KDA-Quartiershäuser

Die 5. Generation: KDA-Quartiershäuser

Ansätze zur Neuausrichtung von Alten- und Pflegeheimen

Titelbild

In der Generationenabfolge des stationären Altenwohnbaus hat das KDA die 5. Generation entwickelt: die KDA- Quartiershäuser.

In diesem Buch wird dieser Typ erstmalig umfassend beschrieben. Die drei Prinzipien – Leben in Privatheit, Leben in Gemeinschaft, Leben in der Öffentlichkeit – werden für ein interessiertes Publikum dargestellt und es werden Hinweise für die praktische Umsetzung gegeben. Durch die Unterteilung in drei Prinzipien können klassische Alten- und Pflegeheime, aber auch ambulant betriebene Wohnformen Teilaspekte des Konzeptes in ihren Kontext übertragen.

Leseprobe

6.2 Leben in Privatheit

Es wurden vier Grundrissvarianten für das KDA-Quartiershaus entwickelt (siehe auch Michell-Auli/Sowinski/Lanzerath 2011), mit denen sich das Konzept "Appartement" verwirklichen lässt. Die Entwürfe basieren auf einer Grundkonzeption, die beim Neubau in der stationären Pflege fast überall realisiert wird. Diese gemeinsamen Merkmale lassen sich durch das Vorhandensein der folgenden Elemente charakterisieren:

  • einen Zugang,
  • einen kleinen Vorbereich,
  • von dem das KlientInnenbad erschlossen wird, und
  • das eigentliche Zimmer.

Geringfügige Abweichungen ergeben sich bezüglich der Größen. Ausgangspunkt für die vier Grundrissvarianten des Zimmers im Appartement ist ein Grundrisstyp mit einer Wohnfläche von ca. 16,5 Quadratmetern, der häufig bei Neubauten gewählt wird und eine relativ wohnliche Atmosphäre bezüglich der Möblierung zulässt. Alle vier Grundrissvarianten haben eines gemeinsam: Sie vergrößern durch den Einbau der Pantry-Küche den Grundriss des Zimmers um 1,5 Quadratmeter, also liegen alle KDA-Entwürfe für das Zimmer um die 18 Quadratmeter. Zum Appartement gehört auch ein Bad mit einer Größe von vier Quadratmetern. Damit liegt die Größe des Appartements bei 22 Quadratmetern. Teilweise wird bei Neubauten sogar allein eine Zimmergröße von 20 Quadratmetern angestrebt.

In den Zimmern der Appartements wurde jeweils eine Pantry-Küche integriert. Hierunter verstehen wir im Kontext des KDA-Quartiershauses eine Miniküche, die wie ein Kleiderschrank abgeschlossen werden kann und die folgenden Elemente enthält:

  • kleiner Kühlschrank
  • Kochelement mit zwei Kochplatten
  • Spüle

In jeder der folgenden vier Appartement-Varianten wurde einmal das Bett frei in den Raum und einmal an die Wand gestellt, ansonsten sind die Entwürfe innerhalb der Varianten gleich. Diese unterschiedliche Positionierung des Bettes ist wichtig, da es KlientInnen gibt, deren Pflegeaufwand so hoch ist, dass die Mitarbeitenden von zwei Seiten an das Bett gelangen müssen. Jeder Grundrissentwurf für KlientInnen mit Pflegebedarf muss dies berücksichtigen. Generell aber gilt: Die Klientin/der Klient entscheidet, wo das Bett im Appartement zu positionieren ist. Die meisten Menschen bevorzugen auf Grund von territorialen Aspekten die Position "Bett an der Wand". Deshalb sollte – außer es entspricht dem Wunsch der Klientin/des Klienten – davon abgesehen werden, das Bett dauerhaft in der Mitte des Raums zu positionieren. Ist es erforderlich, die Klientin/den Klienten von zwei Bettseiten her zu unterstützen, lässt sich das Bett nach der Pflegeintervention wieder an die Wand schieben.

Im Folgenden finden Sie vier Varianten der Zimmer im Appartement des KDA-Quartiershauses, von denen zwei eine übliche Zimmerbreite von vier Metern aufweisen (Variante 3 und 4). Die Varianten 1 und 2 weisen hingegen eine Zimmerbreite von 4,36 bzw. 4,38 Metern auf. Die Zimmerbreite ist entscheidend für die Investitionskosten, da sich diese auf den Gesamtbaukörper auswirkt. Wird das Zimmer breiter, hat dies Auswirkungen auf die Kubatur (Baukörper). Dadurch werden z. B. die Flure länger und der Verkehrsflächenanteil erhöht sich mit entsprechenden Auswirkungen auf andere angrenzende Räume.

Appartement Variante 1 Skizze Grundriss

Appartement Variante 1 im Quartiershaus (Michell-Auli/Sowinski/Lanzerath 2011)

In der Variante 1 ist das Appartement 4,36 Meter breit und damit 36 Zentimeter breiter als übliche Standardzimmer in der stationären Pflege. In Eingangsnähe wurde die Küche integriert. Der Kleiderschrank befindet sich von der Tür her gesehen im rückwärtigen Bereich des Appartements. Der Bereich mit dem Tisch und den Stühlen könnte durch einen Sessel ergänzt werden. Alternativ lässt die Zimmergröße die Integration eines kleinen Arbeitsplatzes bzw. Schreibplatzes oder eines Sideboards zu. Der Grundriss führt dazu, dass das Zimmer großzügig wirkt, da es ausreichend Bewegungsflächen bietet. Nachteilig ist, dass der Weg zum Esstisch von der Pantry-Küche relativ lang ist.


Appartement Variante 2 Skizze Grundriss

Appartement Variante 2 im Quartiershaus (Michell-Auli/Sowinski/Lanzerath 2011)

Bei der Variante 2 beträgt die Zimmerbreite 4,38 Meter. Die Pantry-Küche ist in der Nähe des Fensters und des Sitzplatzes an die Mittelwand platziert. Dies hat den Vorteil, dass der Weg von der Küche zum Tisch entsprechend kurz ist. Der Freibereich vor der Küchenzeile ist großzügig, ebenso wie die Gesamtanmutung des Appartements.

Legt man die Zimmerbreite von vier Metern zugrunde, dann fallen zusätzliche Bauwerkskosten (Kostengruppen 300 und 400 nach DIN 276) von 2.500–3.000 Euro an, sofern dadurch keine weiteren baulichen Veränderungen notwendig sind. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn bei einem Umbau bauliche Veränderungen im darunter oder darüber liegenden Geschoss erforderlich sind, um den Baukörper insgesamt anzugleichen. Die Kosten für eine Pantry-Küche belaufen sich einschließlich der benötigten Anschlüsse für Wasser und Strom auf 3.000–5.000 Euro. Aus Sicherheitsgründen braucht der Herd eine Herdsicherung, damit die Herdplatten automatisch abgeschaltet werden, wenn z. B. kein Topf auf dem Herd steht. Der Brandschutz ist durch die Vollüberwachung gewährleistet. Abschließend lassen sich damit die investiven Zusatzkosten im Vergleich zu konventionellen Zimmern auf ca. 5.800–8.300 Euro abschätzen, die sich aus den 1,5 Quadratmetern mehr für das Zimmer im Appartement (2.500–3.000 Euro), der Pantry-Küche (3.000–5000 Euro), der Klingel (80 Euro) und der aufwendigeren Schließanlage (200 Euro) ergeben.

Allerdings ergeben sich durch das Appartementkonzept auch Einsparungen. So ist es möglich, auf die sehr teure Standardmöblierung – mit Ausnahme des Bettes – zu verzichten. Das Appartementkonzept leistet einen Beitrag zu einer bessere Begleitung der KlientInnen und damit zu einer Entlastung der Mitarbeitenden. Eine positive Atmosphäre führt ebenso zu einer Entlastung, da potenziell mehr Angehörigenarbeit und Bürgerschaftliches Engagement möglich ist. Bei der Höhe der Baukosten muss ebenso berücksichtigt werden, dass oftmals "regionale Verpflichtungen" bestehen, einen ortsansässigen, manchmal nicht ausreichend qualifizierten Architekten zu beauftragen. Dies kann zu höheren Baukosten führen als notwendig.

Das private Badezimmer - Tipps für mehr Atmosphäre

In der Praxis wie auch in den Appartement-Varianten ist das Bad – aufgrund der involvierten Kosten – mit ca. vier Quadratmetern relativ klein. Oft ist dann nur noch Platz für ein Regal oder einen kleinen Schrank. Dies führt jedoch häufig zu unpersönlichen Bädern ohne "Wohlfühlcharakter". Im Folgenden daher einige Tipps, um dem Bad mehr Atmosphäre zu geben:

  • Gezielter Einsatz von Licht und Farbe
  • Fliesen können ein attraktives Gestaltungsmittel sein; es müssen nicht immer weiße Fliesen verwendet werden. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass das Bad von den KlientInnen in Besitz genommen werden kann. Eine bereits vorliegende ausgeprägte Farbgestaltung verringert die Möglichkeiten der KlientInnen zur eigenen Gestaltung. Dies fängt bereits mit den eigenen Handtüchern an, die je nach Geschmack ggf. nicht mehr zum vorhandenen Farbkonzept passen.
  • Wird die Nasszelle nur dort gefliest, wo eine entsprechende Wasserbelastung vorliegt, z. B. im Duschbereich, ergeben sich alternative Gestaltungsmöglichkeiten etwa durch Tapeten oder eine gestrichene Wand, die einen atmosphärischen Kontrapunkt zu den kühlen Oberflächen der Fliesen setzen.
  • Farbige Handtücher, Badematten und optisch wirkungsvolle Duschvorhänge stellen ebenfalls Gestaltungsoptionen dar. Der Duschvorhang kann aber gerade, wenn er nass ist, ein unangenehmes Hindernis für KlientInnen, Angehörige und Mitarbeitende sein. Hier ist wieder der KlientInnen-Geschmack und -Wille ausschlaggebend.
  • Hilfreich sind auch die im Handel erhältlichen kleinen, fahrbaren Regalwagen. Diese lassen sich herausschieben, wenn die KlientInnen im Bad unterstützt werden.

6.3 Leben in Gemeinschaft

Das Flächenangebot der Küche steigt nicht proportional zu der Anzahl KlientInnen. Ein offener Essbereich erfordert eine Fläche zwischen zwölf und 16 Quadratmetern für den Kochbereich. Für den Essbereich werden etwa 2,5 Quadratmeter pro KlientIn benötigt, für den sich damit bei zwölf KlientInnen ein Raumbedarf von etwa 30 Quadratmetern ergibt. Die Küche mit dem Herd und dem Kochfeld im Zentrum sollte offen mit Sichtbezügen zu den angrenzenden Räumen gestaltet sein. Ein Wohnraum mit etwa 16 Quadratmetern, der ...

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50677 Köln

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Inhalt

  1. Einleitung
  2. Ausgangspunkte für die Entwicklung der drei Prinzipien der KDA-Quartiershäuser
  3. Prinzip "Leben in Privatheit"
  4. Prinzip "Leben in Gemeinschaft"
  5. Prinzip "Leben in der Öffentlichkeit"
  6. Architektonische und raumgestalterische Implikationen
    • Grundlegendes
    • Leben in Privatheit
    • Leben in Gemeinschaft
    • Leben in der Öffentlichkeit
  7. Ansatzpunkte für ein erfolgreiches Management
  8. Finanzierung kleiner Häuser
  9. Rechtliche Rahmenbedingungen
  10. Schlussbetrachtung: Warum wir die KDA-Quartiershäuser brauchen!

Die KDA-Generationenabfolge des Altenwohnbaus

  1. Generation
    Anstaltstyp (Nachkriegszeit, Mehrbettzimmer, minimale Ausstattung, z. B. Sanitäreinrichtungen)
  2. Generation
    Altenkrankenhaus (60er bis 70er Jahre, eher Zweibettzimmer, verbesserte Ausstattung, z.T. Bäderabteilungen, eigene Physiotherapie)
  3. Generation
    Altenwohnhaus, Prototyp in Haltern (80er u. 90er Jahre, Orientierung am Wohngruppenkonzept, allmählich mehr Einzelzimmer)
  4. Generation
    Stationäre Hausgemeinschaft (um 2000, Loslösung von zentralen Versorgungseinheiten wie Großküche und Wäscherei, stattdessen Leben und Kochen in Wohngruppe, fast nur Einzelzimmer)

Tipps

Hersteller/ Produkte

Hersteller/ ProdukteHier finden Sie Firmen, die im Zusammenhang der baulichen Anforderungen der DIN 18040 und weiteren relevanten Richtlinien, ihre Leistungen anbieten.
Ebenso Hilfsmittel, die zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen oder auch zur Verbesserung Ihres Lebensumfeldes beitragen.

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