 Konzept einer Senioren-Hausgemeinschaft
Lebens(t)raum Vitalis - Gemeinsam älter werden
Inhalte aus der Diplomarbeit über "Neues Wohnen im Alter"
von Susanne Geißdörfer
Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung Deutschlands hat sich
innerhalb eines Jahrhunderts fast verdoppelt. In Kombination mit der sinkenden
Geburtenrate prognostizieren Demografen schon in Kürze eine Überalterung der
Gesellschaft. Individualisierung der Bevölkerung und gestiegene Ansprüche an
das Leben im Alter führen dazu, dass die heutigen Senioren- und Pflegeheime
weder der hohen Nachfrage noch den veränderten Anforderungen gerecht werden.
Neue Wohn- und Lebensmöglichkeiten müssen her, die den Bedürfnissen der
Senioren entsprechen. Letztere beziehen sich nicht nur auf die Versorgung im
Alter sondern auch auf das Wohnumfeld, die Infrastruktur, die sozialen Kontakte
und die Bewältigung des Alltags.
Niemand möchte als alter Mensch "alt" behandelt oder gar
bevormundet werden. Das Streben nach Unabhängigkeit, Selbständigkeit und
Eigenverantwortlichkeit ist sehr groß. Senioren möchten auch im hohen Alter
noch gebraucht werden, aktives und wertvolles Mitglied einer Gemeinschaft sein.
Vereinsamung und Depressionen, wie es das Leben in vielen Seniorenheimen mit
sich bringt, führen zu frühzeitigem Abbau von körperlichen und geistigen
Fähigkeiten. Das muss nicht sein!
Gemeinschaftliche Wohnformen vereinen alle Anforderungen und Wünsche an
einen erfüllten Lebensabend. Die Bandbreite der angebotenen Konzepte reicht von
richtigen Wohngemeinschaften, wie man sie aus Studentenzeiten kennt, bis hin zu
Hausgemeinschaften und weitläufigen Siedlungskonzepten. Sie unterscheiden sich
jeweils in der Art der Versorgung und des Zusammenlebens.
Anhand einer Senioren-Hausgemeinschaft wird beispielhaft aufgezeigt, wie
gemeinschaftliches Wohnen zu einer zufriedenen Lebensweise führt und welche
Bedingungen dafür geschaffen werden müssen.
Hausgemeinschaft bedeutet, dass jeder Bewohner des Hauses über eine eigene abgeschlossene
Wohnung verfügt, die für ihn privaten Rückzugs- und Lebensbereich darstellt.
Sie kann nach eigenen Wünschen und Vorlieben gestaltet werden und wird somit
dem Wunsch nach Individualität und Privatsphäre gerecht. Im Gegensatz zu
normalen Mietshäusern existieren bei Hausgemeinschaften zusätzliche
Aufenthaltsräume, die das Zentrum des Hauses bilden und für alle Bewohner
jederzeit zugänglich sind.
Grundgedanke
dieser Wohnform ist, als Gemeinschaft unter einem Dach zu leben, miteinander
aktiv zu sein, dennoch ein eigenes Leben zu führen und sich im eigenen Haushalt
selbst zu versorgen. Das Zusammenleben der verschiedenen Senioren wird von ihnen
selbst organisiert. Sie können Haushaltspläne erstellen, sowie Ämter und
Aufgaben untereinander verteilen. Haus und Hof soll gemeinsam gepflegt und
erhalten werden, als wäre es ihr Eigentum. Hierzu gehört die Bewirtschaftung
der Grünflächen und des Nutzgartens ebenso wie das Reinigen von Hof und
Gehweg. Jeder Bewohner wird eingebunden und kann seinen Teil zum Gelingen
beitragen. Die
selbständige Organisation des Zusammenlebens stellt die Senioren vor neue
Herausforderungen, verlangt Lösungen und aktive Beteiligung. Dieses
Zusammenspiel hält körperlich und geistig fit, fördert die individuellen
Kompetenzen und Stärken der Bewohner. Des weiteren wirkt sich das Zusammenleben
auf die Lebenszufriedenheit der Bewohner positiv aus. Sie finden hier neue
Freunde, können enge Kontakte und Beziehungen zwischen einander aufbauen und
sind letztlich Teil einer großen funktionierenden Gemeinschaft.
Jeder der Bewohner kann zum Gelingen beitragen. Charaktereigenschaften wie
Kompromissbereitschaft, Gemeinschaftssinn, Toleranz, Flexibilität und
Engagement sind die Säulen des Zusammenlebens. Schließlich erfolgt das Leben
in solch einer Hausgemeinschaft freiwillig und auf eigenen Wunsch.
Mit dem Motto "gemeinsam älter werden" ist auch gegenseitige Hilfe
und Fürsorge verbunden, falls einer der Bewohner aus gesundheitlichen Gründen
keinen eigenen Haushalt mehr führen kann. Oberstes Ziel der Hausgemeinschaft
ist, dass jeder Mitbewohner bis zum Tod in der Gemeinschaft wohnen bleiben kann
und nicht bei nachlassender Gesundheit in ein Pflegeheim umziehen muss. Für ein
krankes Mitglied Kochen, Einkaufen oder Wäsche waschen sollte in einer
Gemeinschaft Ehrensache sein. Für schwerwiegendere Krankheiten können die
Senioren, je nach Mentalität, Kurse für pflegende Angehörige belegen und sich
auf eventuelle Pflegefälle vorbereiten. Es besteht auch die Möglichkeit,
professionelle Hilfe durch ambulante Dienste in Anspruch zu nehmen. Hausbesuche
ansässiger Ärzte sorgen jederzeit für eine optimale und gesicherte Versorgung
im Fall einer ernsthaften Erkrankung.
 Der Alterungsprozess ist von Bewohner zu Bewohner verschieden und zeigt
andere Ausprägungen. Die einzelnen Wohnungen müssen demnach so flexibel und
anpassungsfähig sein, dass sie jeder Lebenslage angepasst werden können.
Barrierefreiheit im gesamten Haus und im Garten ist Grundlage hierfür. Je nach
Gesundheitszustand sind demnach mehr oder weniger Hilfsmittel und
Bewegungsfläche vorhanden.
... mehr zu Hilfsmittel und Bewegungsflächen in den Beiträgen Rollator und Rollstuhl
Wichtig
ist generell, dass sich die zukünftigen Bewohner bzw. Mitglieder einer
Hausgemeinschaft von Beginn an aktiv an der Gestaltung des Projektes beteiligen
können, da es sich um ihr späteres Lebensumfeld handelt. Engagement und der
feste Wille, den Lebensabend in einer Gemeinschaft mit allen Vor- und Nachteilen
zu verbringen, führt Projekte wie dieses zum Erfolg.
Konzeptvorstellung Lebenstraum Vitalis
Hintergrund - Grundgedanke - Wohnform - Zusammenleben - Ziele der Hausgemeinschaft - Motto - Zielgruppe - Geforderte Charakteristika - Motive - Erwartungen / Anforderungen - Versorgung im Alltag - Versorgung bei gesundheitlichen Einschränkungen
Inhaltsverzeichnis
- Hintergrund
- Grundgedanke
- Wohnform
- Zusammenleben
- Ziele der Hausgemeinschaft
- Motto
- Zielgruppe
- Geforderte Charakteristika
- Motive
- Erwartungen / Anforderungen
- Versorgung im Alltag
- Versorgung bei gesundheitlichen Einschränkungen
- Räumliche Umsetzung
- Standort
- Organisationsform
- Anforderungen der Beteiligten
- Bauherr
- Bewohner
- Betreuungspersonal
- Anwohner
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