Sanitärräume Wohnungen, Richtlinie VDI 6000 Blatt 1

VDI 6000 Blatt 1: Ausstattung von und mit Sanitärräumen
Wohnungen [2008-02]


Die Richtlinienreihe VDI 6000 behandelt die Anforderungen, die bei Planung und Ausführung von Sanitärräumen in Wohnungen zu beachten sind. Dazu gehören insbesondere

  • gestiegene Komforterwartung
  • hygienische Forderungen
  • eine funktionstüchtige, praktikable und visuell ansprechende Ausstattung
  • Wasser- und Energieeinsparung
  • wirtschaftliche Installationsmethoden

Diese Thematik gewinnt bei Neubauten, aber zunehmend auch bei Aus- und Umbauten sowie bei der Modernisierung wegen Überalterung oder Abnutzung der vorhandenen Einrichtungen und Anlagen an Bedeutung.


Die Richtlinie VDI 6000 Blatt 1 beschreibt die Planung, Bemessung und Ausstattung von Sanitärräumen in Abhängigkeit vom gewünschten Komfort für Wohnungen aller Art. Diese Richtlinie gibt auch besondere Hinweise für altersgerechte Umbauten, barrierefreie Sanitärräume nach DIN 18025-1 und -2 sowie die Ausstattung mit allen Komponenten der Technischen Gebäudeausrüstung. Tabellen und Prinzipskizzen geben konkrete Orientierungshilfe für die Praxis. Die Richtlinie wendet sich an Architekten, Bauherren, Hauseigentümer und ausführende Fachbetriebe.


[Auszug]

3 Ausstattungsbedarf

Der Ausstattungsbedarf in Sanitärräumen hängt von der Anzahl der Personen sowie von dem Ausstattungsstandard ab.

In Wohnungen für mehrere Personen ist die Anordnung eines separaten WCs, getrennt vom Badezimmer, zweckmäßig. Bei mehr als drei Personen ist ein zusätzlicher Waschtisch oder ein Doppelwaschtisch empfehlenswert.

Im Wohnbereich eines Rollstuhlbenutzers ist ab drei Personen, wegen der möglicherweise längeren Verweildauer von Rollstuhlbenutzern im Bad, eine gesonderte Toilette mit Waschtisch vorzusehen.

In Tabelle 1 ist ohne Unterscheidung nach Alt- und Neubau der Ausstattungsbedarf unter Berücksichtigung unterschiedlicher Standards dargestellt. Dabei bedeuten:

  • Einfache Ausstattung
    Mindeststandard, z.B. für den öffentlich geförderten Mietwohnungsbau
  • Gehobene Ausstattung
    normaler, überwiegend akzeptierter und angewandter Standard, z.B. für den frei finanzierten Mietwohnungsbau oder für Eigentumswohnungen
  • Komfortable Ausstattung
    Standard, der auf die individuellen Wünsche, z.B. bei Eigentumswohnungen und Eigenheimen, eingeht.

Tabelle 1. Ausstattungsbedarf in Wohnungen, Beispiel Bad
Raum einfache Ausstattung gehobene Ausstattung komfortable Ausstattung
Bedarfsermittlung Ausstattungsbedarf Bedarfsermittlung Ausstattungsbedarf Bedarfsermittlung Ausstattungsbedarf
* optional
Bad Klosettanlage WC-Papierrollen-
halter
WC-Klosettbürste
Klosettanlage WC-Papierrollen-
halter
WC-Klosettbürste
mit Halterung
(bodenfrei)
Klosettanlage WC-Papierrollen-
halter
WC-Klosettbürste
mit Halterung
(bodenfrei)
WC-Papiervorrats-
box
Behälter für
Hygieneabfälle
Waschtisch-
anlage
Ablage
Spiegel
Waschtisch-
anlage
Ablage
Spiegel
Handtuchhalter
Waschtisch-
anlage
Doppelbecken*
Ablage(fläche)
Flächenspiegel
Handtuch
halter
Mundgläser
mit Halter
Badewanne Haltegriff
Haken
Badewanne Haltegriff
Badetuch-
halter
Badewanne Haltegriff
Badetuch-
halter
oder Dusche Haltegriff
Duschabtrennung
Haken
oder Dusche Haltegriff
Duschabtrennung
Badetuchhalter
oder Dusche Haltegriff
Duschabtrennung
Sitzbank (klappbar)
Badetuchhalter
Waschmaschine   Sitzwaschbecken Handtuchhalter Sitzwaschbecken
Whirlpool*
Handtuchhalter
(ggf. Badmöbel)

5 Maße von Sanitärobjekten, Bewegungsflächen und Abstände

Bei der Planung von Sanitärräumen ist zu berücksichtigen, dass die angegebenen Maße sich nicht auf die Rohbaumaße, sondern auf die Fertigmaße eines Raumes beziehen.

Die Maße der Sanitärobjekte sind als Außenmaße anzusehen. Die in der Tabelle 2* angegebenen Werte sind Durchschnittswerte und können je nach Fabrikat oder Typ abweichen.

Die zur Nutzung eines Einrichtungsgegenstandes erforderliche Fläche ist die Bewegungsfläche. Bewegungsflächen dürfen sich nur überschneiden, wenn nicht mit einer gleichzeitigen Benutzung der Einrichtungsgegenstände zu rechnen ist.

Bei der Raumplanung sind weiterhin die für die Benutzung der Sanitärobjekte erforderlichen Abstände untereinander und zur fertigen Wandoberfläche einzuhalten (siehe Tabelle 2*).

Weiterhin sind der Platzbedarf aufschlagender Türen und Fenster, für eine Vorwandinstallation, für Installationsschächte usw. zu berücksichtigen.

Bei der Sanitärraumplanung in bestehenden Gebäuden können geringfügige Maßunterschreitungen gegenüber den Empfehlungen nach Tabelle 2* als vertretbar angesehen werden. Dabei sollte die Abweichung jedoch, bezogen auf das Einzelmaß, nicht mehr als 5 cm betragen.

Bei der Planung und Ausstattung von Sanitärräumen für Behinderte, ältere Menschen und Kinder sind andere Maße von Sanitärobjekten sowie größere Bewe-gungsflächen und Abstände erforderlich als in der Tabelle 2* zusammengefasst. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Bedürfnisse dieser Personengruppen ist bereits in der Planungsphase eine Abstimmung mit dem Nutzer erforderlich. Ist der Nutzer nicht bekannt, dienen als Planungs- und Ausführungsgrundlage DIN 18025-1 und DIN 18025-2.

[* in der Richtlinie]



9 Elektro- und Beleuchtungstechnik

9.2 Ausstattungsbedarf

Die Mindestausstattung von elektrischen Anlagen in Wohngebäuden wird durch die DIN 18015 Teil 2 festgelegt. RAL-RG 678 dagegen unterscheidet zwischen drei Ausstattungswerten. Während Ausstattungswert 1 sich weitgehend mit DIN 18015 Teil 2 deckt, weisen Ausstattungswerte 2 und 3 einen höheren Ausstattungsumfang auf.

In den in Tabelle 7 benannten Sanitärräumen können folgende Haushaltsgeräte angeschlossen werden:

  • Nur mit Stromanschluss:
    • ständig angeschlossen, z.B.:
      Elektroherd, Backofen, Wrasenabzug, Kühlschrank, Gefriergerät, Wäschetrockner, Mikrowellenherd, Brotschneidemaschine, Dosenöffner, Kaffeemaschine, Toaster, Rolladenantrieb, Beleuchtung, Uhr
    • Temporär angeschlossen, z. B.:
      Küchenmaschine, Rührgerät, Eierkocher, Joghurtbereiter, Tischgrill, Warmhalteplatte, Bügelmaschine, Bügeleisen, Nähmaschine
  • mit Strom- und Wasseranschluss, z.B.:
    Spülmaschine, Waschmaschine, Kochendwassergerät, dezentrale Wassererwärmer
  • mit Strom- und Antennenanschluss, z.B.:
    Rundfunkgerät, Fernsehgerät

Bei Bedarf sollen auch Anschlüsse für Fernmelde-, Datenübertragungs- und Gebäudeautomationseinrichtungen eingeplant werden.

Tabelle 7. Elektrische Ausstattung von Sanitärräumen, Beispiel Bad, WC
  DIN 18 015-2 Ausstattungswert
  Mindest-Ausstatttung einfache Ausstattung gehobene Ausstattung komfortable Ausstattung
Raumbezeichnung Steck-
dose
Licht-
auslass
Steck-
dose
Licht-
auslass
Steck-
dose
Licht-
auslass
Steck-
dose
Licht-
auslass
Nassräume mit Badewanne
oder Dusche
3 2 3 2 4 3 5 3
Toilettenraum 1 1 1 1 2 1 2 2

12 Grundrissplanung

Aus wirtschaftlichen und technischen Gründen sollten in der gleichen Wohnung das Bad, das Gäste-WC, die Küche und der Hausarbeitsraum so angeordnet werden, dass eine Erschließung über gemeinsame Ver- und Entsorgungssysteme möglich ist. Darüber hinaus ist es sinnvoll, bei mehrgeschossigen Gebäuden diese Räume übereinander anzuordnen.

Aus schalltechnischen Gründen ist darauf zu achten, dass sanitäre Einrichtungen, die selbst Geräusche erzeugen oder bei denen starke Füll- und Entleerungsgeräusche auftreten, nicht an Trennwänden zu Wohn-, Schlaf- und Aufenthaltsräumen befestigt werden.

Damit diese Anforderungen eingehalten werden, ist es notwendig, dass die Planung der Grundrisse, die Wahl der Baumaterialien, die Planung der haustechnischen Anlagen und die Wahl der Installationssysteme von den Verantwortlichen gemeinsam erarbeitet wird.

Die sicherste Lösung, insbesondere die schallschutztechnischen Anforderungen einhalten zu können, ist das Trennen der Installation vom Gebäude durch Verwendung von Vorwand-Installationssystemen.

Sanitärräume sollen großzügig geplant werden, mit dem Ziel, Wohnungen und damit auch Sanitärräume zu bauen, in denen die Menschen unabhängig von ihrem Alter oder ihrer eingeschränkten Bewegungsfreiheit in ihrer angestammten Wohnung bleiben können.



Grundrissplanung auf Grundlage VDI 6000-1/DIN 18022
Grundrissplanung auf Grundlage VDI 6000-1/DIN 18022
Umrüstung nach DIN 18025-2 Barrierefreie Wohnungen
Umrüstung nach DIN 18025-2 Barrierefreie Wohnungen
Umrüstung nach DIN 18025-1 für Rollstuhlbenutzer
Umrüstung nach DIN 18025-1 für Rollstuhlbenutzer

Autorinfo

Logo: Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Herr Dipl.-Phys.
Thomas Wollstein

Verein Deutscher Ingenieure e.V.

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Zusatzinfo

Die Richtlinienreihe VDI 6000 besteht aus sechs Blättern.

Sie beschreibt die Ausstattung von und mit Sanitärräumen:
in

Da die Richtlinie VDI 6000 den derzeitigen Stand der Technik darstellt, kann sie auch zur Beurteilung von Schadensfällen und Gewährleistungsmängeln herangezogen werden.




Inhalt

Vorbemerkung
1 Geltungsbereich
2 Zugehörige Vorschriften, Normen und Richtlinien
3 Ausstattungsbedarf
4 Sanitärobjekte
5 Maße von Sanitärobjekten, Bewegungsflächen und Abstände
6 Armaturen
7 Heizungstechnik
8 Lüftungstechnik
9 Elektro- und Beleuchtungstechnik
10 Gastechnische Anlagen
11 Installationssysteme
12 Grundrissplanung
13 Beschaffenheit der Raumflächen
14 Hygieneanforderungen
15 Betrieb und Instandhaltung
16 Einrichtungen zur Verbrauchserfassung
17 Warmwasserversorgung


Inhaltsverzeichnis

Die DIN 18022 Küchen, Bäder und WCs im Wohnungsbau, Planungsgrundlagen wurde 2007 zurückgezogen.

Tipps

Bad und WC

Bad und WCBadeinrichtungen, höhenverstellbares WC, barrierefreie Duschabtrennungen, mobile Haltegriffe, Spiegel, Inhandspender, Generationenbad, Duschsitz, Sauna, Wellness

Badewannen

BadewannenBadewannen für zu Hause, für Pflegeeinrichtungen, Krankenhaus

Küchen

Küchenbarrierefreie Küchen, Schulküchen, Therapieküchen, für große und kleine Leute, Seniorenwohnungen

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