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Inklusion in Kindergärten und an Schulen

Inklusion in Kindergärten und an Schulen

Seit 26. März 2009 gilt in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (Behindertenrechtskonvention, BRK). Der Artikel 24 ist dem Thema "Bildung" gewidmet und fordert unter anderem die Sicherstellung, dass "in Übereinstimmung mit dem Ziel der vollständigen Integration [Inklusion] wirksame individuell angepasste Unterstützungsmaßnahmen [...] angeboten werden." Dies fördere die bestmögliche schulische und soziale Entwicklung.

Welche Auswirkungen hat das für die planenden Architekten, für Entscheidungsträger öffentlicher Einrichtungen aber auch für die zuständigen Kultusministerien der Länder und deren Konferenzen? Wie weit ist die Politik derzeit mit der Umsetzung der Konvention im Bereich Kindergärten und Schulen? Welche Richtlinien und Normen gelten beispielsweise bezüglich der Zugänglichkeit und der Raumakustik? Worauf sollten Eltern achten, wenn Sie daran denken, Ihr beeinträchtigtes Kind auf eine inklusive Schule zu schicken?

Politische Initiativen am Beispiel Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen

Seit August 2013 haben alle Schüler in Niedersachsen einen Anspruch auf einen barrierefreien und gleichberechtigten Zugang zu ihrer Schule bis zum Ende der Sekundarstufe I. Für einen Übergangszeitraum von fünf Jahren können - laut Landtagsbeschluss vom 20. März 2012 - kommunal zwar noch Schwerpunkte auf einzelne Schulen gelegt werden, ab 2018 jedoch muss jede Schule (bis zum Ende der Pflichtschulzeit) eine inklusive Schule im Sinne der Behindertenrechtskonvention sein.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen verabschiedete am 3. Juli 2012 den Aktionsplan "Eine Gesellschaft für alle - NRW inklusiv". Bildungsministerin Sylvia Löhrmann dazu: "Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen sollen das Recht auf einen Platz in einer allgemeinen Schule erhalten, in der sie gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung lernen. Unser Ziel ist, dass dieser gemeinsame Unterricht zum Normalfall wird. Eltern sollen aber auch weiterhin die Förderschule wählen können, sofern sie diese für ihr Kind vorziehen und ein entsprechender Bedarf an Förderschulen vorhanden ist." Eine vom Schulministerium in Auftrag gegebene und 2011 vorgelegte wissenschaftliche Studie spricht vom "Weg zu einem inklusiven Bildungssystem" und gibt zunächst für ihre Empfehlungen ein Zeitfenster bis 2020 vor.

Es reicht nicht, nur mehr besonders geschulte Lehrkräfte und Erzieher einzustellen

Damit sind die Ziele zunächst politisch definiert. In erster Linie - so scheint es - soll die Gleichberechtigung von beeinträchtigten und nicht beeinträchtigten Kindern über die zahlenmäßige Stärkung des Erziehungspersonals und qualifiziert ausgebildeter Lehrer erreicht werden. Ebenso wichtig wie die vermittelten Inhalte sind aber auch die äußeren Bedingungen, unter denen Kinder lernen und sozialisiert werden:

Die Zugänglichkeit der Räume beginnt mit entsprechenden Behindertenparkplätzen für Eltern und Lehrer vor der Schule. Sie erstreckt sich über rollstuhlgerechte Eingänge ins Gebäude sowie in die Klassenzimmer über Aufzüge bis hin zur kontrastreichen Farbgestaltung von Markierungen auf Glasflächen oder am Fußboden für Sehbehinderte. Welche Konsequenzen aber ergeben sich daraus konkret für die planenden Architekten?

Die Realität am Beispiel Raumakustik - Gutachten bestätigen oft mangelhafte Zustände

Die jeweiligen Landesbauordnungen regeln grundsätzlich, dass bestimmte Richtlinien beim Bau oder Umbau von Kindergärten und Schulen eingehalten werden.
Wie nun ein Neubau oder Umbau konkret erfolgt, sagen die DIN 18040-1 (öffentlich zugängliche Gebäude) sowie die DIN 18041 Hörsamkeit in kleinen und mittleren Räumen.

Der Akustik-Experte und nullbarriere-Autor Carsten Ruhe hat in zwei Untersuchungen die Raumakustik von Schulen und Kindertagesstätten analysiert. Seine statistischen Erhebungen zu 150 Modernisierungsprojekten beziehungsweise Umbauprojekten von Klassenräumen zeigen, dass die akustische Situation häufig mangelhaft ist. Oft fehle es schon an den notwendigen finanziellen Mitteln, um die Bedingungen des rauhen Schulalltags für nicht beeinträchtigte Schüler baulich zu optimieren. Ganz zu schweigen von der Idee, hier für einen hörgeschädigten Menschen gute Bedingungen zu schaffen. Die Nachhallmessungen ergaben auch in allen untersuchten Kindertagesstätten, dass die Schallpegel infolge zu geringer Schallabsorption der raumbegrenzenden Flächen unnötig und unerwünscht hoch waren.

Beispiele für Inklusion auch in Küchen und Sanitärräumen

Sowohl in den Kindergärten als auch in Schulen gilt es, bei der Planung von Baumaßnahmen und Umbaumaßnahmen künftig nicht nur in Klassenzimmern und Aufenthaltsräumen oder Spielzimmern auf Barrierefreiheit zu achten. An höhenverstellbaren Kochtischen können alle Kinder beispielsweise grundsätzlich sicherer arbeiten. Auch bei der Einrichtung von Sanitärräumen gilt es jedoch neben der üblichen Merkmale wie Höhe und Sicherheit der einzelnen Objekte daran zu denken, dass eben ein sehbehindertes Kind und ein Rollstuhlfahrer spezielle Bedürfnisse haben, die von der allgemeinen Norm abweichen. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat dazu eine entsprechende Richtlinie herausgegeben, die auch auf nullbarriere.de veröffentlicht ist.

Wie weit sind wir wirklich?

Im Auftrag eines überregionalen Trägers von 41 Förderschulen in Nordrhein-Westfalen hat die Universität Würzburg im Juni 2012 eine Studie vorgelegt. Diese untersucht, unter welchen Bedingungen das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit dem Förderbedarf körperliche und motorische Entwicklung und ohne Förderbedarf gelingen kann.

Zumindest heute - so die Studie - ist der Wechsel von einer Förderschule zu einer inklusiven Schule noch nicht für jedes beeinträchtigte Kind möglich. Besonders pflegebedürftige Kinder müssen an Inklusivschulen oft auf entsprechendes Personal und die Räumlichkeiten verzichten. Auch das soziokulturelle Umfeld der Eltern und der damit verbundene Entwicklungsstand der Schüler spielen derzeit eine wesentliche Rolle: Selbstbewusste, durchsetzungsfähige und offen-kommunikative Beeinträchtigte integrieren sich demnach deutlich leichter als introvertierte und verhaltensauffällige Kinder.

Insgesamt hat die Politik erkannt, dass es nun gilt, die UN-Konvention-BRK auch tatsächlich umzusetzen. Auf dem Weg zu dieser Umsetzung wurden allerdings bisher nur die ersten Schritte absolviert. Finanzielle Mittel in den Händen der Entscheidungsträger sind besonders im Bereich der Inklusion von Kindergärten und Schulen mindestens genauso wichtig wie wohlwollende Absichtserklärungen.

Was Eltern beim Schulwechsel beachten sollten

Im Bereich der Richtlinien, Landesbauordnungen und Normen ist für Planer - abgesehen von den meist noch leeren Kassen - immerhin ein Prozess in Gang gekommen, der jedoch bei weitem noch nicht abgeschlossen ist. Im Moment sollten betroffene Eltern sehr darauf achten, dass bei dem Wechsel in einen inklusiven Kindergarten oder auf eine ebensolche Schule tatsächlich auch alles Denkbare bereits umgesetzt oder zumindest in konkreter Planung ist.

Was Architekten/ Planer, Schulen und Kitas beim Neubau oder Umbau beachten sollten

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Behindertengerechter Kfz-Stellplatz/Außenanlagen

Ein Behindertenparkplatz mit entsprechender Stellplatzfläche ist für Rollstuhlfahrer aber auch für Eltern, die einen Kinderwagen ausladen, bequem.

Außenanlage, Beläge, Treppen, Rampen Elektrische Freiflächenheizung für Außenanlagen, Verkehrsanlagen

Außengelände/Spielbereiche

In Kitas müssen Spielbereiche im Freien direkt zugeordnet und zur Verkehrsfläche abgesichert sein. Es sollten pro Kind 10 qm Bewegungsfläche zur Verfügung stehen.

Spielgeräte für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen integrativer Spielplatz - barrierefreie Spielräume Spielplatz mit Spielgeräten aus Holz

Rampen und Handläufe

Rampen mit einer maximalen Steigung von 6% zur Überwindung von Zwischenstufen müssen eine nutzbare Breite von mindestens 1,00 m aufweisen. Handläufe und Geländer erhöhen die Sicherheit.

Rollstuhl-Rampen und Auffahrhilfen aus Aluminium Profilrampen und Podeste, Teleskoprampen, Auffahrrampen Modulare Rollstuhlrampen Handlauf für Treppen und Rampen Handlauf und Geländer für Treppen, Rampen, Gehweg und Brüstungen

Senkrechtaufzüge

Im Neubau mit Geschossebenen müssen Aufzüge mindestens dem Typ 2 der DIN EN 81-70 entsprechen. Bei Umbaumaßnahmen kommen auch Behindertenlifte zum Einsatz.

Homelift, leiser Senkrechtlift bis 5 Etagen Aufzug - Behindertenlift Behindertenaufzug, Senkrechtlift Flexibler Senkrechtlift für innen und außen Senkrechtaufzug Senkrechtlifte mit Schacht bis 18m Förderhöhe Personenaufzug, Senkrechtlift mit Kabine

Hebebühnen

Hebebühnen sind zum senkrechten Transport von Behinderten in Rollstühlen, Gehbehinderten oder auch Kinderwagen bei geringen Hubhöhen bis ca. 3m sinnvoll.

Hebebühnen bis 1,00m Förderhöhe

Hebelifte bis 1 Meter Hubhöhe Rollstuhl-Hebebühne bis 3 Meter Hubhöhe Hebebühne mit Förderhöhe bis 3 m Hebeplattformlift,  Hubbühne, Hebebühne

Hebebühnen bis 3,00m Förderhöhe

Hublifte bis 3m Hubhöhe mit unterschiedlichen Plattformgrößen Hebebühnen von 0,75m bis 3,00m Hebeplattformlift,  Hubbühne, Hebebühne Kompakter Rollstuhl-Hebelift für innen und außen bis 3m Hubhöhe

Türen

Türen sollten leicht zu öffnen sein (Obentürschließer). Türaufschläge zur Wand gefährden Kinder. Quetschstellen und Scherstellen sind mit Klemmschutz zu sichern.

Automatische Türen Türschließer, Fluchtwegsystem, Rettungswegsystem Türöffner PORTEO Fingerschutzzargen, Kantenschutz, Wandschutz

Rutschhemmende Bodenbeläge

Bodenbeläge müssen rutschhemmend, sinngemäß mindestens R 9 nach BGR 181 und fest verlegt sein; dies gilt für Eingangsbereich, Flur, Gruppenraum, Pausenraum, Büro und Treppen.

Kunststoff - Designbodenbelag Antirutsch-Beschichtungen

Behindertengerechte Küchen

Oberschranklifte, Arbeitsplattenlifte und höhenverstellbare Tische ermöglichen kleinen Menschen und Rollstuhlfahrern das Arbeiten in einer Therapieküche.

Barrierefreie Möbelsysteme Liftsysteme für Küchen

Höhenverstellbare WC-Anlagen und Waschtische

Elektromotorisch oder manuell höhenverstellbare WC-Lifter und Waschtische erleichtern Kindern/ Schülern mit Rollstuhl und Menschen mit unterschiedlichen Größen das Benutzen.

höhenverstellbare WCs

BIS Vario - höhenverstellbare Waschtische und WCs Waschtische, WC-Lifter, Stützklappgriffe, Duschsitze WC verstellbar, horizontal, vertikal Closomat Dusch-WC und WC-Lifter mit Stützgriffen WC-Lifter mit Stützgriffen, höhenverstellbar

Waschtische/Waschtischlifter

Höhenverstellbare Waschtische WC verstellbar, horizontal, vertikal Höhenverstellbare Waschtische barrierefreie, unterfahrbare Waschtische

Höhenverstellbare Wickeltische

Bei tief absenkbaren Wickeltischen können größere, mobilere Kinder den Wickelplatz eigenständig besteigen. Um Platz zu sparen, bieten sich Wickeltische zum hochklappen an.

Wickeltische, Pflegeliegen, Duschliegen behindertengerechte Möbel Höhenverstellbare Wickeltische, Pflegetische

Rettungsgeräte für den Notfall

Treppenraupen sind für die Evakuierung von Rollstuhlfahrern geeignet. Bei nicht Vorhandensein eines gebauten 2. Rettungsweges/ Treppe aus Obergeschossen ist ein Rettungsschlauch geeignet.

Treppenraupen für Rollstuhlfahrer Treppenraupe Antano EVACUSAFE Rettungsstühle Personenrettungsschlauch

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Redaktion nullbarriere.de,
Helmut Schäfer

freier Journalist und Politologe

10119 Berlin

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