Beleuchtung bei Sehbehinderung und Wahrnehmungsproblemen
Änderung der visuellen Fähigkeiten
Mit zunehmendem Alter wächst die Anzahl der pflegebedürftigen oder durch Behinderung eingeschränkten Menschen. Zukünftig
wird eine Umgestaltung des Lebensraumes, der generationsübergreifend genutzt
werden kann, an Bedeutung gewinnen.
Für die junge Generation müssen diese Lebensräume möglichst attraktiv
gestaltet sein. Bei älteren Menschen spielen neben der Gestaltung weitere
Kriterien, wie Nutzbarkeit und Barrierefreiheit eine entscheidende Rolle.
Typische Krankheitsbilder
Bereits heute sind unterschiedliche alterstypische Krankheitsbilder, wie z.B.
die Behinderungen des Bewegungsapparates, die im Alter stark zunehmen, bekannt.
Im folgenden Abschnitt wird auf die Behinderungen des Sehapparates
eingegangen, da die Beleuchtung bei Seh- und Wahrnehmungsproblemen eine
entscheidende Rolle spielt.
Folgende Augenkrankheiten sind bekannt:
- Makuladegeneration (MD) ist der Oberbegriff für eine Gruppe von
Augenkrankheiten, die die Makula (Sehzentrum) schädigt. Symptome sind
Beeinträchtigung der Sehschärfe, der Lesefähigkeit, des Kontrastempfindens
und des Farbsehens.
- Extreme Myopien bezeichnet die altersbedingte Kurzsichtigkeit.
- Diabetische Retinopathie ist ein Folgeschaden der Zuckerkrankheit.
Durch die hohe Zuckerkonzentration im Blut verändern sich die winzigen
Blutgefäße der Netzhaut (Retina). Dies kann mit der Zeit zu erheblichen
Sehbeeinträchtigungen führen. Spätfolgen sind verschwommenes oder verzerrtes
Sehen, blinde Flecken oder ein totaler Sehverlust durch Beschädigung der
Netzhautmitte (Makula).
- Retinopathia Pigmentosa (MP) ist der Oberbegriff für eine Gruppe von
Augenkrankheiten, die die Netzhaut (Retina) zerstören. Symptome sind
Nachtblindheit, Gesichtsfeldeinengung (Tunnelblick) und
Blendungsempfindlichkeit.
- Das Glaukom oder "Grüner Star" ist ein Sammelbegriff für
unterschiedliche Erkrankungen des Auges, die meist drei Charakteristika
(erhöhter Augeninnendruck, Gesichtsfeldausfall, Pupillenexkavation mit
Substanzverlust des Sehnervenkopfes) gemeinsam haben.
- Katarakt oder "Grauer Star" ist eine Trübung der
Augenlinse. Er führt dazu, dass das gesehene Bild an Schärfe verliert.
Unter Betrachtung dieser Krankheitsbilder und aus Gesprächen mit den
Betroffenen wird sehr schnell erkennbar, dass für diese Menschen eine gute
Beleuchtung die Vorraussetzung zu einem barrierefreien Leben ist. Besonders zu
beachten sind hierbei höhere Beleuchtungsstärken unter Beibehaltung von
gezielt eingesetzten Kontrasten, eine gute Farbwiedergabe der verwendeten
Leuchtmittel und die Vermeidung von Direkt- und Reflexblendung.
Die VDI-Richtline 6008 "Barrierefreie und behindertengerechte
Lebensräume " beschreibt die Einschränkungen im Alter insgesamt und
besonders die Auswirkungen dieser Krankheiten "Änderung der visuellen
Fähigkeiten" in Kapitel 3.2. Gleichzeitig werden Empfehlungen für z.B.
Schriftarten, und -größen, Beleuchtungsstärken, Leuchtdichten und
Leuchtdichteverteilungen sowie Lichtfarben gegeben von denen einige nachstehend
inhaltlich wiedergegeben werden.
Sehschärfe
Da die Linse im Alter ihre Elastizität verliert und eine Scharfeinstellung
in der Nähe nicht mehr möglich ist, sollten grundsätzlich einfache und gut
lesbare Schriften ohne Deko-Stile verwendet werden. Ebenfalls gibt diese
Richtlinie eine Empfehlung für Schriftgröße und Linienbreite.
Akkomodation
Das Auge des älteren Menschen kann nur langsam zwischen Fern- und Nahsehen
umschalten. Aus diesem Grund können Objekte, die sich schnell annähern oder
entfernen, nur verschwommen wahrgenommen werden.
Adaption
Zu den natürlichen altersbedingten Sehbeeinträchtigungen zählt die
mangelnde Adaptionsfähigkeit des Auges. Aus diesem Grund haben ältere Menschen
Schwierigkeiten mit unterschiedlichen Helligkeiten. Beim Wechseln vom Dunklen
ins Helle passt sich die Pupille (maximale Helladaption in einer Minute) nur
langsam an. Bei einem zu schnellem Übergang wird dies als Blendung empfunden.
Die maximale Dunkeladaption dauert beim Menschen ca. 30 Minuten. Deshalb ist ein
Wechsel vom Hellen ins Dunkle als noch kritischer anzusehen. Die Sehleistung ist
vom jeweiligen Stand der Adaption abhängig. Ihr Verlauf richtet sich nach der
Höhe der Leuchtdichte am Anfang und am Ende der Adaption. Eine gleichmäßige
Leuchtdichtenverteilung kann das Auge wesentlich entlasten.
Linseneintrübung
Die Linse wird durch die Einwirkung der UV-Strahlung eingetrübt. Dadurch ist
nicht nur eine höhere Beleuchtungsstärke erforderlich, sondern die Farben
Grün und Blau können nicht mehr eindeutig unterschieden werden.
Verkleinerung der Pupille
Ältere Menschen benötigen auf Grund der natürlichen Verkleinerung der
Pupille (im Alter von 80 Jahren nur noch ca. 25 % der Linse) eine wesentlich
höhere Beleuchtungsstärke als junge Menschen. Generell sollte eine Verdopplung
der Beleuchtungsstärke für Senioren vorgesehen werden.
Gesichts- und Blickfeld
Die Informationen, die beim Sehen wahrgenommen werden, hängen sehr stark von
dem Gesichtsfeld und dem Blickfeld ab. Als Gesichtsfeld bezeichnet man den
Bereich, der bei unbewegtem Kopf und Primärstellung des Auges gleichzeitig
wahrgenommen wird. Das Blickfeld ist die Gesamtheit aller Punkte, die bei
unbewegtem Kopf und umherblickendem Auge fixiert werden können. Das Gesichts-
und das Blickfeld verkleinern sich ab dem 55. Lebensjahr.
Farbtüchtigkeit
Die häufigste Farbsinnesstörung ist die Rot-Grün-Verwechslung. Sie beruht
auf einer gestörten Empfindlichkeit des Auges für Rot oder Grün. Folglich
sollte bei Informationsträgern die Kombination "Rot/Grün" vermieden
werden. Ideale Farbkombinationen sind gegeben durch:
- Hohe Leuchtdichteunterschiede, z.B. "Schwarz/Weiß" oder
"Gelb/Blau"
- Verwendung einer unbunten Komponente, z.B. "Weiß/Blau" oder
"Weiß/Rot"
- Kombination von Komplementärfarben, z.B. "Gelb/Rot"
Farbkombinationen mit geringen Leuchtdichteunterschieden sollten vermieden
werden. Da Licht und Farbe immer zusammenhängt, ist bei der Planung auf
ausreichende Kontraste und Beleuchtungsstärken zu achten. Zur Unterstützung
der körperlichen Erkennbarkeit muss durch Lichtrichtung, Kontraste und
entsprechende Beleuchtungsstärke - so beleuchtet werden, dass Gegenstände und
Distanzen klar und eindeutig erkannt und zugeordnet werden können.
Tiefenwahrnehmung
Durch die Änderung der Akkomodationsfähigkeit und Eintrübung der Linse
kann die räumliche Ausdehnung und Entfernung von Objekten nur sehr schwer
eingeschätzt werden.
Blendempfindlichkeit
Bei älteren Menschen nimmt die Blendempfindlichkeit durch Streulichtbildung
in den verschiedenen Medien (Hornhaut, Linse, Glaskörper) des Auges erheblich
zu. Deshalb sind Blendungen, Reflexionen und Spiegelungen zu vermeiden.
Chromatische Aberration
Lichtquellen sollen keine Spektralverschiebung in den roten oder den blauen
Bereich aufweisen, da hierdurch vorübergehend auftretende Fehlsichtigkeiten
entstehen können. Daher empfiehlt die VDI-Richtlinie 6008 tageslichtweiße
Leuchtmittel. |