Hinweise für die Gestaltung von Wohnungen für Mietergemeinschaften, speziell für Senioren mit geringem Einkommen.
 Potsdam, Bartholomäus-Neumann-Str.13
Erfahrungswerte zum Wohnraum für ein Mieterklientel, für dessen Existenz eine in allen
Teilen kostensparende Lebenshaltung Voraussetzung ist. Darüber hinaus geht es
bei den von uns zu benennenden Mietparteien auch um Menschen, die schon im Alter
ab 45 Jahre diese kostengünstigen Wohnungen beziehen müssen und deren
Einkommenssituation absehbar auf niedrigem Niveau bleibt. Ohne Bezug von
Pflegegeld können sie keinen Heimplatz, kein betreutes Wohnen bezahlen. Das
bedeutet, sie müssen in diesen Wohnungen alt werden können.
Was macht das Wohnen für das beschriebene Klientel unnötig teuer?
- Zu große und schlecht handhabbare Fenster
Wer nicht will, dass
die gegenüber wohnende Nachbarschaft, unmittelbar an seinem Leben Teil hat,
muss sie mit Gardinen oder Rollos versehen - und das wird teuer. Außerdem
fehlt es bei kleinen Wohnungen auch an Stellfläche. Das führt dann dazu, dass
die untere Fensterfläche (bei geringer Brüstungshöhe) mit Schränkchen,
Tischchen und Polstermöbeln vollgestellt werden. Das ist von außen bestimmt
kein schöner Anblick. Die Fenster müssen weitestgehend vom Bewohner selbst
bequem zu reinigen sein. Ein Fensterputzer ist unbezahlbar.
- Fehlende Einbauküchen
Das gilt für den Fall, in dem die Küchen
sehr klein bemessen sind und aus der Vorwohnung mitgebrachte
Kücheneinrichtungen extra angepasst werden müssen bzw. gar nicht verwendet
werden können. Eine gänzlich neue Kücheneinrichtung ist teuer.
- Nicht ausreichende Möglichkeiten für das Trocknen von Wäsche
Bei
dieser Mieterschaft kann nicht davon ausgegangen werden, dass jeder einen
Wäschetrockner besitzt. Außerdem ist er in kleinen Bädern meist auch nicht
unterzubringen. Es kann auch nicht erwartet werden, dass Wäsche zum Trocknen in
eine Wäscherei gegeben wird - zu teuer. Die Folge ist, dass die Wäsche
vorwiegend in den Bädern und Wohnungen getrocknet wird, und das in der Regel
bei schlechter Durchlüftung der Räume. Es ist unbedingt ein gut durchlüfteter
Trockenraum im Keller zu schaffen oder ein Wäschetrockner für alle im Keller
zu installieren.
- Fehlender Raum für Kommunikation
Ist bereits im Planungsprozess
bekannt, dass eine Mietergemeinschaft einziehen soll, sind aus Kostengründen
die Verkehrsflächen so zu bemessen, dass sie als Raum für Kommunikation
genutzt werden können (z. Beispiel Platz für kleinere Sesselgruppen vor den
Flurfenstern u.ä.).
Welche räumlichen Grundvoraussetzungen für das Altwerden in einer
Mietergemeinschaft muss es geben?
- Eingangsbereich
Die Haustür muss in den Flur hinein zu öffnen
sein. Damit kann ein alter Mensch sein ganzes Körpergewicht einsetzen, um sie
zu öffnen. Die Tür selbst braucht einwandfreie Bedienelemente (Türdrücker,
nicht Knauf, der von Menschen mit rheumatischen Beschwerden an den Händen nicht
bedient werden kann). Die Briefkästen sollten zumindest überdacht sein und
sich in gut erreichbarer Höhe befinden (der oberste sollte nicht mit Anspringen
und der unterste ohne Kniebeuge erreichbar sein).
- Treppenraum
 Treppenhaus, schmal, nur ein Handlauf Wenn
aus Kostengründen kein Aufzug vorgesehen werden kann, müssen die Treppen
unbedingt folgende Voraussetzungen erfüllen: Die Stufenhöhe darf nicht höher
als 17 cm sein (alte Menschen haben in den allermeisten Fällen Knie und
Hüftgelenksbeschwerden, Herzprobleme und immer mehr zunehmende Schwierigkeiten
beim Tragen von Lasten). Die Auftrittstiefe sollte mindestens 28 cm betragen
(der sichere Auftritt ist für Menschen, die mit Schwäche und
Schwindelgefühlen zu kämpfen haben, lebenswichtig). Es sollte nach höchstens
10 Stufen ein Treppenpodest eingerichtet werden, damit die Möglichkeit des
Ausruhens während des Treppensteigens gegeben ist. Die Treppenbreite sollte im
Bedarfsfalle das Anbringen eines zweiten Handlaufs und eines Treppenlifts
(Sitzlift) ermöglichen.
- Fenster
Sie sollten unfallsicher zu handhaben sein (auf keinen
Fall Schwingflügelfenster u. ä.). Im Bedarfsfall sollten sie das Anbringen
eines Insektenschutzes ermöglichen. Das ist besonders für bettlägerige und
allergische Menschen von Bedeutung. Küche und Bad möglichst mit Fenster. Alte
Menschen leiden besonders unter zu wenig Licht. Eine Belüftungsanlage belastet
außerdem die bereits anfälligen Atmungsorgane.
- Räume
Gebraucht werden stufenlose Übergänge zu den einzelnen
Räumen. Die Barrieren an Balkonen und Terrassen müssen das Befahren mit einem
Stubenrollstuhl zulassen. Die Türbreiten müssen mindestens das Durchfahren mit
einem Stubenrollstuhl gewährleisten. Diese Forderung gilt für den Fall, in dem
eine Erkrankung (z.B. Unfall, akute Gleichgewichtsstörungen, Gelenkoperationen,
leichter Schlaganfall) die vorübergehende Benutzung eines Zimmerrollstuhls
erfordert. Die Badtüren müssen nach außen zu öffnen sein (auch Schiebetüren
sind möglich). Die Sitzhöhe der Toiletten sind auf 48 cm anzuheben und als
Toilettenbecken Flachspüler zu verwenden (sichtbarer Hinweis auf Krankheiten).
Die Höhe der Waschbecken muss eine zusätzlich gebückte Haltung vermeiden. Die
Heizungsregelung sollte gut zugänglich und einfach zu handhaben sein.
- Nebengelass
Nicht beheiztes (Fußbodenheizung) Nebengelass ist
unbedingt für den Fall erforderlich, in dem sich die betreffende Person nicht
mehr selbst etwas einkaufen kann und der Gang in einen eventuell vorhandenen
Kellerraum zu beschwerlich ist. Das heißt, sie ist auf Hilfspersonen und damit
auf längere Vorratshaltung (Kartoffeln, Obst, Konserven, Wasch- und
Hygienemittel) in unmittelbarer Wohnungsnähe angewiesen. Das Gelass kann die
Größe eines normalen Vorratsschrankes haben.
- Fahrradraum und Raum für das Abstellen von anderen sanitären
Hilfsmitteln
Fahrräder und diverse sanitäre Hilfsmittel (Rollator,
Rollstühle, Shopper) werden gerade im Alter dringend gebraucht. Sie müssen
einen leicht zu erreichenden Aufbewahrungsort zu ebener Erde bekommen.
- sonstige Räume bei der Vergabe an Mietergemeinschaften
Ein gut
durchlüfteter Raum im Keller, der von allen als Mehrzweckraum (Turnen,
Besprechungen, Hobbys, handwerkliche Aktivitäten) je nach Bedarf und
Voraussetzungen für die Nutzung verwendet werden kann.
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