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Anforderungen an Treppen im Rathaus, wenn ...

Beitrag Anforderungen an Treppen im Rathaus, wenn behindertengerechter Aufzug vorhanden ist

Autor: Anonym Antworten: 3 letzte Antwort: 2011-09-01 18:08:27 von Helga Baasch

AutorBeitrag
Beitrag
Anonym
erstellt:
01.09.2011 17:38:41

Anforderungen an Treppen im Rathaus, wenn behindertengerechter Aufzug vorhanden ist

Mich interessiert, welche Anforderungen an Treppen gelten, wenn gleichzeitig Aufzüge (barrierefrei) vorhanden sind. Wir planen aktuell den Umbau eines Rathauses in Baden-Württemberg. (Nach LTB ist DIN 18024-2 verbindlich). Direkt neben dem Treppenhaus ist ein barrierefreier Aufzug. Da in dem Umbau des denkmalgeschützen Gebäudes der neue Treppenraum sehr eng ist, würden wir gerne eine offene Treppe bauen, damit mehr Licht im Treppenraum vorhanden ist. Unterschnittene Treppen sind nach DIN 18024-2 ja nicht zulässig. Für mich die Frage: Gilt diese Anforderung (Verbot Unterschneidung) auch, wenn der barrierefrei Aufzug vorhanden ist? Ich kenne das Argument, dass die Unterschneidung der Treppen v.a. beim Aufsteigen problematisch ist (hängen bleiben mit dem Fuß). Wenn im Brandfall der Aufzug gesperrt ist und man flüchten muss, dann wird diese Treppe nur abwärts begangen (es gibt kein UG). D.h. dann ist das Problem des hängen bleibens ja nicht gegeben.
Mich interessiert die Meinung anderer Fachkollegen.

Antworten

Beitrag
Helga Baasch
erstellt:
01.09.2011 17:45:55

Expertenseite

Nachfolgend meine Gedanken zu Ihren Umbaumaßnahmen:
Das Rathaus gehört zu den öffentlich zugänglichen Gebäuden. Die Treppe ist nach den Planungsanforderungen der DIN 18024, Teil 2 zu gestalten, da sie ja als Technische Baubestimmung in Ihrem Bundesland eingeführt ist. Seit Oktober 2010 wurde diese Norm durch die DIN 18040, Teil 1 abgelöst. Sie wurde aber bestimmt noch nicht in Ihrem Bundesland in die Technischen Baubestimmungen übernommen. Die neue Norm stellt aber keine anderen Anforderungen an Treppen.
Offene Treppen stellen immer eine Unfallgefahr dar. Ich empfehle Ihnen deshalb, bei der Neugestaltung der Treppen in dem Rathaus die Planungsanforderungen der Norm Barrierefreies Bauen -Planungsgrundlagen für öffentlich zugängliche Gebäude (DIN 18040, Teil 1)zu beachten. Der geforderte deutliche Kontrast von Tritt- zu Setzstufen ist auch durch entsprechende künstliche Beleuchtung und Markierung zu erreichen.

... auf nullbarriere.de

DIN 18040-1 Treppen

Beitrag
Anonym
erstellt:
01.09.2011 18:01:49

Sie haben recht, die DIN 18040 ist noch nicht in der LTB eingeführt, es gilt noch die DIN 18024.
Aber für mich ist die Frage, ob die Anforderungen an die Barrierefreiheit der Treppe auch gilt, wenn es einen Aufzug gibt?! Der in direkter Nachbarschaft zur Treppe gelegene Aufzug wird ja sicher von den gehandicapten Menschen benutzt, die nicht sicher auf einer Treppe unterwegs sind.

In einer Broschüre des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg wird die gewünschte Vermeidung von Untertritten mit der Stolpergefahr beim Hochsteigen begründet. D.h. auch wenn man argumentiert, dass im Brandfall der Aufzug gesperrt ist und dann auch gehandicapte Menschen die Treppe benutzten, dann geht es ja abwärts und die Stolpergefahr durch überstehende Stufen besteht nicht.

Der Untertritt hat, neben den gestalterischen Vorteilen in der Lichtführung, ja auch den Vorteil, dass die Menschen, die die Treppe benutzen, einen größeren Auftritt haben. Mit geschlossenen Stufen hätte ich zwar immer noch einen Auftritt von 26cm (der gerade noch nach DIN 18065 zulässig ist), aber die Erfahrung (v.a. von Menschen mit großen Füßen) legt doch nahe, dass ein Untertritt viele Vorteile hat! (Ein größeres Treppenhaus mit längeren Stufen ist in dem denkmalgeschützten Gebäude aus Platzgründen leider nicht möglich).

In folgenden Forumsbeitrag: http://nullbarriere.de/forum/oeffentliche-gebaeude/109-treppe-oder.htm
schreiben Sie in Ihrer Antwort ja auch: "Der Aufzug erfüllt die Anforderungen zur barrierefreien Überwindung von Höhenunterschieden und Nutzung des Aufzuges durch die oben genannten Personengruppen. Die Treppe muss "nur" die bautechnischen Anforderungen erfüllen.". Wenn man dann, wie oben der Broschüre des Wirtschaftsministeriums dargelegt, den Untertritt bzw. die offene Stufe als Problem beim Hochsteigen ansieht, dann ist im Brandfall (wo in diesem Gebäude alle nach unten gehen) das Problem ja nicht gegeben?! Oder ziehe ich hier falsche Schlüsse?

(Die Stufenmarkierung, ausreichende künstliche Beleuchtung... sind selbstredend entsprechend geplant. Der Elektroplaner hat auch eine entspr. Lichtberechnung erstellt).

Beitrag
Helga Baasch
erstellt:
01.09.2011 18:08:27

Expertenseite

Bei Ihrer Planung müssen Sie die rechtlichen Regelungen der Landesbauordnung (auch die technischen Baubestimmungen gehören dazu) beachten. Wenn Sie eine offene Treppe mit Überschneidungen gestalten wollen, verstoßen Sie gegen das Recht. Sie können natürlich versuchen, bei Ihrem Bauamt eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten.

Zu meiner Anwort auf die anonyme Anfrage Treppe und/ oder Aufzug vom 08.10.2010:

ich bin davon ausgegangen, dass die DIN 18024, Teil 2 nicht als technische Baubestimmung in dem Bundesland , welches ich nicht kenne, eingeführt ist. Das dort beschriebene Gebäude ist evtl. auch nicht öffentlich zugänglich. Büroräume sind im EG und OG angeordnet. Im Dachgeschoss wurden Wohnungen eingeordnet. Dort wurde die Frage gestellt, ob das Gebäude als barrierefrei bezeichnet werden kann, obwohl die Anforderungen an barrierefreie Treppen nicht realisiert wurden. Ich habe diese Frage mit ja beantwortet.

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Frau Dipl.-Ing. Helga Baasch

16761 Hennigsdorf OT Stolpe-Süd

Frau Dipl.-Ing. Helga Baasch ist Architektin und Spezialistin für Barrierefreies Bauen. Sie berät Bauherren, Planer und Betroffene.

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