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Hoteleinrichtung, Handbuch

Auszug aus dem Handbuch "Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin"

Öffentlich zugängliche Gebäude, Grundlagen und Beispiele



Leseprobe

Ausgewählte Nutzungseinrichtungen

5.3. Hoteleinrichtungen

Barrierefrei zugängliche Hotelzimmer wurden auf der Grundlage der Berliner Gaststättenverordnung geplant. Bei Neubauten wurde für 10 % der Zimmer barrierefreie Zugänglichkeit gefordert. Mit Inkrafttreten des Gaststättengesetzes ab 01.07.2005 unterliegen Beherbergungsbetriebe nicht mehr diesem Regelungsbereich. Die Vorschrift ist damit entfallen. Ziel ist es, die 10 %-Regelung in die geplante neue Betriebsverordnung (siehe Änderung Zusatzinfo 10.10.2007) aufzunehmen.

Ein Hotel ist nutzungsgerecht für alle Gäste zu gestalten. Dabei ist dem Integrationsgedanken ein hoher Stellenwert zuzuordnen, denn kein Gast möchte besonders auffällig oder betroffen erscheinen. Das Nutzungsangebot soll sich so normal wie möglich und für jeden individuell erschließen.

Die baulichen Grundvoraussetzungen sollen besonders im Neubau geschaffen werden, allerdings bleiben entsprechende Serviceleistungen unumgänglich und sind in geeigneter Weise vom Betreiber zu berücksichtigen. Auch unter den Marktbedingungen einer zunehmenden und aktiven Gästeklientel der zweiten Lebenshälfte gestaltet sich ein gut durchdachtes Hotelkonzept mit entsprechenden Gestaltungsmomenten in dieser Hinsicht sinnvoll.

Empfohlene Maßnahmen:

Rezeption
Frei nach Hotellobby "Courtyard by Marriott"

Die für Gäste vorgesehenen Funktionsbereiche einer Hotelanlage sind barrierefrei zu gestalten. Sie sind sowohl auf Nutzer mit eingeschränkten motorischen als auch sensorisch -kognitiven Bedürfnissen auszurichten.

Grundsätzlich sind die Anforderungen an Funktionsbereiche und Funktionselemente wie sonst auch in öffentlich zugänglichen Gebäuden umzusetzen.

Das betrifft:

  • Erschließung
  • Parken
  • Eingang, Rezeption
  • Lobby
  • Konferenz-und Gastronomiebereiche, Selbstbedienungsbereiche
  • Öffentliche Sanitärbereiche
  • Wellness-und Sportbereiche
  • Außenanlagen
  • horizontale/vertikale Erschließung
  • Orientierung
  • Beleuchtung.

Weitere, für Hotelanlagen spezifische Kriterien:

Barrierefrei zugängliche Gästezimmer

Die Vielschichtigkeit der unterschiedlichen Nutzeranforderungen soll Berücksichtigung finden. Komplizierte Projektbedingungen, bei dem Grundstückszuschnitt oder der Etagenanzahl - auch in Bezug auf Betreiberkonzepte - erfordern planerische Anpassungen. Auf Grund der differenzierten Anforderungen werden meist Varianten notwendig. Das betrifft z.B. die Größe der Bewegungsflächen oder der Duschflächen bzw. die Anordnung von Bedienelementen sowie Ausstattungen. Die Grundanforderungen der Barrierefreiheit sind dennoch sicherzustellen.

Unter Berücksichtigung sehbehinderter oder blinder Gäste ist auf eine kontrastreiche Gestaltung der Zimmer zu achten. Besonders Türen und Bedienelementen sind entsprechende Aufmerksamkeit in der Gestaltung zu schenken. Sanitärraume sollten in dieser Hinsicht besondere Betonung erhalten. Sind z.B. in den Bewegungsraum hineinragende Ausstattungen unvermeidbar, so sind diese optisch und taktil zu markieren.

Für Familien oder Gäste mit Begleitpersonen sind Grundrisslösungen mit intern untereinander verbundenen Zimmern sinnvoll.
Auch Allergikern ist gezielte Aufmerksamkeit zu schenken. Das betrifft insbesondere die Materialien der Einrichtung, Teppiche, Wäsche u.a. Hörbehinderten Gästen können z. B. spezielle Telefonzusatzgeräte angeboten werden.

TV- Geräte mit Videotext ermöglichen es der Hotelleitung, z.B. Informationen jeglicher Art sowohl visuell als auch akustisch an die Gäste zu vermitteln ( z.B. Veranstaltungskalender, Speisekarte, Offerten, Rettungsanweisungen etc.)

Zugang zum Gästezimmer (allgemeine Informationen siehe Kapitel II, 3.1.)

Bedienelemente zum Öffnen der Tür, wie z.B. Chipkarten oder andere Kontrollsysteme sind auf eine Höhe von 0.85 bis 1,05 m auszurichten. Sie sind taktil und kontrastreich zu gestalten. Sind Türspione geplant, so ist auch ein Angebot für Rollstuhlbenutzer bzw. für Kleinwüchsige oder Kinder vorzusehen (Höhe 1,20 m). Zur Türöffnung bei Drehflügeltüren sind neben dem Türblatt (Griffseite) mind. 0,50 m Abstand zur Wand oder zu Ausstattungen frei zu halten. (siehe Kapitel II, 4.5.) Zimmertüren müssen aus Rettungsgründen von außen zu öffnen sein.

Akustische Signalgeber für Notfälle sind unter Berücksichtigung hörbehinderter Gäste auch optisch zu übermitteln.

Bewegungsfläche

Der Gestaltung barrierefreier Zimmer ist eine Bewegungsfläche von 1,50 x 1,50 m zu Grunde zu legen (Kapitel II, 3.2.). Diese ist im Eingangsbereich, neben einem Bett und vor Schränken und Fenstern sowie im Sanitärraum nachzuweisen. Zur optimalen Grundrissgestaltung können sich Bewegungsflächen überlagern.

Die Zimmerangebote können variieren, sodass sich die Flächenforderungen bei einem Teil der barrierefrei zugänglichen Zimmer auf ein funktionell notwendiges Maß reduzieren lassen. Basis bleibt die standardisierte Grundfläche eines Rollstuhles und dessen notwendiger Aktionsraum.

Ausstattung

Garderobe:

  • kein einschränkendes Mobiliar
  • zusätzliche Kleiderhaken oder -stangen in Bedienhöhe und Handhabung für Rollstuhlbenutzer, ev. mobiles Möbelstück

Bedienelemente:

  • z.B. Klimaanlage, Garderobe, Ablage in 0,85 m Höhe und 0,50 m von der Ecke entfernt
  • taktile und kontrastreiche optische Merkmale beachten
  • automatischer Antrieb mittels Fernbedienung (kontrastreich, taktil)

Schränke

sollten mit den Fußstützen des Rollstuhls unterfahrbar (Höhe 0,30 m) bzw. seitlich anfahrbar sein und über ausziehbare Funktionsteile verfügen. (alternativ: offene Regalteile, mobile Nachttische)

Steckdosen

sind in Höhe von mindestens 0,40 m OKF, bis maximal 0,85 m hoch vorzusehen. Optimale Höhe für Hotelbetten sind 0,50 m. Noch günstiger sind Betten mit verstellbarer Höhe.

Arbeitsplätze, Kitchenetten

Bei der Planung von Arbeitsplätzen, Kitchenetten u.ä. sind diese im unmittelbaren Spül- und Kochbereich unterfahrbar zu gestalten (Höhe 0,70 m; Breite 0,90 m).

Fenster

siehe Kapitel II, 4.6.

Notruf

Notrufeinrichtungen sollten im Sanitärraum und in Nähe des Bettes erreichbar sein. (Höhe maximal 0,20 m über OKF) Eine optisch auffällige Gestaltung versteht sich von selbst. Ein transportables Notrufgerät ist möglich.

Sanitärraum

unterfahrbares Waschbecken

allg. Anforderungen siehe Kapitel II, 3.8.)

Das allgemeine Ambiente des Hotels sollte trotz der konkreten Ausstattungserfordernisse beibehalten werden. Einer kontraststarken Gestaltung des Sanitärraumes ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken (Tür, Ausstattungsgegenstände, Armaturen, Bedienelemente, Sanitärraumtür). Bei der allgemein üblichen Aufschlagrichtung der Sanitärraumtür zum Eingangsbereich (Flur) wird aus funktionellen Gründen der Aufschlag in Richtung Eingangstür und die Öffnung zur Zimmerseite angeordnet.

Dusche / Wanne: Neben der bodengleichen Dusche sollte das Wannenbad nicht gänzlich vernachlässigt werden. Es bietet sich der Einbau einer Wanne z.B. bei zusammenschließbaren Zimmern an.

WC- Becken: Beidseitige Umsteigeflächen neben dem WC-Becken sind anzustreben. Kompensation kann mit wechselseitigem Rechts - Links -Angebot geschaffen werden.

Waschtisch: z. Z. beliebte Ausführungen von oben aufgesetzten Waschbecken können die Anforderungen nicht erfüllen. Bei Eckwaschtischen muss ggf. die Armatur seitlich installiert werden. Höhenverstellbare Waschtische bieten z.B. unter Berücksichtigung von Familien mit Kindern oder Kleinwüchsigen ein sinnvolles Angebot.

Armaturen sind als Einhebelmischer zu konzipieren. Temperaturbegrenzer sind unbedingt zu empfehlen.

Stütz- und Haltegriffe können bei Verwendung entsprechender Montagehalterungen variabel nach Bedarf eingesetzt werden.

Rettungswege

(Kapitel II, 3.3)

Informationen zur Rettung im Gefahrenfall sind in optischer und akustischer Form in Zimmern und an der Rezeption vorzuhalten. (z.B. Rauchmelder mit Blitz, persönliche Einweisungen) Eine Belegung der barrierefreien Zimmer ausschließlich mit Rollstuhlbenutzern erfordert besondere Maßnahmen im Rettungsfall. Die Verteilung der Zimmer für Rollstuhlfahrer in vertikaler Anordnung (übereinander) gewährleistet im Gefahrenfall besser die Selbstrettung in geschützte Bereiche (Wartezonen). Dazu gehören geeignete Aufstellflächen in geschützten Bereichen oder der Wechsel in einen anderen Brandabschnitt oder andere technisch gleichwertige Lösungen.
Richtungweisende Markierungen, Signale und Beleuchtungen sollen den Rettungsweg leicht erfassbar gestalten.

Service

Um die Ausstattung der Gästezimmer möglichst individuell gestalten zu können, sind neben den baulichen Erfordernissen u.a. Serviceangebote wichtig. Einige bauseitige Ausstattungen in mobiler Form bieten Vorteile und sollten entsprechend vorgehalten werden.
Dazu zählen z.B.:

  • Duschhocker / Duschstuhl
  • aufsteckbare Haltegriffe
  • Toilettensitzerhöhungen
  • Umsetzhilfen (z.B. Lifter für Bett und Badewanne)
  • Telefon mit optischer Anzeige oder mit zentralem Orientierungspunkt auf Taste "5". Der Telefonhörer soll über eine Telefonspule verfügen. So ist gewährleistet, dass Hörgeräteträger über die Induktionsspule ihres Hörgerätes telefonieren können.
  • Faxgerät
  • Fernbedienungen mit geeigneter Tastatur, (kontraststark, farbig, ausreichend groß, und taktil)
  • ggf. Abstellplatz für Wechselrollstühle mit Auflademöglichkeit für Rollstuhlbatterien.

Einweisungen und Erläuterungen sollten auch in schriftlicher Ausführung bzw. auf akustischen Tonträgern hinterlegt werden.
Beispiele:

  • Erläuterungen zu Funktionsbereichen oder Zimmeraufbau mit
  • Bedieneinrichtungen (technische Ausstattung, Geräte, Klimaanlage, Telefon, Notruf ect.)
  • Rettungswege
  • Angebote der Gastronomie

Hinweise

Neben technischen Hilfsmitteln gibt es unterschiedliche Verhaltensregeln, wie Hotelpersonal unauffällig und problemlos mit Gästen, deren motorische, sensorische oder kognitive Fähigkeiten nicht voll ausgebildet sind, umgehen kann. Betroffenenverbände geben dazu gern entsprechende Hinweise oder Schulungen, um so eine barrierefreie Kommunikation/ Umgang für angenehme Hotelaufenthalte zu ermöglichen.

Folgendes verdient dabei besondere Aufmerksamkeit:

  • Reiseplanung
  • Barrierefreier Internetauftritt sowie Anmeldemöglichkeiten
  • Barrierefreier elektronischer Eincheck
  • Informationen zur Infrastruktur am Standort
  • zu barrierefreien Wegen in der Umgebung (Wanderwege) gilt:
  • a) zum ÖPNV, digitalisierter Stadtplan mit GPS -System
  • b) zu Parkplatzangeboten
  • c) zu barrierefreien Attraktionen der Kultur
  • d) zu medizinischen Einrichtungen

Antwort auf Anfrage eines Surfers zu barrierefreien Empfangsmöglichkeiten mittels Induktiver Schallübertragung

"Die Problematik Hörbehinderungen bzw. Akustische Anforderungen an Räume wird im Handbuch "Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin" in den Kapiteln I, 2.1.2. sowie II, 1.4. behandelt.
Besondere Anlagen für hörbehinderte Nutzer werden derzeitig nur für große Räume/Hallen u.ä. gefordert.
Sollten hier Änderungen erforderlich werden, so wird das Problem vorgemerkt und in einer überarbeiteten Auflage entsprechend korrigiert."



Autorinfo

Logo: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

10707 Berlin

Zusatzinfo

Das Handbuch "Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin" wurde 2007 veröffentlicht. Es ist gegen eine Schutzgebühr von 5,00 Euro erhältlich.

Broschüre bestellen

Barrierefreies Planen und Bauen in Berlin

aus dem Inhalt

KAPITEL I ALLGEMEINE GRUNDLAGEN

  1. Allgemeines
  2. Anthropometrische Grundlagen
  3. Gesetzliche Grundlagen

KAPITEL II ÖFFENTLICH ZUGÄNGLICHE GEBÄUDE

  1. Allgemeine bauliche Anforderungen zur Barrierefreiheit
  2. Erschließung
  3. Funktionsbereiche in Gebäuden
  4. Bauliche Funktionselemente
  5. Ausgewählte Nutzungseinrichtungen

Vorschrift zur Anzahl von barrierefreien Zimmern in Beherbergungsstätten

Verordnung über den Betrieb von baulichen Anlagen
(Betriebs-Verordnung - BetrVO)

§ 16 Barrierefreie Räume
Mindestens zehn Prozent der Beherbergungsräume müssen barrierefrei sein.

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