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Barrierefreies und altengerechtes Bauen

Beitrag Barrierefreies und altengerechtes Bauen

Autor: Royal_Living Antworten: 8 letzte Antwort: 2012-03-14 15:18:45 von Helga Baasch

AutorBeitrag
Beitrag
Royal_Living
erstellt:
12.03.2012 10:50:41

Barrierefreies und altengerechtes Bauen

Hallo liebe User - eure Meinung ist gefragt! :

Mich würde interessieren, was ihr zu der These sagt, dass barrierefreies Bauen ein Marketing-Gag ist, was viele Architekten und Investoren nutzen, um gerade die älteren Menschen anzulocken.

Welcher Meinung seid ihr?

Und was ist genau der Unterschied zwischen "barrierefrei" und "altengerecht", gibt es da einen?

Antworten

Beitrag
Royal_Living
erstellt:
12.03.2012 18:13:12

Kann mir keiner eine Stellungnahme geben?

Beitrag
Helga Baasch
erstellt:
13.03.2012 08:38:26

Expertenseite

Doch, ich kann:
Barrierefreies Bauen ist in der Norm DIN 18040, Teil1 und Teil 2 definiert. Die Hauptforderungen (für alle Menschen, mit und ohne Behinderungen) sind:
1.Barrierefreier Zugang zu den öffentlich zugänglichen Gebäuden, auch Wohngebäuden, und öffentlich zugänglichen Räumen, auch Wohnungen und Wohnräume. Das heißt, ein Zugang ohne Stufen und Schwellen. Höhenunterschiede müssen mittels Rampen oder Aufzügen überwunden werden.

2.Barrierefreie Nutzung der Bedieneinrichtungen in Gebäuden und Räumen. Das heißt, alle Bedieneinrichtungen müssen im Greifbereich des Nutzers liegen. Die Standardbedienhöhe beträgt 85 cm. Ein Greifbereich von 85 cm bis 105 cm ist möglich.
Für barrierefreie Wohnungen werden im Teil 2 der o.g. Norm zwei Kategorien erlaubt:
1.Kategorie Barrierefreie Wohnungen (bedingt rollstuhlgeeignet)
2.Kategorie Barrierefreie Wohnungen (R), rollstuhlgeeignet.

Der Begriff "Altengerechtes Bauen" ist nicht in einer Norm festgelegt. Ich habe in Veröffentlichungen, in denen ich mitgewirkt habe, diesen Begriff als Synonym für barrierefreie Wohnungen (bedingt rollstuhlgerecht) verwendet.

Die Anforderungen an den Begriff "altengerecht" können deshalb Fördermittelgeber, Kreditinstitute (KfW) oder Bauherren festlegen.

Beitrag
Royal_Living
erstellt:
13.03.2012 12:55:23

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Die Sache ist die, dass ich über diese These diskutieren muss, allerdings fehlen mir die nötigen Argumente, weil ich auf diesem Gebiet einfach keine Erfahrung habe.

Was ich bis jetzt sagen würde, wäre eben, dass Barrierefreies Bauen in gewisser Hinsicht zukunftsorientiertes Bauen ist und im Grunde alle Altersklassen anspricht, weil wir früher oder später auch in eine Situation kommen bzw. in das Alter, wo das Erreichen der Wohnung und auch das Erreichen von Nahversorgern und anderen täglichen Bedürfnissen schwerer wird und man so baulich versuchen muss, das Leben gerade für Hilfebedürftige und Ältere zu erleichtern. Die DIN-Normen geben uns die Grundlagen dafür und es wäre meiner Meinung auch sinnvoll, diese rechtlich zu verankern und es als Pflicht bei einem Neubau einzuführen. Zumindestens sollten die untern Wohnungen den Vorschriften der DIN-Normen entsprechen. Leider ist es aber auch so, dass dieser Begriff und alles, was dazu gehör,t gut und gerne als Strategie für die Vermarktung von Wohnprojekten genutzt wird. Häufig wissen die Leute gar nicht, was sich hinter den Begriffen "barrierefrei" und altengerecht" verbirgt. Sie fühlen sich einfach nur angesprochen und das ist das Ziel vieler Investoren. Wenn man sich die DIN-Normen anschaut, so ist es gar nicht mal so einfach, wirklich alles einzuhalten was gefordert wird. Altengerecht ist jedoch sogut wie jeder Neubau eines Wohnhauses, wenn man sich mal die Türbreiten anschaut, die Höhe der Lichtschalter, die Eingänge, die vorhandenen Aufzüge. Sprich, das hat eigentlich jedes neue Wohnprojekt. Stellt man allerdings zwei Investoren gegenüber und einer erwähnt diese Signalwörter und der andere nicht, so werden eine überwiegende Anzahl von Interessenten eher zu dem Investor gehen, der irgendwas von "barrierefrei" und "altengerecht, seniorengerecht, etc." verspricht bzw. erwähnt.

Das wäre so meine Logik der ganzen Geschichte. Und ich brauche hierzu eindeutig mehr Argumente und Kontrapunkte! :) Auch wenn es schwer ist...

Beitrag
Helga Baasch
erstellt:
13.03.2012 17:28:45

Expertenseite

Ich bin auch der Meinung, dass alle Wohnungsneubauten barrierefrei nach DIN 18040, Teil 2 errichtet werden sollten. Dazu ist es erforderlich, dass diese Norm als Technische Baubestimmung in die Länderbauordnungen aufgenommen wird. Ich habe mich bereits schon 2004 dafür eingesetzt, dass unser künftiger Wohnungsneubau barrierefrei sein muss.

Inzwischen wurde die alte DIN 18025 durch die neue DIN 18040, Teil 2 ersetzt. Ich werde nun bald meinen Beitrag unter "wissenswert" auf nullbarriere.de aktualisieren. Meine Kritik am Wohnungsneubau und meine Forderungen an den zukünftigen Wohnungsbau haben sich aber nicht verändert.

Beitrag
Royal_Living
erstellt:
14.03.2012 00:40:37

Beide Begriffe "altengerecht" und "barrierefrei" werden gerne synonym verwendet, was ja absolut nicht richtig ist.

Sinnvoll wäre wirklich das barrierefreie Bauen rechtlich zu verankern, sodass jedes zukünftige Wonhprojekt wenigstens im EG die Vorschriften der neuen Din-Norm einhält. Altengerecht sollte dann wohl eher als Abstufung zu Barrierefrei genutzt werden. Aber beides zusammen zu erwähnen finde ich nicht in Ordnung, zumal viele gar nicht wissen was das genau zu bedeuten hat.

Und warum heißt "altengerecht" eigentlich "altengerecht". Wollen wir nicht alle komfortabel Leben und ohne große Erschwernis? Warum verbindet man mit dem Wort "altengerecht" gleich die Generation 60+?

Beitrag
Helga Baasch
erstellt:
14.03.2012 13:12:02

Expertenseite

Bauen ist Ländersache. Was in den Landesbauordnungen steht, ist "Gesetz". Jedes Bundesland entscheidet, welche Anforderungen der Norm Barrierefreies Bauen als "Gesetz" übernommen werden.

... auf nullbarriere.de

Bauordnungen/ LTB

Beitrag
Royal_Living
erstellt:
14.03.2012 13:41:21

Verstehe ich das richtig, was in der hessischen Bauordnung zum barrierefreien Bauen steht, muss auch eingehalten werden? Oder ist dies nicht verpflichtend?

Und was ist mit der Landesbauordnung? Dort stehen ebenfalls Vorgaben zum barrierefreiem Bauen. Demnach muss sich doch jeder Projektplaner, der zukünftig ein Wohnobjekt errichtet, sich auch an die Vorschriften halten?

Was genau sagt die technische Baubestimmung?

"Zu DIN 18024
Die Einführung bezieht sich nur auf die baulichen Anlagen oder die Teile baulicher Anlagen, für die nach § 46 HBO barrierefreie Nutzbarkeit gefordert wird. Technische Regeln, auf die in dieser Norm verwiesen wird, sind in der Einführung nicht erfasst.

Zu DIN 18025 - 2
Die Einführung bezieht sich auf die barrierefreie Erreichbarkeit der Wohnungen nach § 43 Abs. 2 HBO und auf Wohnungen, die barrierefrei errichtet werden und auf die Zugänge zu diesen Wohnungen. Technische Regeln, auf die in dieser Norm verwiesen wird, sind von der Einführung nicht erfasst."

Das bedeutet was genau?


Beitrag
Helga Baasch
erstellt:
14.03.2012 15:18:45

Expertenseite

Die hessische Bauordnung ist Ihre Landesbauordnung. Die technischen Baubestimmungen Ihres Bundeslandes ergänzen die Forderungen Ihrer Landesbauordnung. Ihr Bundesland entscheidet, welche Forderungen aus den Normen zum Barrierefreien Bauen verbindlich werden. Gegenwärtig wird eine Musterliste für die Einführung der Forderungen der neuen DIN 18040, Teil 1 und Teil 2 erarbeitet. Die einzelnen Bundesländer entscheiden, ob sie sich den Vorgaben aus der Musterliste anschließen wollen.

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Frau Dipl.-Ing. Helga Baasch

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Frau Dipl.-Ing. Helga Baasch ist Architektin und Spezialistin für Barrierefreies Bauen. Sie berät Bauherren, Planer und Betroffene.

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