KDA-Quartiersentwicklung

Quartiersentwicklung: KDA-Ansatz und kommunale Praxis

Titelbild

"Quartiersentwicklung" bedeutet, das Lebensumfeld von Menschen so zu gestalten, dass sie auch mit Hilfe- und Pflegebedarf so lange wie möglich in der eigenen Häuslichkeit verbleiben können. Das KDA hat hierzu ein Zielsystem entwickelt, welches die notwendigen Handlungsfelder ausführlich beschreibt.

Für die erfolgreiche Umsetzung einer Quartiersentwicklung wurde ein Managementansatz für die kommunale Praxis entwickelt, der in diesem Buch umfassend und handlungsorientiert dargestellt und erläutert wird.

Leseprobe

2. Ziele der Quartiersentwicklung

Das vom KDA entwickelte Zielsystem für eine Quartiersentwicklung besteht aus sechs Zielen (siehe Abbildung 1), die in engem Zusammenhang stehen.

Die Ziele 1 bis 4 schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Dienstleistungen und Angebote – einschließlich gesundheitsfördernder und präventiver Angebote (Ziel 5) – ihre volle Wirkung entfalten können. So können Menschen, die es wünschen, länger zu Hause leben, ohne dabei unterversorgt zu sein.

Die Ziele 1 und 2 – das wertschätzende gesellschaftliche Umfeld und die tragende soziale Infrastruktur – sind hierbei "weiche" Voraussetzungen.

Ziel 3 und 4 bilden physische Voraussetzungen in Form einer generationsgerechten räumlichen Infrastruktur und von bedarfsgerechten Wohnangeboten. Das heißt zum Beispiel, dass für einen längeren Verbleib zu Hause neben einem ambulanten Pflegedienst (Ziel 5) auch die Barrierefreiheit der Wohnung (Ziel 4) erfüllt sein muss.

Ebenfalls kann ein längerer Verbleib zu Hause bei einem Menschen mit Demenz von der Toleranz der Nachbarn abhängen (Ziel 1). Es ist deshalb wichtig, der Gefahr zu widerstehen, sich zu einseitig auf Hilfe- und Unterstützungsbedarf zu fokussieren und dabei zu wenig an die Grundlagenarbeit (siehe Ziele 1 bis 4) zu denken.

Die wohnortnahe Beratung und Begleitung (Ziel 6) ermöglicht zum einen, dass die Rat- und Hilfesuchenden ein passendes Gesamtportfolio an Dienstleistungen und Angeboten organisieren und managen können oder hier bis zur kompletten Übernahme dieser Aufgaben entsprechende Unterstützung gegeben wird; zum anderen können Versorgungslücken bestimmt werden, da hier Angebot und Nachfrage in einem wesentlichen Ausmaß zusammenlaufen. Das Wissen über die Versorgungslücken kann dann in die Quartiersentwicklung als Impuls eingebracht werden.

6 Ziele der Quartiersentwicklung
Abb. 1: Zielsystem der Quartiersentwicklung (Michell-Auli 2011,2012)

2.3 Generationsgerechte räumliche Infrastruktur

Die "generationsgerechte räumliche Infrastruktur" (Ziel 3) ist eine "physische" Grundvoraussetzung für einen längeren Verbleib im Quartier. Für ältere Menschen muss eine physische Infrastruktur geschaffen werden, die es ihnen ermöglicht, am Leben teilzuhaben. Diese Voraussetzung lässt sich sehr schön aus der Notwendigkeit der Barrierefreiheit öffentlicher Räume ableiten, welche im Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalen zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (Behindertengleichstellungsgesetz Nordrhein-Westfalen – BGG NRW) rechtlich verankert ist.

Die Barrierefreiheit ist dann gegeben, wenn eine Nutzung für alle Menschen gleichermaßen möglich ist, grundsätzlich ohne fremde Hilfe und in der allgemein üblichen Art und Weise. Hier geht es um bauliche und sonstige Anlagen, die Verkehrsinfrastruktur, technische Gebrauchsgegenstände, akustische und visuelle Informationsquellen usw. Entscheidend ist, dass eine barrierefreie Gestaltung allen Generationen zugutekommt, seien es Personen mit schwerem Gepäck, Gipsbein oder vergessener Lesebrille oder eben auch Eltern mit Kinderwagen. Auch gut lesbare Hinweisschilder geben allen BürgerInnen Orientierung.

Damit ist zwar die Frage beantwortet, wie die Infrastruktur gestaltet werden muss, nicht aber, welche Infrastruktur im Einzelnen benötigt wird. Hierbei ist alles zu erfassen, was für ein erfülltes und an der Leitidee der Selbstständigkeit und Normalität orientiertes Leben benötigt wird. Es geht beispielsweise um die Bereitstellung von niedrigschwelligen Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten im nächsten Umfeld, etwa in Form von Grünflächen, Sitzbänken oder generationsübergreifenden Spielplätzen.

Zentral für die Entwicklung eines sozialen Gemeinwesens ist die Schaffung von Begegnungsräumen, die in Form von BürgerInnentreffpunkten oder -cafés bestehen können. Teilhabe setzt auch eine mobilitätsfördernde Verkehrsinfrastruktur voraus.

In einem Projekt der Sozialholding Mönchengladbach wurden beispielsweise Bushaltestellen an zentrale Anlaufpunkte – wie barrierefreie Arztpraxen – verlegt. Ganz wesentlich sind auch vor Ort verfügbare Einkaufsmöglichkeiten, bei denen zumindest der tägliche Bedarf sichergestellt werden kann. Hier ergeben sich wiederum Kontaktmöglichkeiten, die für den Aufbau und die Pflege von Sozialbeziehungen eine wichtige Rolle spielen. Auch die Bargeldversorgung sollte im Quartier zum Beispiel durch einen Geldautomaten sichergestellt sein.

2.4 Bedarfsgerechte Wohnangebote

Eine weitere "physische" Grundvoraussetzung für einen längeren Verbleib bilden auch "bedarfsgerechte Wohnangebote" (Ziel 4). Normale Wohnungen müssen so gestaltet werden, dass Menschen mit Mobilitäts-, Sinnes- oder Orientierungseinschränkungen diese möglichst lange nutzen können. Hier geht es auch um Barrieren, die gerade bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen (zum Beispiel bei Demenz) das Sturzrisiko erhöhen, da Hindernisse verkannt werden.

Eine repräsentative Befragung des KDA (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 2011) hat hier einen besonderen Handlungsbedarf aufgezeigt: Nur fünf Prozent aller SeniorInnenhaushalte sind barrierefrei bzw. barrierearm.

Es gilt auch, durch den verstärkten Einsatz von Technik – etwa im Rahmen des Ambient Assisted Living (AAL) – die Wohnungen für Menschen mit Hilfe- und Pflegebedarf länger bewohnbar zu machen. Gerade bei früher Demenz ergeben sich hier Chancen in Bezug auf Erinnerungs-, Erkennungs- und Orientierungshilfen etwa dadurch, dass jeden Morgen die Tageszeitung im Spiegelschrank, der auch als Bildschirm genutzt wird, erscheint oder dass die Einnahme von Medikamenten durch einen sich automatisch öffnenden Schrank unterstützt wird.

Für die unterschiedlichen Wohnwünsche im Quartier müssen ebenso bedarfsgerechte Wohnformen, beispielsweise spezielle Wohnformen für Menschen mit Demenz, verfügbar gemacht werden. Um den Bestand altersgerechter Wohnungen als wesentlichen Baustein des Ziels 4 zu erhöhen, sollte über Fördermöglichkeiten sowohl auf Bundes- und Landesebene als auch auf kommunaler Ebene nachgedacht werden, die es den unterschiedlichen EigentümerInnengruppen – insbesondere PrivateigentümerInnen – erleichtern, entsprechende Investitionen durchzuführen. Damit würde ein längerer Verbleib in der eigenen Häuslichkeit wesentlich gefördert (Kremer-Preiß, Stolarz, Mehnert 2010).

2.5 Bedarfsgerechte Dienstleistungen und Angebote

Erst bei den "bedarfsgerechten Dienstleistungen und Angeboten" (Ziel 5) geht es um den klassischen Bereich der Dienstleistungen und Angebote einschließlich solcher, die dem präventiven Bereich zugeordnet werden können. Ein längerer Verbleib zu Hause bzw. im Quartier setzt voraus, dass benötigte haupt- und ehrenamtliche Dienstleistungen und Angebote verfügbar sind. Auch Leistungen, die auf der Basis von Selbsthilfe und dem familialen Pflegepotenzial entstehen, sind unter diesem Ziel subsumiert.

Es geht um die Bereiche Unterstützung und Pflege, Soziales, Kultur sowie um haushaltsnahe Dienstleistungen und Mobilitätsangebote wie zum Beispiel Fahrdienste, ohne die sich bereits erste mögliche Hindernisse für einen Verbleib zu Hause ergeben können.

Auch der klassisch gewerbliche Bereich spielt hierbei eine wesentliche Rolle. So ist es für Privathaushalte oftmals schwierig, Handwerker für Kleinaufträge zu engagieren. Überhaupt wird es in Zukunft vermehrt darum gehen, gewerbliche Anbieter in Versorgungsarrangements mit einzubeziehen. Dies ist gerade dann möglich, wenn das Bewusstsein wächst, dass dies zu einer Sicherung von eigenen Kunden führt, die etwa bei einer Abwanderung in ein stationäres Versorgungssetting nicht mehr zur Verfügung stehen. So macht es Sinn, dass beispielsweise ein Einzelhändler in Krisensituationen einen Lieferservice bereitstellt und hierbei nach dem Kunden schaut.

Nicht selten werden sowohl hauptamtliche Dienstleistungen als auch ehrenamtliche Angebote benötigt. In diesen Fällen wird von einem Hilfemix (Dienstleistungs- und Angebotsportfolio) gesprochen. Die Erbringung eines Hilfemix kann für eine Kundin bzw. einen Kunden nur dann optimal ablaufen, wenn die Leistungen koordiniert und aufeinander abgestimmt werden.

Die derzeitige Finanzierungsform der stationären Pflege stellt faktisch eine Zusammenfassung der Ziele 4 und 5 dar, da mit den Pflegesätzen primär eine "Wohnung" gemietet und ein umfassendes Dienstleistungspaket beauftragt wird.

2.6 Wohnortnahe Beratung und Begleitung

Das letzte Ziel bildet eine Art Nukleus der Quartiersentwicklung: Die "wohnortnahe Beratung und Begleitung" (Ziel 6) ist eine Anlaufstelle für alle BürgerInnen. Diese muss es geben, da unter anderem ...

Die Broschüre ist zum Preis von 19,90 EURO (inkl. Umsatzsteuer, zzgl. Versandkosten 3,00 EURO) beim KDA über das Kontaktformular zu bestellen.


Kontaktformular / Informationen anfragen

Ihre Angaben

Anrede
Name*
Firma
Strasse/ Hausnr.*
PLZ* - 
Ort*
Telefon*
Email*

Bestellung

 

Informationen

Fragen und Hinweise
zum Angebot

Datenschutz-Zusicherung: Die eingetragenen Angaben, insbesondere die E-Mail-Adresse, werden nur zum Zweck der Beantwortung Ihrer Anfrage verwendet.

Autorinfo

Logo: Kuratorium Deutsche Altershilfe

50677 Köln

Zusatzinfo

Inhalt

Vorwort

Teil I: KDA-Ansatz zur Quartiersentwicklung

  1. Hintergründe für die Entwicklung des KDA-Ansatzes
  2. Ziele einer Quartiersentwicklung
    • Wertschätzendes gesellschaftliches Umfeld
    • Tragende soziale Infrastruktur
    • Generationsgerechte räumliche Infrastruktur
    • Bedarfsgerechte Wohnangebote
    • Bedarfsgerechte Dienstleistungen und Angebote
    • Wohnortnahe Beratung und Begleitung
  3. Umsetzung der Ziele
  4. Managementansatz für Kommunen

Teil II: Kommunale Quartiersentwicklung in der Praxis

Einführung

  1. Grundprinzipien der Quartiersorientierung
  2. Quartiersorientierung als Leitbild kommunaler Altenhilfeplanung
  3. Umsetzung der Quartiersentwicklung
  4. Quartiersentwicklung verstetigen

Die KDA-Generationenabfolge des Altenwohnbaus

  1. Generation
    Anstaltstyp (Nachkriegszeit, Mehrbettzimmer, minimale Ausstattung, z. B. Sanitäreinrichtungen)
  2. Generation
    Altenkrankenhaus (60er bis 70er Jahre, eher Zweibettzimmer, verbesserte Ausstattung, z.T. Bäderabteilungen, eigene Physiotherapie)
  3. Generation
    Altenwohnhaus, Prototyp in Haltern (80er u. 90er Jahre, Orientierung am Wohngruppenkonzept, allmählich mehr Einzelzimmer)
  4. Generation
    Stationäre Hausgemeinschaft (um 2000, Loslösung von zentralen Versorgungseinheiten wie Großküche und Wäscherei, stattdessen Leben und Kochen in Wohngruppe, fast nur Einzelzimmer)

Tipps

Hersteller/ Produkte

Hersteller/ ProdukteHier finden Sie Firmen, die im Zusammenhang der baulichen Anforderungen der DIN 18040 und weiteren relevanten Richtlinien, ihre Leistungen anbieten.
Ebenso Hilfsmittel, die zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen oder auch zur Verbesserung Ihres Lebensumfeldes beitragen.

KfW Fördermittel

KfW FördermittelLassen Sie Sich von Anbietern förderfähiger Baumaßnahmen Infomaterial zusenden.

Im Moment sind die Zinskonditionen besonders günstig. Sie erhalten Ihren KfW-Kredit bereits ab 1,00% eff. p. a.!

Fehlerteufelchen