die technischen Aspekte insoweit dar, wie es für Sie als planenden und bauüberwachenden Architekt und Ingenieur relevant ist. Hierdurch ersparen Sie sich mühsame Recherchen in den umfangreichen und weit verstreuten technischen Regelwerken.

Anhand von konkreten Beispielen und anschaulichen Grafiken zeigt Ihnen der Autor Bert Wienecke Lösungsmöglichkeiten auf und gibt Ihnen klare Handlungsempfehlungen, die Sie unmittelbar in die Praxis umsetzen können. Spätere Umplanungen und Zusatzkosten durch teure technische Lösungen, wie sie häufig in der Praxis aufgrund von Nichtbeachtung der brandschutz­technischen Planungsgrundsätze anzutreffen sind, vermeiden Sie so.

Leseprobe

4. Brandschutzmaßnahmen im Detail

4.2. Türen und Türtechnik

4.2.8 Türsicherungen

Notausgangstüren werden in Pflege- und Betreuungseinrichtungen häufig mit Türsicherungen ausgestattet, um zu verhindern, dass demente Bewohner das Gebäude unbemerkt verlassen. Schon die unauffällige Farbgestaltung einer Tür in Wandfarbe verhindert häufig, dass demente Bewohner den Ausgang erkennen. Dies kann bewusst dazu genutzt werden, um Türen, die von Bewohnern nicht genutzt werden sollen (z. B. Türen zu reinen Flucht­treppenhäusern, Türen zu Funktionsräumen), "unsichtbar" zu machen.

Notausgangstüren müssen jederzeit in Fluchtrichtung leicht und ohne Hilfsmittel geöffnet werden können. Die Türen dürfen daher nicht abgeschlossen oder verriegelt werden. An Notausgangstüren dürfen nur Türsicherungen verwendet werden, die hierfür zugelassen sind und sicherstellen, dass die Tür im Notfall jederzeit geöffnet werden kann.

Die einfachste Form der Türsicherung ist ein akustisches Signal, das beim Öffnen der Tür erklingt. Hierfür ist lediglich ein Melderkontakt notwendig. Hierdurch wird jedoch das tatsächliche Verlassen des Gebäudes nicht verhindert.

Als einfache Nachrüstmöglichkeit bieten sich batteriegepufferte Türwächter an, die unter dem Türdrücker montiert werden. Hierbei handelt es sich um autarke Geräte mit Zulassung zur Verwendung in Fluchtwegen. Eine Funkvernetzung verschiedener Türwächter ist möglich. Es sind keine besonderen Vorbereitungen wie ein Stromanschluss oder ein elektrischer Türöffner erforderlich. Durch Betätigen des Türdrückers wird der Türwächter ausgelöst und gibt ein Warnsignal ab. Der Türwächter wird mittels Schrauben an der Notausgangstür befestigt. Handelt es sich dabei um eine Brandschutztür, wird eine Montageplatte auf das Türblatt aufgeklebt, damit die Tür nicht beschädigt wird.

Türzentrale eines elektrischen Ver­riegelungssystems in einem Rettungsweg: Die Zentrale besteht aus einer beleuchteten Nottaste, einem Schlüsselschalter sowie dem grünen Hinweisschild. (GEZE Türtechnik GmbH)
Abb. 4.28 Türzentrale für Notausgangtür (© GEZE GmbH)

Anstelle von auf der Tür aufgebrachten Türwächtern können die Türen mit elektrischen Verriegelungssystemen ausgestattet werden. Bei der Installation ist die "Richtlinie über elektrische Verriegelungssysteme von Türen in Rettungswegen" (EltVTR) zu beachten.

Elektrische Verriegelungssysteme bestehen mindestens aus folgenden Komponenten:

  • Steuerung mit Stromversorgung
  • Nottaste
  • elektrische Verriegelung nach dem Ruhestromprinzip

Eine elektrische Verriegelung hält die Tür gemäß Abschnitt 2.4 EltVTR zusätzlich zu den üblichen mechanischen Schlössern geschlossen.

Systeme zur Verriegelung von Rettungswegen müssen nach dem Ruhestromprinzip arbeiten. Das bedeutet, dass die Tür bei Freischaltung, Notentriegelung oder Stromausfall ohne Verzögerung freigegeben wird.

Das Öffnen der Tür über den normalen Drücker ist bei aktiver Verriegelung nicht möglich. Damit die Notausgangstür in Notfall geöffnet werden kann, muss unmittelbar neben der Tür eine beleuchtete Nottaste vorhanden sein, die die Tür bei Betätigung freigibt. Auf die Nottaste muss gemäß Vorgabe der EltVTR mit einem grünen Hinweisschild aufmerksam gemacht werden.

Der Nottaster wird i.d R. mit einem Schlüsselschalter, über den die Funktion des Verriegelungssystems gesteuert wird, zu einer Türzentrale zusammengefasst.

Türzentralen bieten verschiedenste Anschlussmöglichkeiten. Neben der Freigabe der Tür über die örtliche Nottaste ist auch eine Ansteuerung über die Brandmeldeanlage möglich.

Bei elektrischen Verriegelungssystemen wird die Tür über ein Verriegelungselement sicher zugehalten. Hierzu stehen

  • Flächenhaftmagnete (kraftschlüssig wirkende Verriegelung),
  • Fluchttüröffner (formschlüssig wirkende Verriegelung),
  • Sicherheitstürschließer (zur Nachrüstung von Brandschutztüren)

zur Verfügung.

Hinweis: Schlüsselkasten an Notausgangstüren unzulässig

Der früher häufig zu findende rote Kasten neben der Tür, in dem sich der Schlüssel der Notausgangstür befindet, ist an Notausgangstüren seit dem "Schlüsselkastenurteil" des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) vom 17.06.1992, Az. 1 B 55/92 verboten:

"Lässt sich eine Tür nur mit einem Schlüssel öffnen und ist dieser ohne Verletzungsgefahr nur dadurch zu erreichen, dass man die Frontscheibe eines Schlüsselkastens mit einem Werkzeug einschlägt, so entspricht die Tür nicht den Anforderungen des § 10 Abs. 7 ArbStättV."

Bei dem separaten Schlüssel handelt es sich um ein "Hilfsmittel", das verloren gehen kann. Das Verwenden eines Schlüssels bereitet in Notsituationen häufig Schwierigkeiten.

Hinweis

Brand- und Rauchschutztüren müssen gemäß Zulassung immer durch die Falle des Schlosses verriegelt werden. Elektrische Verriegelungssysteme dürfen daher nur zusätzlich zum mechanischen Schloss verwendet werden.

Haftmagnete bestehen aus einem Elektrohaltemagnet (Flächenhaftmagnet) und einer metallischen Haftgegenplatte. Sie werden im Sturz- oder oberen Türbereich angeordnet und halten die Tür durch Magnetkraft geschlossen. Durch Unterbrechung der Stromversorgung wird die Verriegelung aufgehoben. Üblicherweise wird die Haftgegenplatte auf dem Türblatt befestigt. Dies ist bei Brandschutztüren nur zulässig, sofern dies in der Zulassung der Tür vorgesehen ist. Der Haltemagnet benötigt eine Kabelverbindung zur Nottaste und eine Stromversorgung und wird daher zweckmäßigerweise im Bereich des Türsturzes oder der Türzarge angeordnet. Der Haltemagnet kann auch unterhalb des Türsturzes (z. B. in der Türleibung) angeordnet werden. Bei dieser Anordnung reduziert der Haltemagnet die lichte Höhe des Türdurchgangs, sodass diese Montageart nur bei ausreichender Türhöhe zulässig ist.

Fluchttüröffner sind Verriegelungen, die in die Türzarge und das Türblatt eingebaut werden. Hierbei handelt es sich, im Gegensatz zu Haftmagneten, um eine unsichtbare Form der Verriegelung.

Fluchttüröffner bestehen aus einem Einsteckfallenschloss im Türblatt sowie einem Ruhestromtüröffner in der Zarge. Im Normalfall wird die Falle vom Türöffner festgehalten. Bei einer Unterbrechung der Stromversorgung gibt der Türöffner die Falle frei. Die Tür lässt sich wieder öffnen.

Mittlerweile werden auch selbstverriegelnde Panikschlösser angeboten, in denen anstelle des üblichen Riegels eine Zusatzfalle als Gegenstück zum Fluchttüröffner eingebaut ist (elektrisch verriegelndes Panikschlosssystem). Hierdurch können sowohl das mechanische Panikschloss als auch die elektrische Türverriegelung in einer Standardschlossaussparung eingebaut werden. Dies hat insbesondere bei der Nachrüstung von Türen große Vorteile.

Notausgangstüren ins Freie, die mit einer elektrischen Türverriegelung ausgerüstet sind, sollten immer mit selbstverriegelnden Panikschlössern ausgestattet werden. Hierdurch ist sichergestellt, dass die Tür auch bei Stromausfall versicherungstechnisch verschlossen ist.

Expertentipp

Eine Nachrüstung von Fluchttüröffnern ist bei Brandschutztüren nur möglich, wenn die Tür bereits werkseitig hierfür vorgerüstet worden ist.

4.2.9 Notausgangstüren

Notausgangstüren müssen jederzeit in Fluchtrichtung ohne weitere Hilfsmittel einfach geöffnet werden können. Die Türen müssen daher auf der Innenseite mit einem Drücker ausgerüstet werden. Bei Pflege- und Betreuungseinrichtungen müssen verschließbare Türen, die sich im Verlauf eines Fluchtweges befinden, mit Notausgangsverschlüssen nach DIN EN 179 "Schlösser und Baubeschläge – Notausgangsverschlüsse mit Drücker oder Stoßplatte für Türen in Rettungswegen – Anforderungen und Prüfverfahren" ausgestattet werden. Die Ausrüstung mit Panikverschlüssen nach DIN EN 1125 "Schlösser und Baubeschläge – Paniktürverschlüsse mit horizontaler Betätigungsstange für Türen in Rettungswegen – Anforderungen und Prüfverfahren" ist nicht notwendig.

Sollen Türen von beiden Seiten begangen werden (z. B. Türen zum Treppenraum), erhalten die Türen beidseitig einen Drücker.

Innerhalb des Gebäudes kann häufig darauf verzichtet werden, dass derartige Türen verschließbar sind. Nicht verschließbare Türen benötigen keine Schlösser mit Notausgangsfunktion. Türen, die nur in einer Richtung genutzt werden sollen (z. B. Notausgangstüren ins Freie), werden häufig mit einer Wechselgarnitur ausgestattet. In Fluchtrichtung ist ein Drücker vorhanden, an der Außenseite ist die Tür mit einem feststehenden Knauf versehen. Der Zugang von außen ist nur mit einem Schlüssel möglich (Wechselfunktion E). Bei Türen mit beidseitigen Drückern gibt es verschiedene Schlossfunktionen, die sich darin unterscheiden, wie die Tür nach Benutzung von außen geöffnet werden kann (Umschaltfunktion B, Schließzwangfunktion C oder Durchgangsfunktion D).

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Zusatzinfo

Aus dem Inhalt

  • 1. Bauen für eine alternde Gesellschaft
  • 2. Anforderungen und rechtliche Grundlagen
  • 3. Brandschutzkonzeption
  • 4. Brandschutzmaßnahmen im Detail
    • 4.1 Trennwände und Brandabschnitte
    • 4.2 Türen und Türtechnik
    • 4.3 Treppen und Treppenräume
    • 4.4 Notwendige Flure
    • 4.5 Aufzüge
    • 4.6 Brandmeldung und Alarmierung
    • 4.7 Sicherheitsbeleuchtung
  • 5. Praxisbeispiele

Türöffner und -schließer für Behinderten-Toiletten

Tipps

Rettungsschlauch

RettungsschlauchSchnelle und sichere Evakuierung für unterschiedliche Personengruppen unabhängig von Körpergröße oder Alter.

Brandschutzkonzepte

 BrandschutzkonzepteSicheres Evakuieren durch ENS-Systeme

Taktiles Blindenleitsystem

Taktiles BlindenleitsystemBlindenleitsystem aus Kunststoff für den dauerhaften oder temporären Gebrauch im Innenbereich und außen.

Funk Rauchmelder

Funk RauchmelderFunkrauchmelder ist mit Blitzlicht-/ Blinkanlagen/ Vibrationskissen verbunden und weckt so auch in der Nacht.

Modulare Rampen, Stufen-, Schwellenrampen

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Autom. TürsystemeDrehtürantriebe
Freilauftürschließer
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