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Wohnberatung bei Demenzhttps://nullbarriere.de/fb2624.wohnberatung-demenz.htmhttps://nullbarriere.de/tw2624.cMDAxNjUEmailDrucken

Die Anpassung der Wohnung trägt dazu bei, die vertraute Lebensumgebung aufrechtzuerhalten. Wie wirkt sie auf demenziell erkrankte Menschen? Die enge Kooperation mit und die direkte Hinzuziehung von Wohnberatungsstellen ergänzt das Pflegewesen wirksam. Oder Sie ziehen mit Hilfe der Pflegekasse in eine seniorengerechte Wohnung um.

Wohnberatung bei demenziell erkrankten Menschen
Löschen bevor es brennt ?

Mit Blick auf den demographischen Wandel ist die Sicherstellung einer möglichst selbstständigen Lebens- und Haushaltsführung älterer, pflegebedürftiger oder behinderter Menschen eine der zentralen gesundheits- und sozialpolitischen Herausforderungen unserer Gegenwart.

Demenz

Einer Demenz können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie z. B. die Alzheimer Krankheit, vaskuläre Erkrankungen, Huntington, Schädel-Hirn-Trauma,Hirntumore, Sauerstoff- oder Vitaminmangel, Infektionen, Krankheiten des Immunsystems, der Leber oder des Stoffwechsels etc..

Demenziell erkrankte Menschen sind in ihrer Alltagskompetenz weitgehend eingeschränkt. Aufgrund dieser Einschränkungen, der Vielzahl der mit der Demenz verbundenen Orientierungsprobleme und des dadurch kleineren Aktionsradius sind demenziell erkrankte Menschen stärker auf befriedigende Wohnbedingungen angewiesen, als andere Menschen.

Dennoch lebt der überwiegende Teil der demenziell erkrankten Menschen nicht in Institutionen oder Sonderwohnformen, sondern in Normalwohnungen, in denen Angehörige Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernehmen, ohne die eine angemessene Versorgung nicht möglich wäre.

Fast zwei Drittel aller demenziell erkrankten Menschen werden ausschließlich von ihren Angehörigen gepflegt. Die überwiegende Mehrzahl der Pflegegeldempfänger hat nur zwei Berührungspunkte zum formellen Pflegesystem, zum einen bei der Begutachtung und zum anderen bei den Qualitätssicherungspflegen nach § 37 (3) SGB XI.

Wohnprobleme beeinflussen Selbstständigkeit

Die eigene Wohnung, dient als Gedächtnisstütze und als Orientierungspunkt für identitätsstiftende Handlungen. Ein Ortswechsel bedeutet den Entzug von Vertrautheit. Es kann quasi mit dem Verlust eines Teils der Persönlichkeit gleichgesetzt werden (Galliker & Klein, 1998).

Einschränkungen im Bereich des selbstständigen Wohnens sind häufig das Ergebnis einer mangelhaften Passung zwischen der Gestaltung der unmittelbaren Lebensumwelt und den Ressourcen der in dieser Umwelt lebenden Menschen.

Den Erkenntnissen der ökologischen Gerontologie (z. B. Wahl, 2000) zu Folge, ist der Grad der Kompetenz eines Menschen immer auch von der ihn umgebenden konkreten Umwelt abhängig, wobei der Umwelteinfluss mit zunehmendem Beeinträchtigungsgrad immer wichtiger wird. Diesem Aspekt kommt in bezug auf demenziell erkrankte Menschen eine besondere Bedeutung zu. Demenz bedeutet Orientierungslosigkeit. Die langjährig vertraute Wohnung, die mit den eigenen biographischen Erinnerungsgegenständen ausgestattet ist, ist eine wichtige Orientierungshilfe bei zunehmender Orientierungslosigkeit.

Charakteristische Wohnprobleme demenziell erkrankter Menschen

Sicherheitsprobleme durch Selbst- oder Fremdgefährdung sind von besonderer Bedeutung. Es besteht die Gefahr, dass Reinigungsmittel, Medikamente und Giftpflanzen mit Lebensmitteln verwechselt und verspeist werden. Verbrühungen und Verbrennungen können durch das herabgesetzte Temperaturempfinden entstehen. Insbesondere Dritte befürchten aufgrund des Krankheitsbildes Überschwemmungen oder Wohnungsbrände durch nicht abgedrehte Wasserhähne und nicht abgeschaltete Elektrogeräte.

Hindernisse wie Schwellen und Stufen, Glastüren und Fenster stellen weitere Gefahrenquellen dar, da sie häufig nicht mehr wahrgenommen werden. Dagegen werden spiegelnde, dunkle oder gemusterte Bodenbeläge oft als Hindernisse oder Löcher wahrgenommen, die Angst erzeugen. Gemusterte Tapeten oder Stoffe können ebenfalls Angst auslösen.

Die Nutzung von vertrauten Ausstattungsmerkmalen der Wohnung bereitet zunehmend Probleme, da die Ausführung von mechanischen Vorgängen, wie z. B. die Betätigung der WC-Spülung verlernt wird. Zu niedrige oder zu instabile Möbel können zu Stürzen führen, wenn bewegungseingeschränkte Personen sich an ihnen festhalten oder abstützen.

Die Orientierungsstörungen, die sich im Krankheitsverlauf verstärken, führen dazu, dass sich demenziell erkrankte Menschen auch in ihrem gewohnten Umfeld nicht mehr zurechtfinden. Hell gestaltete Eingangsbereiche animieren zum Verlassen der Wohnung und verstärken vorhandene Hinlauftendenzen oder Weglauftendenzen. Verschlossene Türen, unzureichende Beleuchtung und mangelnde Kontraste verschlechtern die Orientierung und können Fehlwahrnehmungen zur Folge haben.

Wohnberatung

Die Passung zwischen den persönlichen Ressourcen und den Umweltbedingungen durch Wohnungsanpassung zu verbessern bzw. wiederherzustellen (Niepel, 1995) ist der zentrale Ansatzpunkt der Wohnberatung.

Konkrete Wohnprobleme können durch Hilfsmitteleinsatz, Ausstattungsveränderungen, bauliche Maßnahmen, Reorganisation der Wohnbereiche, Umzug oder Wohnungstausch behoben werden (Niepel 1998). Um eine möglichst optimale Lösung zu finden, müssen sowohl die Wünsche, Bedürfnisse, Ressourcen und Einschränkungen der Person als auch die konkreten baulichen, ausstattungsbedingten und sonstigen Umweltbedingungen berücksichtigt werden.

Im Rahmen der Beratung sind die Biographie und die persönlichen Eigenarten des demenziell erkrankten Menschen einzubeziehen. Die Selbstständigkeit, das Selbstwertgefühl und die Kompetenz sollen durch die Anpassungsmaßnahmen unterstützt werden. Grundsätzlich gilt es so wenig Veränderungen wie möglich vorzunehmen und freiheitsbegrenzende Maßnahmen weitmöglichst zu vermeiden.

Generell sollten Anpassungsmaßnahmen bei demenziell erkrankten Menschen behutsam und so unauffällig wie möglich vorgenommen werden. So kann z. B. im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung das eigene Spiegelbild Angst auslösen. Dann ist es sinnvoll den Spiegel zu entfernen oder mit einem Tuch zu bedecken.

Insbesondere im Bereich des Badezimmers kann sich sowohl der Einsatz von "alter Technik" als auch von "neuer Technik"  als richtig erweisen. Manche Menschen kommen im fortgeschrittenen Stadium der Demenzerkrankung mit "historischen" Badewannen, Toilettenspülungen (deutlich sichtbare Druckspülung, Eimer mit Wasser neben der Toilette, Zugkordeln...) und Armaturen mit griffigen Kreuzgriffen bestens zurecht.

Gegenstände, die der Orientierung dienen, sollten an den vertrauten Stellen belassen werden. In allen Wohnbereichen sollten Stolper- und Gefahrenquellen entfernt und Orientierungsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Beleuchtung sollte verbessert werden, das Licht darf weder blenden noch Schatten werfen. Die Lichtstärke sollte 500 Lux betragen.

Bei der Farbgestaltung ist darauf zu achten, dass helle, ruhige, nicht spiegelnde Oberflächen vorhanden sind und rutschhemmende, reflexionsfreie, unifarbene Bodenbeläge verwendet werden. Unterschiedliche Farben in unterschiedlichen Räumen können die Orientierung verbessern. Die Einrichtung von Beschäftigungsecken sowie das Kennzeichnen der Kleidung mit Name und Adresse bzw. das Mitführen eines Adressenzettels auf dem die eigene Anschrift und Ansprechpartner verzeichnet sind, hat sich bewährt.

Im Einzelfall kann auch der Einsatz technischer Hilfen wie z. B. Bewegungsmelder, Rauchmelder, Füllstandsmelder für Badewannen, Hausnotrufsysteme, Sturzmelder, Zeitschaltuhren für Elektrogeräte, automatische Tablettentimer,Personenortungs- oder Raumüberwachungssystemen die Sicherheit in der eigenen Wohnung erhöhen.

Nachfolgend sind einige Veränderungsvorschläge beispielhaft aufgeführt.

Der Eingang
Der Wohnungsflur
Das Bad
Die Küche
Das Schlafzimmer
Das Wohnzimmer
Der Garten bzw. der Balkon

Wirkung von Wohnungsanpassungsmaßnahmen

Bei allen genannten Anpassungsmaßnahmen ist zu beachten, dass die erzielte Wirkung individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann. So kann ein barrierefreier Badumbau zwar dazu führen, dass die Pflege deutlich erleichtert wird, andererseits kann es passieren, dass der demenziell erkrankte Mensch nach der Toilette an der vertrauten Stelle sucht oder sich aus Angst nicht auf das ungewohnte Hänge-WC setzt. Die Tarnung der Eingangstür kann die Weglauftendenzen verringern, aber auch zu Panikattacken führen, da kein Ausgang mehr zu finden ist.

In unterschiedlichen Studien (z. B. Gitlin, 1998; Calkins & Namzi 1991) hat sich gezeigt, dass folgende Wohnungsanpassungsmaßnahmen bei demenziell erkrankten Menschen besonders erfolgreich waren:

Weitere wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Aufrechterhaltung von Kompetenzen im Bereich der Alltagsaktivitäten in hohem Maße von den Wohnbedingungen abhängt und dass die gezielte Anpassung der Wohnung positive Auswirkungen auf die Selbstständigkeit hat (z.B. Niepel, 1995-1999; Olbrich & Diegritz, 1995).

Wohnungsanpassungsmaßnahmen tragen zur Verbesserung der Lebensqualität der Ratsuchenden bei. Darüber hinaus lassen sich nach Niepel (1999) bei 78 % aller durchgeführten Anpassungsmaßnahmen Auswirkungen auf die professionell und informell Pflegenden feststellen, die zur Erleichterung der Pflege und zur Verringerung des Pflegeaufwandes beitragen.

Kooperation Wohnberatung und Pflegedienste

Um die genannten Wirkungen zu erzielen, ist es erforderlich für die Ratsuchenden einen niederschwelligen Zugang zur Wohnberatung sicherzustellen. Da demenziell erkrankte Menschen und ihre Angehörigen bislang kaum Berührungspunkte mit der sozialpflegerischen Infrastruktur haben und einer Komm-Struktur wenig zugänglich sind, muss die Beratung und Begleitung auch zugehend erfolgen. Bewährt hat sich dabei die enge Kooperation zwischen Wohnberatungsstellen und Pflegediensten im Bereich der Qualitätssicherungspflegen.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Wohnberatung für die häusliche Betreuung demenziell erkrankter Menschen Chancen eröffnet und Potenziale erschließt:

Durch Anpassung der Umweltfaktoren an die persönlichen Ressourcen trägt sie dazu bei, dass die vertraute Lebensumgebung aufrechterhalten kann. Sie ergänzt das Pflegewesen wirksam, im präventiven und rehabilitativen Bereich.

[Autor Iris Lehmann, Ökumenische Zentrale]



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