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Arztpraxis öffentliches Gebäude - Türgriffhöhen

Beitrag Arztpraxis öffentliches Gebäude - Türgriffhöhen

Autor: jörn simonsen Antworten: 5 letzte Antwort: 2011-03-10 07:41:28 von Jennifer Uka

AutorBeitrag
Beitrag
jörn simonsen
erstellt:
07.03.2011 23:38:14

Arztpraxis öffentliches Gebäude - Türgriffhöhen

Ich verstehe die DIN 18040-1 so, dass auch eine Arztpraxis in diesem Sinne ein öff. Gebäude ist.
Der (sehr große) Arzt fragt nun, ob die 85 cm Griffhöhe im Widerspruch zu seinem "Recht" auf Unversehrtheit (er droht mit Bandscheibenvorfall) steht ?
Begründbarer Einzelfall für "normale" Griffhöhe ? Die DIN schreibt ja recht eindeutig von 85 cm...

Antworten

Beitrag
Jennifer Uka
erstellt:
08.03.2011 10:37:50

Expertenseite

Hier müsste man zunächst mal den Durchgriff der DIN prüfen. Sicher ist, nicht jede Arztpraxis kann als ein öffentliches Gebäude im Sinne der DIN angesehen werden.

Dann wäre die Frage, wie weit möchte er von der Regelhöhe abweichen, und hat das Auswirkungen auf andere Nutzer der Türen? Es gibt ja evtl. Sprechstundenhilfen, für die würden die Anforderungen an Arbeitsstätten zutreffen, allerdings sind Türgriffhöhen sicher kein Hauptaugenmerk.

Eine elegante Lösung wären sicher Türgriffe, die allen Bedürfnissen gerecht werden.
http://www.adrik.de/griffe/G-Group/G-Group_design.html Modell "Leonardo" kann man sicher bedenkenlos 10 cm höher anbringen. Auch Querbügel fände ich geeignet, die kann der Arzt mit der Hüfte öffnen. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, außer durch das Budget des Kunden...

... auf nullbarriere.de

Türgriffe und Türbeschläge

Beitrag
jörn simonsen
erstellt:
08.03.2011 13:43:19

Bevor ich Griffe aussuche, würde ich gerne erst klären, ob DIN und/oder LBO mir eindeutig sagen, ob die Praxis eine öffentliche Einrichtung ist oder nicht. Wer kann mir das sagen ?

Beitrag
Jennifer Uka
erstellt:
09.03.2011 07:33:01

Expertenseite

Ein ganz klares "das kommt darauf an". Grundsätzlich ist eine Arztpraxis nach DIN und Bauordnung sicherlich eine "Einrichtung des Gesundheitswesens" - aber die Frage ist, ob die DIN hier wirkt. Um Ihnen das zu beantworten, haben Sie zu wenige Informationen gegeben.
Siehe hierzu: http://www.zdh.de/fileadmin/user_upload/publikationen/sonstige/Broschuere_Kleines_Einmaleins_Normung.pdf

Die Musterbauordnung sagt nichts über Türdrückerhöhen. Es kann sein, dass es in Ihrem Bundesland weitergehende Vorschriften (§84 LBO SH) gibt. Es kann auch sein, dass die Arztpraxis, die Sie meinen, analog einer Sonderbauverordnung zu betrachten ist, wenn Sie vergleichbar groß ist oder sich entsprechend viele Menschen gleichzeitig dort aufhalten. Hier ist aber kein Kriterium, ob die Nutzung im Rahmen einer Arztpraxis erfolgt oder einer Anwaltskanzlei. Hier geht es um die tatsächlich anzunehmenden Gegebenheiten hinsichtlich Personenzahl und Nutzerstruktur (überdurchschnittlich viele Ortsfremde, Mobilitätseingeschränkte, Kinderwagen, Blinde, ...) und Größe der Einrichtung.

Ein Beispiel: An einen einzelnen Arzt, der in seinem selbstgenutzten Einfamilienhaus im Keller eine Praxis für Psychoanalyse mit 2 Patienten täglich betreibt, werden andere Forderungen gerichtet (§52(5) LBO SH), als an eine Einliegerpraxis in einem Ärztehaus mit 300 Patienten täglich, das im Umkreis von 100 km die einzige Einrichtung des Gesundheitswesens ist.

Es stellen sich in diesem Zusammenhang aber auch die Fragen nach einem zweiten Flucht- und Rettungsweg und dem Aushang von Flucht- und Rettungsplan und Brandschutzordnung, Behinderten-WC, Gebäudezugang (Türen und Wege) und dergleichen.

Da der Arzt ja aber auch ein Interesse haben sollte, seine Leistung kundenorientiert anzubieten, wird er sicher auch auf die Belange der Patienten entsprechend eingehen wollen. Also warum nicht "inklusiv" gestalten und allen Bedürfnissen gleichermaßen gerecht werden, als auf Vorschriften herum zu reiten, denen man damit ohnehin gerecht wird?

Eine eindeutige, pauschale Antwort auf Ihre Frage sehe ich ohne umfänglichere Informationen zum Sachverhalt nicht.

Beitrag
Helga Baasch
erstellt:
09.03.2011 14:42:15

Expertenseite

Arztpraxen gehören zu den öffentlich zugänglichen Einrichtungen. Maßgebend ist die LBO. Wenn in Ihrem Bundesland die DIN 18024, Teil 2 oder vielleicht schon die DIN 18040, Teil 1 (veröffentlicht im Oktober 2010, sie ersetzt die DIN 18024, Teil 2) als technische Baubestimmung eingeführt ist, gelten die Planungsanforderungen der Norm. Das Achsmaß von Greifhöhen und Bedienhöhen von Türdrückern nach DIN 18040, Teil 1 beträgt grundsätzlich 85 cm über OFF. In begründeten Einzelfall sind andere Maße in einem Bereich von 85 cm bis 105 cm vertretbar.

Auch ohne eine bauaufsichtliche Einführung kann man aber derzeit schon davon ausgehen, dass die neue Norm, die DIN 18040, Teil1, die sogenannten „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ weitaus besser repräsentiert als die alte Normfassung von 1996. Weil die Planer von Gebäuden sicherstellen müssen, dass die Gebäude zum Zeitpunkt der Fertigstellung (Abnahme) den dann geltenden allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, tun sie gut daran, bereits jetzt diese neue Norm mit allen darin enthaltenden Anforderungen zu berücksichtigen. Die neue Norm enthält - im Gegensatz zur Vorgänger-Fassung - umfangreiche Abschnitte zur Sensorik und zu den daraus resultierenden Anforderungen.

... auf nullbarriere.de

DIN 18040-1 Türen

Beitrag
Jennifer Uka
erstellt:
10.03.2011 07:41:28

Expertenseite

Das ist sicher der gerade, theoretische Weg. Dennoch weise ich darauf hin, dass es sehr wohl Fälle geben kann, in denen die DIN für einen Bauherren eben nicht zwingend ist. Darüber kann ohne weitere Informationen keine Feststellung getroffen werden. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die dem Bauherren entstandenen Ausgaben nicht zwingend erforderlich waren, haftet im Zweifel auch mal der Planer.

Die Akzeptanz für zur Zeit noch als "besondere Belange" geltende Themen, wie zum Beispiel Brandschutz, Arbeitssicherheit und Behinderte, wird man sicher auch eher steigern, in dem man die Anforderungen im Gesamtkonzept von vorneherein allen Bedürfnissen gerecht werdend berücksichtigt, als wenn man auf Grund von Details aus einzelnen Regelwerken ausgerechnet den Belangen des Bauherren nicht gerecht wird. Hier sehe ich durchaus eine planerische Herausforderung.

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