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Elektrorollstuhl im Straßenverkehr

Beitrag Elektrorollstuhl im Straßenverkehr

Autor: Jürgen Damm Antworten: 4 letzte Antwort: 2013-08-05 17:40:47 von Jürgen Damm

AutorBeitrag
Beitrag
Jürgen Damm
erstellt:
26.07.2013 12:07:15

Elektrorollstuhl im Straßenverkehr

Wenn ich bei mir in Leipzig mit meinem elektrischen Rollstuhl unterwegs bin,werde ich von anderen Verkehrsteilnehmern mit dem Mittelfinger begrüßt, weil ich in verschiedenen sehr schlechten Straßen dem Verkehr aus Sicherheitsgründen auf der Straße entgegen fahren muss. Das Ausweichen auf den Bürgersteig ist leider nicht überall möglich. Ich nutze auch den Radweg, auch wenn ich dabei die falsche Straßenseite benutzen muss. Das ständige Wechseln der Straßenseite ist meines Erachtens für einen E-Rollstuhl sehr riskant und material und stromverschleißend. Die Straßen sind sehr schlecht in Leipzig. Stellenweise gibt es gar keine Zufahrten auf den Gehsteig. Autofahrer fahren dann gern bis kurz vor den Rollstuhl auf diesen zu und beim Abschwenken zeigen sie dann noch den berühmten Finger. Auch auf den Radwegen werde ich von Radfahrern angepöpelt.
Meine Frage ist :
Bin ich nun Fußgänger oder Radfahrer?
Wie soll ich mich im Straßenverkehr verhalten?

... auf nullbarriere.de

Elektrorollstuhl im Straßenverkehr

Antworten

Beitrag
Jakob Brinker
erstellt:
04.08.2013 18:11:42

Generell ist man als Rollstuhlfahrer Fußgänger! Daher muss er den Gehweg benutzen (Schrittgeschwindigkeit). Der Radweg ist nur für Radfahrer. Auf keinen Fall auf der Straße fahren und dann erstrecht nicht entgegengesetzt der Fahrtrichtung! Bei so einem Verhalten ist meines Erachtens nach schon der Straftatbestand des §315 b Abs.1 Nr.3 StGB verwirklicht. Das Verhalten kann man ja schon als Geisterfahrer bezeichnen.

Wichtige eischlägige Vorschriften:

"STVO § 24 Besondere Fortbewegungsmittel

(1) Schiebe- und Greifreifenrollstühle, Rodelschlitten, Kinderwagen, Roller, Kinderfahrräder und ähnliche Fortbewegungsmittel sind nicht Fahrzeuge im Sinne der Verordnung.

(2) Mit Krankenfahrstühlen oder mit anderen als in Absatz 1 genannten Rollstühlen darf dort, wo Fußgängerverkehr zulässig ist, gefahren werden, jedoch nur mit Schrittgeschwindigkeit.

STVZO §18 (2) 5
motorisierte Krankenfahrstühle (einsitzige, nach der Bauart zum Gebrauch durch körperlich behinderte Personen bestimmte Kraftfahrzeuge mit Elektroantrieb, einem Leergewicht von nicht mehr als 300 kg einschließlich Batterien aber ohne Fahrer, mit einer zulässigen Gesamtmasse von nicht mehr als 500 kg, einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 15 km/h, einer Breite über alles von maximal 110 cm und einer Heckmarkierungstafel nach der ECE-Regelung 69 oben an der Fahrzeugrückseite)"

Wenn du aber einen motorisierten Rollstuhl gemäss § 18 STVZO hast, müsstest du eigentlich auf der Strasse fahren.

Beitrag
Jürgen Damm
erstellt:
05.08.2013 04:32:11

leider ist es in Leipzig so, dass ich dann ständig die Fahrbahnseite wechseln muss, wenn ich den Fußweg nutzen soll, auch auf dem Radweg ist es nicht viel besser, nur sind da keine Bordsteine zu überwinden, aber man verkehrt dann eben mal auf der verkehrten Seite. womit ich beim Thema bin. Ich gelte also als Fußgänger und die sollen dem Verkehr entgegen gehen, damit man im Ernstfall reagieren kann. Auch ich sehe lieber der Gefahr ins Auge und bleibe dabei dem Verkehr entgegen zu fahren denn bei soviel stümperhaften Autofahrern, die jetzt rumkutschieren, ist man schon verrückt, wenn man sich von hinten anfahren lässt. Fußwege zu benutzen ist in Leipzig ebenfalls nicht empfehlenswert, denn man hat dort mit Hundehaufen in allen Größenordnung zu tun und wo keine sind, lassen die Säufer ihre kaputten Bierflaschen gern auf der Strasse liegen, wenn ein Fußgänger in die Hundehaufen reintritt, kann er, bevor er die Wohnung betritt, die Schuhe ausziehen. Ich muß mit dem Kot am Rad in die Wohnung fahren. Wenn ich unterwegs einen Platten habe (durch Glas), kann ich nicht aussteigen und mein Fahrzeug schieben. Außerdem benutzen ja Radfahrer die Fußwege und das mit hohem Tempo.

Beitrag
Jakob Brinker
erstellt:
05.08.2013 13:50:14

Die Unannehmlichkeiten, die Sie als E-Rollstuhlfahrer haben, kann ich nachvollziehen. Um ein barrierefreies Verkehsnetz zu schaffen, ist in unseren Städten noch sehr viel zu tun.

Ich möchte noch Einiges zu den Vorschriften im Straßenverkehr ergänzen:

Streng genommen kann man mit jedem motorisierten Rollstuhl die Straße benutzten. Ist aber aufgrund der hohen Gefährdung nicht empfehlenswert. Die Benutzungspflicht der Straße geht erst mit einer BBH von über 15 kmh los. Dann braucht man aber auch einen Führerschein der Klasse M. Der Rollstuhl bräuchte dann auch ein Versicherungskennzeichen.

Noch ein Hinweis am Rande. Auch für motorisierte Rollstuhlfahrer gibt es eine Promillegrenze.Es gilt analog die Promillegrenze für Radfahrer, welche bei 1,6 Promille liegt (absolute Fahruntüchtigkeit).

Beitrag
Jürgen Damm
erstellt:
05.08.2013 17:40:47

Danke für den Hinweis! Aber ich trinke keinen Alkohol und rauche auch nicht und genau aus diesem Grund ärgert mich natürlich, das die trinkenden Mitbewohner ihre Flaschen einfach auf den Fußwegen zerschlagen und liegenlassen. Des weiteren ist mein Rollstuhl nur ein 6 kmh Fahrzeug und kann leider Bordkanten von 10 cm Höhe nicht überwinden so dass ich leider in manchen Strassen (vielen) nicht auf den Bürgersteig komme und auf der Strasse von rasenden Autofahrern umgeben bin. Da gilt für mich das Prinzip der Landstrasse, dem Verkehr entgegen, damit auch ich nicht von hinten getötet werde. Letztens sagte ein recht netter Autofahrer, als er sein Auto putzt,e wie gefährlich es für mich ist, wenn ich auf der Strasse fahre. Er stand aber genau an der einzigen abgeflachten Stelle, wo ich hätte auf den Gehweg fahren können. Ist das nun Frech oder Boshaftigkeit?

Ich wollte mit meinem Beitrag auf die Unannehmlichkeiten eines E-Rollstuhlfahrers im Straßenverkehr aufmerksam machen.

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