Barrierefreie Einkaufszone

Beitrag Barrierefreie Einkaufszone

Autor: obenauer conny Antworten: 3 letzte Antwort: 2011-06-08 07:26:48 von Jennifer Uka

AutorBeitrag
Beitrag
obenauer conny
erstellt:
29.05.2011 21:14:09

Barrierefreie Einkaufszone

Ich fände es schön, wenn unsere Fußgängerzone ein Stück weit barrierefrei wäre. Die Straße hat aber eine durchgehende Neigung, sodass fast alle Geschäfte Stufen oder zumindest schräge Absätze haben.
Ich habe nun viele Fragen hierzu, zumal ich keine Behinderung habe und mir wichtige Erfahrungen z.B. von Rollstuhlfahrern, fehlen.
Meine wichtigsten Fragen:
- Macht es Sinn, sich für rollstuhlgerechte Eingänge von kleinen Einzelhandelsläden (Boutiken, Apotheken, Friseur, Eisdiele, Kneipe ...) einzusetzen oder fährt ein Rollstuhlfahrer doch lieber in einen (hier ebenfalls vorhandenen) Supermarkt, wo es alles gibt und alles ebenerdig erreichbar ist?

- Kennt jemand eine Stadt, die bereits eine barrierefreie Fußgängerzone hat oder eine solche geplant ist?

- Gibt es optisch ansprechende Rampen oder Beläge?

- Welche Alternativen gibt es zur Aufpflasterung?


Antworten

Beitrag
Jennifer Uka
erstellt:
07.06.2011 16:40:57

Expertenseite

Folgende Gedanken dazu:
- kann es sich eine Fußgängerzone zukünftig leisten, nicht zumindest barrierearme Lösungen anzubieten?

* Einzelhändler werden zunehmend von großen Märkten verdrängt, sollten also für jeden Kunden, der sich die Mühe macht, entfernt zu parken, durch den Regen zum Lieblingsgeschäft zu laufen und dort einen höheren Preis als beim Discounter zu zahlen dankbar sein.

* Nicht nur Rollstuhlfahrer bevorzugen es, einen Laden zum Beispiel schwellenlos erreichen zu können. Auch Kinderwagen sind so leichter mitzunehmen. Menschen, denen das Treppensteigen schwer fällt, freuen sich ebenfalls über einen festen Handlauf und eine Rampe.

* Meiner Erfahrung nach sind gerade eingeschränkte Menschen eine sehr dankbare Zielgruppe kleinerer Läden. Hier werden sie häufig freundlicher und persönlicher bedient, man kann auf ihre Belange eingehen (Hilfestellung beim Anprobieren von Kleidung, im Lokal wird mal ein unübliches Trinkgefäß gereicht, weil es praktischer ist, etc.) und die nette Verkäuferin ist auch beim nächsten Besuch wieder da. Also echtes Stammkundenpotential!

* Hier in Berlin ist die Zugangsfrage wegen der flachen Geografie grundsätzlich nicht so schwierig. In der Lichtenrader Bahnhofstraße gibt es einige ambitionierte Lösungen, die alle nicht normgerecht, aber besser als nur Stufen sind. (Wenn Sie bei Google schauen möchten, zum Beispiel die Tempelritter Apotheke, Hausnummer 61, hat den Eingang drei Stufen über dem Bürgersteig. Von dort führt eine Rampe zum Frieseur (zwei Stufen über dem Bürgersteig) und von dort auf den Gehweg.) Aber auch in anderen Städten wird zumindest versucht, mit Rampenlösungen zu arbeiten. Bei Neubauten ist das meist einfacher als eine Bestandsanpassung (s. oben genanntes Beispiel rechter Nachbar)

* Wo liegt das Problem bei Pflaster? Es gibt doch sehr ansprechende Altstadtlösungen, die meist eine angepasste Lösung für Rollstuhlfahrer anbieten. Können Sie sagen, was Sie sich in etwa vorstellen? Um welche Fußgängerzone handelt es sich denn?

Beitrag
obenauer conny
erstellt:
07.06.2011 20:15:37

Die Fußgängerzone liegt in Altenkirchen, im Westerwald. Ein kleines Städchen, in dem man viel Durchhaltekraft braucht um Neues auf den Weg zu bringen. Im Rahmen des Stadtmarketings will ich die Geschäftsleute zum Mitmachen bewegen, denn die häufigste Reaktion ist:
- wenn jemand mit Rollstuhl kommt, dann helfen wir ihm eben
- das ist nicht unsere Kundschaft
- Rampe könnte man machen, aber wer zahlt das, denn wir sind ja nur Mieter
u.s.w.
Die Fußgängerzone ist nicht allzu breit und wenn z.B. Markt ist, könnte es hier und dort eng werden. Hier muss daher auch der Stadtrat überzeugt werden und ich denke, das geht nur, wenn die Geschäftsleute dahinter stehen.
Inzwischen habe ich aber gute Ansprechpartner gefunden und werde erst mal Beispiele sammeln und Kosten ermitteln. Denn leider dreht es sich meist auch um das liebe Geld.

Dort wurden alle Geschäfte in eine Homepage erfasst mit genauer Beschreibung zur Art des jeweiligen Eingangs, den Toiletten und vieles mehr.
Nach einigem Suchen habe ich also schon eine ganze Menge Infos bekommen, dennoch bin ich über gute, auch unkonventionelle Ideen dankbar.

Beitrag
Jennifer Uka
erstellt:
08.06.2011 07:26:48

Expertenseite


Ja, das ist ein schönes Projekt. Allerdings muss man da ja auch vorher wissen, was man möchte und im Internet recherchieren. Einfach mal kurz unverbindlich in den Laden schauen ist da nicht möglich. Und wenn nicht direkt ein Verkäufer vor dem Laden steht und den Kunden abholt, geht der halt weiter... Außerdem möchten ja manche Menschen für einen kurzen Blick auch nicht so viel Mühe machen. Fußgängerzonen leben ja auch von sogenannter Laufkundschaft.

Die Ladenbesitzer, die meinen, sie würden denn mal eben einen Rollstuhlfahrer drei Stufen hochwuchten (was sicher viele Angestellte gar nicht können, ohne sich den Rücken zu brechen) sollten mal selber im Rollstuhl versuchen, einen Bummel durch ihr "Revier" zu genießen. Das ist ein beeindruckendes Erlebnis. Allerdings dürften bei der Längsneigung ohnehin nicht viele Leute im muskelgetriebenen Rollstuhl unterwegs sein (falls es sich um die Wilhelmstraße handelt, von der habe ich Bilder gefunden). Und E-Rollis in einen Laden zu heben, wird ja wohl nichts.

Beim Markt Café hat´s ja anscheinend geklappt. Man hätte einfach bei der Anlage der gestamten Fläche schon entsprechend planen sollen, und nicht einfach gerade durchpflastern...

In solchen Lagen dauert es dann etwas länger ... Da ist dann ein Gesamtprojekt mit Gesamtförderung vielleicht das beste. Aber wenn die Ladenbetreiber kein Interesse haben, was will man da noch sagen. Denen geht´s noch zu gut.

Viel Erfolg weiterhin.

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