Barrierefreies Planen und Bauen bei den Landesarchitektenkammern |
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Inhaltsverzeichnis - Seite 1 von 2Die Arbeit der 16 Landesarchitektenkammern bezüglich barrierefreiem Planen und Bauen 2011/2012Auch wenn Barrierefreiheit bisher bestimmt nicht das Lieblingsthema in den 16 Landesarchitektenkammern ist, so bleibt sie doch (bei den meisten) auch weiterhin eine wichtige Aufgabe. Deshalb tagten am 26. Januar diesen Jahres 22 Vertreter der Bundes- sowie der Landesarchitektenkammern in Potsdam, um sich über Erfahrungen und Ziele in der Arbeit am barrierefreien Planen und Bauen auszutauschen. Hier die thematischen Schwerpunkte der einzelnen Kammern. Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg setzen unter anderem auf die HochschulenIn Hessen haben jetzt drei Kommunen qualifizierte Beratungsstellen. An der Frankfurter Fachhochschule kann man in einem Studiengang zum Thema "Barrierefreiheit" seinen Master machen. Somit kann man sich sogar berufsbegleitend spezialisieren. Außerdem bietet die Kammer einige Einzelseminare an und plant mittelfristig sogar einen Lehrgang, der vermutlich nach der bauaufsichtlichen Einführung der neuen DIN 18040 beginnt. Sehr gern würde man den eigenen Mitgliedern künftig auch die von der Bayerischen Architektenkammer erarbeitete Broschüre (Herbst 2012) anbieten. Auch Dr. Antje Bernier, die externe Ansprechpartnerin der LAK Mecklenburg-Vorpommern betont, wie wichtig eine Verankerung von Barrierefreiheit und altersgerechtem Wohnen in den Unis und FHs ist: "Die Lehre an den Hochschulen mit baurelevanten Studiengängen halte ich für einen zentralen Ansatz zur Umsetzung der baulichen Barrierefreiheit, es muss eine inhaltliche Verstetigung erreicht werden. Lehraufträge reichen für dieses komplexe Querschnittthema nicht aus. Barrierefreiheit ist Nachhaltigkeitskriterium der DGNB, aber noch nicht Bestandteil des/der BAK Leitfadens/Leitfäden zur Berufsqualifikation. Insofern haben die Architektenkammern noch viel Potential." Neben einigen Vorträgen bietet Dr. Bernier "Barrierefreies Planen und Bauen" immer mal wieder als Wahlpflichtfach an der Hochschule Wismar und innerhalb eines Fernstudiums an. Im Mai 2011 nahm sie an der Agenda Konferenz Bericht zur Situation von Menschen mit Behinderungen teil und gab bei zwei Zeitungskampagnen die dazu gehörende Telefonberatung zusammen mit einem Vertreter der KfW-Bank. Ebenso setzt Brandenburg in diesem Jahr auf den Kontakt zu den Hochschulen, wie Heidrun Feibicke-Krajewsky als Vorsitzende des zuständigen Fachausschusses erklärt. Man werde mit der Hochschule Lausitz, der BTU Cottbus und der FH Potsdam reden. Weitere Themen der Jahre 2011/2012 sind und waren: Die Auswertung Erfahrungsaustausch "Barrierefreies Bauen" der Länderarchitektenkammern, ein Gespräch mit Behindertenbeauftragten des Landes Brandenburg, die Diskussion über Behindertenpolitisches Maßnahmenpaket für das Land Brandenburg und die Diskussion zur Novellierung der BbgBO, § 45 Barrierefreies Bauen. Außerdem die Organisation von Weiterbildungsveranstaltungen zur DIN 18040 im Winterhalbjahr 2011/2012 und die Organisation, Sitzungsleitung und Protokollführung des bundesweiten Erfahrungsaustausches der Länderarchitektenkammern am 26. Januar 2012 in Potsdam. Wichtig sei nicht zuletzt die Werbung für die Bereitschaft von Architektinnen und Architekten einer ehrenamtlichen Arbeit im Ausschuss "Barrierefreies Bauen" im Zusammenhang mit den Neuwahlen für den Vorstand und Ausschussvorsitzende für die Legislaturperiode von April 2012 bis April 2017. Der Ausschuss hat darüber hinaus jetzt einen eigenen Internetauftritt. Aus- und Weiterbildung ist in diesem Jahr auch der Schwerpunkt in Sachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-PfalzNach dem Tod von Gerd Oberhaid geht es darum, sein fachliches Erbe in seinem Sinne weiterzuführen. Neben der Einarbeitung der neuen Spitze des Fachausschusses in Sachsen geht es auch hier in diesem Jahr vorrangig um Aus- und Weiterbildung: "Es ist eine Überarbeitung und Aktualisierung des Sachverständigenlehrgangs der Kammer, der 2013 wieder stattfinden wird, geplant. Geprüft wird auch, inwieweit [...] ein Weiterbildungsangebot an die Vertreter der Behindertenverbände und die Behindertenbeauftragten der Kommunen erarbeitet werden kann. Im Sommer wird es ein zweitägiges Fachseminar "Architekten barrierefrei" geben [...]. Weiter vertieft soll die Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Chemnitz werden, dort wird in einem Modellvorhaben "Barrierefrei altersgerecht umbauen" ein Lehrgang für Handwerker angeboten, der diese fachlich weiterbilden soll", erklärt Susanne Trabandt, die neue zuständige Ansprechpartnerin der LAK Sachsen. Marc Jestrimsky aus Schleswig-Holstein ebt ebenfalls eine Fortbildungsmaßnahme seiner Kammer in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Hamburg und dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung in seinem Bundesland hervor, die bereits 2011 einmal stattfand und für 2012 von den drei Veranstaltern neu aufgelegt werden soll. Er persönlich wird weiterhin durch Vorträge und Fachartikel für das Thema "Barrierefreiheit beim Bauen und Planen" werben. Weitere Aufgaben waren unter anderem die Änderungen zur MBO Beherbergungsstätten sowie die DIN 18040 T1/T2 und die neue DIN 32984. Auch in Rheinland-Pfalz waren 2011 die Fortbildung in Seminaren sowie die Fortentwicklung der Einzelberatungen im Rahmen der bestehenden Kooperation mit der Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen bestimmend. Die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit den Ausbildungsstellen steht für 2012 auf dem Programm: Besonders die Durchführung eines hochschulöffentlichen Wettbewerbs mit dem Thema "Gestaltung und Design ohne Barrieren". Auch 2012 noch wichtig: die DIN 18040Das 2011 und 2012 bestimmende Thema in Niedersachsen ist laut Andreas Rauterberg von der dortigen Architektenkammer klar die DIN 18040. Deren zunehmende Bedeutung spüre man zum Beispiel in der seit vielen Jahren kontinuierlich nachgefragten Beratungsstelle. Da die bauaufsichtliche Einführung in seinem Bundesland innerhalb des nächsten halben Jahres wahrscheinlich bevorstehe, empfiehlt man dort schon jetzt, deren Berücksichtigung beim Planen. Schwerpunkte der diesjährigen Arbeit sei dem entsprechend auch die Durchführung einer entsprechenden Schulung sowie das Erstellen einer Broschüre. Auch in Bayern widmete man den einen großen Teil der Arbeit der neuen Norm, konstatiert die Sprecherin des Beratungsteams der Bayerischen Architektenkammer Christine Degenhart. Es gab eine gründliche interne Kommunikation über die Inhalte und die Vermittlung der Ergebnisse nach außen, zu Mitgliedern, Kollegen und den relevanten Gremien. Der Kommentar beziehungsweise die Planungsgrundlagen zur DIN 18040 wurden bearbeitet (Neuauflage der blauen Broschüren). Jetzt steht die Einführung der Norm als technische Baubestimmung bevor. Außerdem beschäftigt man sich unter anderem auch weiterhin mit dem Thema "Inklusion", dem öffentlichen Verkehrs- und Freiraum sowie der Vernetzung aller wichtigen Akteure auf Bundes- und Landesebene. Meike Austermann-Frenz von kom.fort e.V. Beratungsstelle für Barrierefreies Bauen und Wohnen in Bremen erklärt die Notwendigkeit, sich zusammen mit dem Landesbehindertenbeauftragten und den Juristen des Bauressorts über die weitere Entwicklung und Einführung der DIN 18040 in einen Abstimmungsprozess zu kommen beziehungsweise einen fachlichen Austausch herzustellen. Im vergangenen Jahr bereits gab es eine Fortbildung zu beiden Teilen der neuen Norm. Außerdem stand die Teilnahme an Messen wie "Altbautage", "Immobilientage" mit einem Informationsstand und Vorträgen auf dem Programm. Für 2012 sind die Auslobung des Bauherrenpreises, der weitere Ausbau der bisherigen Arbeit der Beratungsstelle und der "Tag der Architektur" geplant. Laut Ruth Schangemann von der LAK Baden-Württemberg lag bei der Mitgliederberatung im vergangenen Jahr ebenfalls der Schwerpunkt auf Relevanz, Umgang und Aufklärung zur 18040 Teil 1 und 2. Zentrale Fragen der Aufklärung waren dabei die inhaltlichen Umstrukturierung der Normen und die Aufnahme der sensorischen Anforderungen. Außerdem Arbeitsstätten, die kein Bestandteil der Norm mehr sind und in den ASR geregelt werden sowie Schutzziele als Voraussetzung für die Barrierefreiheit. Zusammen mit dem Dachverband Integratives Planen und Bauen in Stuttgart lobt die Kammer im Mai den Dr. Ursula Broermann-Preis für beispielhaftes barrierefreies Bauen 2012 aus. Der voraussichtliche Termin für die Preisverleihung wird im Oktober diesen Jahres sein. Weitere Wettbewerbe und Preise zum Thema BarrierefreiheitDie Entwicklung einer entsprechenden positiven Kommunikationsstrategie, die anregt, Barrierefreiheit als Mehrwert in der Architektur für die Zukunft unserer Städte und Kommunen zu begreifen, ist Ziel eines Wettbewerbes, den die LAK in Berlin ausgerufen hat. Außerdem ging es laut Ulrike Rau im vergangenen Jahr unter anderem um preisgünstigen Wohnungsbau, der möglichst barrierefrei ist. Die Kollegen wurden im DAB in zwei Fachartikeln zur DIN 18040 und über die Relevanz der Sensibilisierung angehender Architekten zur Barrierefreiheit bereits an Hochschulen informiert. Darüber hinaus liefen im Winterhalbjahr 2012 in der Hauptstadt drei Weiterbildungs-Veranstaltungen und ein Symposium "Baukultur versus Barrierefreiheit". In der Architektenkammer Thüringen gibt es noch immer kein spezielles Gremium für barrierefreies Bauen und Planen. Dennoch nahm deren stellvertretende Vorsitzende Astrid Oestereich zusammen mit der im Thema sehr engagierten Architektin Nadine Metlitzky im Januar am Erfahrungsaustausch der LAKs in Potsdam teil und lernte so deren Arbeit kennen. Immerhin: Auf Schloss Ettersburg finden immer wieder Seminare und Fachtagungen statt, deren Termin auf dessen Homepage nachzulesen sind. Für 2013 plant man derzeit in der Kammer zusammen mit dem Behindertenbeauftragten des Freistaates die Auslobung des Preises "barriereFREI!" Nordrhein-Westfalen setzt einen politischen Fokus auf seine ArbeitEine zentrale Aufgabe sieht man dort in der Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels. Gerade der Gebäudebestand müsse an eine älter werdende Gesellschaft angepasst werden. Was fehlt, sei ein ausreichendes Angebot barrierefreier Wohnungen. "Die Forderung nach einem demografie-festen, altengerechten und möglichst barrierearmen Umbau des Bestands und der Infrastruktur erheben wir politisch und öffentlich [...].", sagt ein Sprecher der Landesarchitektenkammer Nordrhein-Westfalen. Auch das Thema "Inklusion im Schulbau" müsse angegangen werden, was die Kommunen aber angesichts knapper Kassen vor eine gewaltige Aufgabe stelle und intelligente Lösungen von Architekten und Innenarchitekten verlange. In NRW steht eine Novelle der Landesbauordnung an, Neuregelungen zur Barrierefreiheit öffentlicher Gebäude sind bereits angekündigt. Man werde sich in das Gesetzgebungsverfahren einbringen. Die eigene Akademie veranstaltet auch weiterhin themenspezifische Seminare für Architekten und für Bauherren. Die Oberhausener (Innen-)Architektin Vera Schmitz hilft für die Kammer bei der Erarbeitung der Technischen Regel "Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten". Diaspora in Sachsen-Anhalt und im SaarlandAus Sachsen-Anhalt gibt es derzeit nichts zu berichten: So gab es weder im vergangenen Jahr besondere Aktionen zum Thema "Barrierefreies Bauen" noch sind nach Aussage der LAK diesbezügliche Aktivitäten für das 2012 geplant. Genauso sieht es im Saarland aus. Aus Hamburg erreichte den Autoren bisher leider keinerlei Information. Fazit: Die vier großen Themen 2011/2012Die DIN 18040 in ihren beiden Teilen war und ist auch 2011 und 2012 eines der zentralen Themen innerhalb der Länderarchitektenkammern beim barrierefreien Bauen und Planen. Aber auch die Hochschulpolitik, also eine adäquate Ausbildung der Architekten rückt derzeit ins Zentrum der Tätigkeit bei den Kammern, ebenso wie Aus- und Weiterbildung bei Planern, im Handwerk und bei den Bauherren. Außerdem werden zunehmend Preise für altersgerechtes und barrierefreies Leben, Planen und Bauen ausgelobt. Selbstverständlich geht die Arbeit der zahlreichen Beratungsstellen in den Bundesländern eifrig und erfolgreich weiter, auch wenn bisher in einigen Bundesländern nicht einmal innerhalb der Landesarchitektenkammern ein entsprechendes Gremium existiert. |
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