Portugal - Lissabon barrierefrei?

Portugal - Lissabon barrierefrei für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen.

Sebastian Engelmann
Praktikant in Lissabon, Winter 2006

Ausblick auf den Fluss Tejo
Ausblick auf den Fluss Tejo

"Lissabon - du schöne!" Diesen Ausdruck hört man von vielen Besuchern und Einwohnern der Stadt. Ich befinde mich hier schon seit zwei Monaten und habe die Stadt auf verschiedene Weise kennen lernen dürfen. Wenn die Sonne im Westen untergeht, man den Blick auf den Fluss Tejo gerichtet hat und ein Glas Weißwein, einen Bica (ein Espresso) trinkt, oder vielleicht einfach nur auf einen der zahlreichen Aussichtsplattformen - Miradoures auch genannt - verweilt, dann kann man nur zu recht sagen, "Lissabon - du schöne".

Abgesehen von einer geringen Kurzsichtigkeit - habe ich keine körperliche Beeinträchtigung und kann damit die Stadt ohne weitere Probleme erkunden. Doch wie sieht es aus für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen?

Portugal gehört zur Europäischen Union und hat sich damit verpflichtet nach der "Charta der Grundrechte der Europäischen Union" Artikel 26 "Integration von Menschen mit Behinderung" diese anzuerkennen und ein selbständiges Leben für Menschen mit Behinderung zu gewährleisten.

Doch wie sieht die Realität aus?

Mittlerweile gibt es eine Initiative, gegründet auf die Erfahrungen eines körperlich behinderten Architekten, die sich dafür einsetzten die Gebäude mit behinderten gerechten Standards zu versehen. Die meisten Gebäude verfügen über Rampen und Fahrstühle, die deren Zugang ermöglichen. Maßnahmen nach dem "Zwei-Sinne-Prinzip" sind mir aber dabei nicht wirklich aufgefallen. In der Hinsicht muss noch einiges getan werden.

Lissabon ist berühmt für ihr/sein faszinierendes Mosaikpflaster welches auf den meisten Gehsteigen verlegt ist. Die verwendeten Materialien sind auf Kalk- und Basaltstein basierend. Die meisten Wege schlängeln sich auf kleinen Gassen steil die Hügel auf und ab. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, wenn man die Gerüche und Düfte aufnimmt und die Umgebung, die meist einen Blick auf Den Fluss Tejo freigibt wahrnimmt.


Lissabon, Borde ohne AbsenkungLissabon, bergaufLissabon, Baustelle

Jedoch entsprechen die Gehsteige keinen DIN-Normen - wie auch, die mittelalterliche Struktur gibt die Größe der Straßen und Gehsteige vor. Auch für einen Menschen ohne Behinderung bedarf es einige Zeit sich an die Unebenheit des Bodens zu gewöhnen.
Manchmal fehlen Pflastersteine, Straßenarbeiten werden ungesichert für den Fußgänger durchgeführt oder Barrieren in den Weg gestellt.
Das selbständige überqueren einer Straße für einen Rollstuhlfahrer ist meist nicht möglich, da abgesenkte Bordsteine meist nicht existieren bzw. der Unterschied zwischen Straßen- und Gehsteigebene mehr als 3 cm beträgt.

Wie ich vorhin schon erwähnt habe sind die Gehsteige, insbesondere in der gesamten Innenstadt Lissabons nicht für Rollstuhlfahrer geeignet. Für Menschen im Rollstuhl gibt es deshalb hier spezielle Transporte, die sie von einem zum anderen Ort transportieren.

Einige Ampelanlagen sind für sehbehinderte Menschen ausgestattet, jedoch nur bezüglich der Licht- bzw. Lautsignale. Noppenplatten oder andere Bodenindikatoren habe ich hier bisher noch nicht wahrgenommen. Die meisten Sehbehinderten Menschen in Lissabon sind meist in Begleitung unterwegs.

Der öffentliche Personen-Nahverkehr ist in keiner Weise auf Menschen mit Behinderungen sensibilisiert. Der Unterschied zwischen Bussebene und Gehsteig bzw. Busstation beträgt ca. 20 cm.
Es haben 21 von insgesamt 41 Metro Stationen behindertengrechenten Zugang über Fahrstühle. Darüber hinaus ist die gegenwärtige Situation so, dass drei von vier körperlich Behinderten Menschen die Situation des ÖPNV als nicht tragbar ansehen und diesen nicht benutzten (Quelle: Deco).
Bei den Straßenbahnen oder auch Electricos genannt, trifft man auf das gleiche Problem wie bei den Bussen. Um in das Umland Lissabons zu reisen, z.B. an die Atlantikküste, bestehen gute Zugverbindungen. Auf den Bahnhöfen gibt es Rampen um in den Zug zu gelangen. Die Situation an den Zielorten ist jedoch ähnlich wie in Lissabon.

Normen, die eine Behindertengerechte Umwelt vorsehen, sind vorhanden, jedoch konnte mir keiner von den Professoren an der Universität weiter helfen, in wie weit man tatsächlich die Realisierung dieser vorantreibt, bzw. wo diese niedergeschrieben sind.

Die Portugiesen sind Menschen mit Behinderungen gegenüber sehr zuvorkommend, jedoch sind diese im öffentlichen Leben aufgrund der allgemeinen Bedingungen kaum wahrnehmbar.
Verschiedene Bemühungen werden gemacht um das Leben für Menschen mit Behinderungen zu vereinfachen, sei es Behindertenparkplätze, Vergünstigungen, oder die vorhin schon erwähnten speziellen Transporte. Für einen Touristen mit einer Behinderung, wenn dieser allein reist, ist Lissabon jedoch nicht zu empfehlen.

Autorinfo

Herr Dipl.-Ing.cand.
Sebastian Engelmann

Zusatzinfo

Die Informationen dieses Berichtes beruhen auf meinen eigenen Wahrnehmungen. Mit dem Thema "Behindertengerechte Umwelt" habe ich mich im letzten Jahr beschäftigt und mich für das Thema sensibilisiert, jedoch bin ich kein Experte. Daher wird es einige Punkte geben, die nicht beachtet worden sind, ich hoffe trotzdem zumindest einen Einblick geben zu können.

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